B. Das Aussehen, die Kleidung, der Kajakfang, die Häuser.

Das Aussehen der ursprünglichen Eskimos hatte ich bereits früher Gelegenheit zu schildern.

Sie haben, wie dort gesagt wurde, ein breites, gutmüthiges Gesicht mit großen Zügen, kleine, dunkle, zuweilen ein wenig schrägliegende Augen, eine flache Nase, runde, fette Wangen, einen breiten Mund und starke Kiefern. Auf Schönheit können sie infolgedessen ja eigentlich keinen Anspruch machen, und doch können die ursprünglichen Eskimogesichter etwas sehr Anziehendes haben. Die Mischrasse, die durch Kreuzung von Europäern und Eskimos entstanden ist, pflegt hübscher zu sein als die ursprüngliche Rasse. Diese Mischeskimos haben in der Regel ein gewisses südländisches, zuweilen auffallend jüdisches Aussehen, mit dunklem Haar, dunklen Augenbrauen und theilweise sehr bräunlicher Hautfarbe. Es kommen häufig ganz edle Schönheiten unter ihnen vor, sowohl bei dem starken wie bei dem schwachen Geschlecht. Ein Beispiel dieser grönländischen Mischrasse findet sich auf [Seite 203].

Eskimos von der Ostküste.
(Nach einer durch die dänische „Konebaad“-Expedition aufgenommenen Photographie.)

Die Hautfarbe ist bei den ursprünglichen Grönländern bräunlich oder bläulichgelb, und selbst bei den Mischlingen kann eine fast kastanienbraune Farbe vorkommen. Die neugeborenen Kinder sind heller, aber schon Saaby hat darauf aufmerksam gemacht, daß sie einen blauschwarzen Fleck auf dem Rückenkreuz haben, von dem sich die dunkle Farbe dann später verbreitet. Holm erwähnt etwas Aehnliches von der Ostküste,[58] ich selber habe indessen keine Gelegenheit gehabt, mich davon zu überzeugen, was das Gewöhnliche ist; es wird ein ähnliches Verhältniß sein, wie bei den Kindern der Japanesen.

Ueber die Kleidung der Eskimos wird man sich nach den in diesem Werke enthaltenen Illustrationen einen Begriff bilden. Die Männer in Südgrönland tragen auf dem Oberkörper einen sog. Timiak aus Vogelfell. Auf dem Lande verwendet man meistens das Fell der Eidergans, aus dem die Federn ausgerupft sind, so daß nur die Daunen sitzen bleiben, in den Kajaks dagegen Pelze aus Dohlenfell. Auch das Fell von Graculus carbo oder Scharf wird angewendet, das letztere ist das stärkste und beste von allen. Ueber dem Timiak haben sie einen Ueberzug aus Stoff (Anorak). Der Timiak ist mit einer Kapuze versehen, die über den Kopf gezogen werden kann. Die Beine sind mit Beinkleidern von Seehundsfell oder von europäischen Stoffen bekleidet, an den Füßen tragen sie eine eigene Art von Stiefeln, „Kamikker“ aus Seehundsfell. Diese haben inwendig eine Art Strümpfe aus Fell mit nach innen gekehrten Haaren, nach außen bilden sie einen Stiefel aus wasserdichtem Fell. Die Füße stecken bloß in den Kamikkern. Die Bekleidung der Frauen ist derjenigen der Männer sehr ähnlich, auf dem Oberkörper tragen sie einen Pelz aus Vogelfell, doch ohne Kapuze, dagegen mit einem breiten Perlenkragen um den Halsausschnitt. Sowohl bei den Männern wie bei den Frauen ist der Pelz an Hals und Handgelenken mit Hundefell eingefaßt, vorzugsweise mit schwarzem. Die Beine stecken in Beinkleidern aus Seehundsfell, die jedoch kürzer sind als bei den Männern; sie sind an der Vorderseite reich mit farbigem Leder und weißen Streifen aus Rennthierleder oder Hundeleder verziert. Zuweilen bestehen die Beinkleider der Frauen auch aus Rennthierfell. Die Kamikker sind länger als bei den Männern und gehen bis über die Kniee. Sie haben in der Regel eine krasse Farbe, vorzugsweise sind sie roth, aber auch blau, violett und weiß. Sie sind an der Vorderseite mit einem herunterlaufenden Streifen verziert.

Ursprünglich trugen die Frauen lange Pelze aus Vogelfell oder Anoraks wie die Männer,[59] nachdem aber die Europäer sie die Benutzung der weißen Leinwand lehrten, fanden sie dies zu schön, um es zu verbergen, und statt ihre Gewandung wie die europäischen Damen oben auszuschneiden, brachten sie nach unten zu einen Ausschnitt an, indem sie die Anoraks so kurz machten, daß zwischen denselben und den Beinkleidern, die ganz unterhalb der Hüften sitzen, ungefähr ein handbreites Stück unbedeckt blieb, so daß die Leinwand sichtbar wurde.

Die Eskimos an der Ostküste haben eine ähnliche Tracht, doch verwenden sie fast gar kein Vogelfell zu ihren Pelzen, sondern größtentheils Seehundsfell. Dasselbe ist auch sehr häufig im nördlichen Grönland der Fall.

Im Hause ging der ursprüngliche Eskimo, sowohl Mann als Frau, vollständig nackend, mit Ausnahme des bereits früher erwähnten Nâtit, eines Bandes, das um die Lenden gebunden wurde. Dasselbe ist noch jetzt an der Ostküste Gebrauch.