Mädchen gemischter Herkunft aus „Sukkertoppen“.
(Nach einer Photographie.)

Dies ist natürlich eine sehr gute und gesunde Sitte, denn die Fellkleider hindern die Ausdünstung der Haut, und deshalb ist es besonders ungesund, sie in warmen Räumen zu tragen. Ein natürliches Bedürfniß hat sie veranlaßt, sich im Hause der Kleider zu entledigen, wenn sie sie dort überhaupt jemals getragen haben. Als die Europäer ins Land kamen, verletzte indessen diese Sitte deren Anstandsgefühl, und die Missionare besaßen so wenig Einsicht, daß sie dagegen predigten. So ist denn diese Sitte jetzt an der Westküste abgeschafft, ob sich dadurch aber die Moral verbessert hat, wage ich nicht zu entscheiden, — ich bezweifle es freilich sehr, eins aber ist sicher, der Gesundheitszustand ist nicht dadurch gehoben worden.

Die Westländer geniren sich noch heutzutage sehr wenig davor, sich zu entblößen. Viele decken sich freilich zu, sobald Europäer ihre Hütten betreten, meiner Ansicht nach ist dies aber mehr Ziererei, von der sie glauben, daß sie uns gefällt, als wirkliches Schamgefühl, denn sie verrichten im übrigen die undenklichsten Dinge auf die natürlichste Weise von der Welt, ohne sich zu geniren. Entdecken sie, daß ein Europäer ihre Versuche, schamhaft zu sein, gar nicht beachtet, so bemühen sie sich auch nicht mehr.

Die Frauen nehmen ihr Haar in einem Knoten oben auf dem Kopfe zusammen. Dies geschieht, indem sie es von allen Seiten fest zusammenbinden. An der Westküste umbinden sie es dann mit einem farbigen Bande: die unverheiratheten Frauen tragen ein rothes Band, haben sie Kinder gehabt, so tragen sie ein grünes, während die Farbe der verheiratheten Frauen blau ist. Das Band der Witwen ist schwarz; gehen sie mit dem Gedanken um, sich wieder zu verheirathen, so bringen sie ein wenig Roth auf dem schwarzen Bande an. Aeltere Witwen, welche die Hoffnung auf eine abermalige Verehelichung aufgegeben haben, legen oft ein weißes Band an. Bekommt eine Witwe ein Kind, so muß auch sie ein grünes Haarband tragen.

Die Grönländerinnen sind kaum weniger eitel als ihre europäischen Schwestern, und da es sich darum handelt, daß der Haarknoten so steif wie möglich in die Höhe stehen soll, so ziehen sie es so stramm in die Höhe, daß sie es aus der Stirn, aus den Schläfen und dem Nacken förmlich herausreißen, weswegen sie im Alter fast alle kahlköpfig werden und dann weniger anziehend sind. Man hat da den besten Maßstab für ihre Eitelkeit.

Um dem Haar einen recht schönen Glanz zu verleihen, pflegen sie es, wenn sie es aufstecken, in Urin zu baden. Sie sind auch der Ansicht, daß ihnen dieses einen eigenartigen, jungfräulichen Duft verleiht. In derselben Flüssigkeit waschen sie sich auch mit Vorliebe. Der Geruch, der ihnen infolgedessen anhaftet, ist, wenigstens für europäische Nasen, durchaus nicht angenehm. Ich habe von einem Europäer in Nordgrönland gehört, der sich in eine Grönländerin verliebt hatte, den Geruch konnte er jedoch nicht ertragen. Er half sich dadurch, daß er eine Ladung Eau de Cologne aus der Heimath verschrieb, und damit wurde die Geliebte jeden Morgen besprengt. Auf die Weise machte er es wirklich möglich, sich mit ihr zu verheirathen.

Da die Existenz der Grönländer ausschließlich auf dem Kajakfang beruht, der ihnen die Mittel für ihren Lebensunterhalt liefert, so scheint es mir ganz natürlich, bei der Schilderung ihres Lebens hiermit zu beginnen. Ich komme indessen später noch häufiger darauf zurück und will mich deswegen hier nur ganz kurz fassen.

Der Kajak besteht aus einem hölzernen Speilerwerk, das von außen mit Fell bezogen ist, vorzugsweise mit dem Fell der Phoca grönlandica oder der Klappmütze;[60] das Fell der letzteren wird jedoch nicht für so stark und wasserdicht gehalten, kann man dagegen Fell von jungen Klappmützen bekommen, in dem die Poren der Haut nicht so groß sind, so soll auch dies sehr zweckmäßig sein.