So lautlos wie möglich schlichen wir an den Rand und den Abhang hinab. Bald waren wir so nahe, daß wir anfangen mußten, anzuspringen.
Endlich sind wir unten. Es geht über das Moor von Büschel zu Büschel, jedesmal drei Sprünge nach jedem Glucksen.
Unmittelbar vor uns stehen über dem Waldrand der Halbmond und Jupiter und scheinen auf uns herab, während der Wald unten ganz schwarz daliegt. Aus dem Dunkel kommt der schwache, geisterhafte Laut. Dort jenseits des Moors auf einem Baume muß der Hahn auffußen. Das Spiel geht beständig weiter.
Wir kommen immer näher. Alle Nerven und Muskeln sind gespannt, das Auge saugt sich in die Dunkelheit hinein. Aber wo ist er? Es ist unmöglich, auf dem Hintergrunde des schwarzen Waldes etwas zu sehen.
Gerade unter dem Mond steht eine einsame kleine Kiefer am Rande des Moors. Unter dem Stamm erkenne ich einen großen schwarzen Klumpen; kann er das sein? Nein, der rührt sich ja nicht. Doch, dort hat sich wirklich etwas bewegt. Beim nächsten Glucksen wurde das Gewehr gehoben und gezielt. Wieder ein Glucksen, dann ein langer Lichtblitz im Dunkel und ein Knall. Ein Klatschen, ein schwerer Fall ins Moor. Johann springt hinzu und hebt ihn auf. Es ist ein großer Hahn.
Still bleiben wir stehen. Es ist ziemlich dunkel geworden, aber noch ist es Zeit. Etwas weiter weg hatten wir einen andern Auerhahn spielen hören, während wir den ersten angesprungen hatten. Wir lauschen. Aber jetzt ist es ganz still. Er ist wohl vom Schuß vergrämt worden. Wir gehen wieder den Berg hinauf und lauschen nach dem ersten. Dort schnalzt er, aber spielen will er auch jetzt nicht. Hier und da wieder ein Schnalzen, ein Spiel wird jedoch nicht daraus. Dann verstummt es ganz. Auch der Auerhahn hält seine Nachtruhe. Da ist es wohl auch für uns Zeit, und wir ziehen weiter.
Es ist noch ein gutes Stück Wegs bis zum Nordmoor, wo wir am Morgen jagen wollen. Erst geht es über Schutthalden und nasse Moore, dann durch ein steiles Tal mit einem Bach zwischen schroffen Bergwänden. Wir kommen auf eine Anhöhe, so steil, daß wir hinaufklettern müssen, zuweilen auf allen vieren.
Endlich geht es auf der andern Seite hinab. Hier hatten wir vorige Nacht unter einer überhängenden Bergwand gute Unterkunft gefunden. Aber jetzt war es bald ganz finster, und es war nicht leicht, vorwärts zu kommen; bald ging es über gestürzte Baumstämme, bald über nassen Moorboden. Wir tasteten uns die Bergwand entlang vorwärts und fanden die Höhle.
Johann lief herum und klopfte alle dürren Kiefernstämme nach harzigem Holz ab, bis er einen guten, fetten Stock fand. Jetzt, da der Wald so feucht war, lohnte sich’s, damit ein Feuer anzumachen. Inzwischen brach ich dürre Bäume und trug sie zusammen.
Bald flammte das Feuer vor der Bergwand. Tannenzweige gaben ein trockenes Bett auf dem nassen Boden, und zwischen Berg und Feuer wurde es hübsch warm. Dann kam der Kaffeekessel ins Kochen, und der Proviant wurde hervorgeholt.