Im Wechsel der Zeiten wurden der Menschen mehr, der Wälder weniger, und das Wild wurde spärlicher. Mit den Wäldern, den Jagdtieren und dem Leben des Wilden flohen aber auch das Glück und die Lebensfreude immer mehr von den Menschen. Die jetzt bei dem Feuer sitzen, sind nicht mehr die jungen, elastischen wilden Tiere, die von Lebensmut strotzen, sie sind alt, niedergebeugt vom Drucke der Gesellschaft, erfüllt von endlosen Rücksichten, Fesseln, Sorgen für sich und für andere, von zerstörten Hoffnungen, fehlgeschlagenen Plänen — von allerhand Jämmerlichkeit, die sie nie losläßt. Die sinnlose Wehmut des Lebens. Die Knospe, die springen sollte, hat keinen Saft. Ja, wohin ist im Abendland die Freude geraten?
Aber laß nur draußen in der Nacht Schritte von Tieren laut werden, einen Zweig knacken — auf einmal steht er wieder straff wie eine zitternde Stahlfeder, und blitzschnell, wie der Wilde seinen Spieß faßte, ergreift er das Gewehr. Das Raubtier blitzt aus den Augen, die ins Dunkel hinausspähen.
Ach ja, das Raubtier meldet sich wohl auf mancherlei Weise... Da ist dieser Krieg! Auch dort rast das Raubtier. Aber hier ist es das Tier in seiner Zerstörungslust, während es im Walde der Trieb war, den Lebensunterhalt zu schaffen....
Der Mond schleicht zwischen den Tannen weiter. Es ist, als höre man die Atemzüge der Natur. Kann unsere ganze Kultur uns etwas geben, was die Schönheit einer Waldnacht aufwiegt? Aber die Fähigkeit, sie zu würdigen, hat sie vielleicht doch entwickelt.
Noch ein paar Klötze auf das Feuer. Es flammt von neuem auf, und ich lege mich nieder, um eine Weile zu schlafen, bevor wir wieder aufbrechen.
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Ich fuhr auf, aber es war noch nicht zwei Uhr. Noch war ganz finstere Nacht, und der Mond war westwärts hinter die Bergwand gezogen. Um halb drei Uhr durften wir erwarten, daß der Auerhahn balzte. Es war nicht viel mehr als eine Viertelstunde Wegs bis zum Ziel. So weckte ich denn Johann. Im Nordosten begann es allmählich hell zu werden.
Wir dämpften das Feuer, indem wir die Klötze auseinanderzogen. Übrigens bestand jetzt keine Gefahr, da der Wald so naß war. Dann gingen wir hinab über das Tal am See vorüber. Auf dem Hang gegenüber sollte der Auerhahn balzen.
Da ertönte ein langer pfeifender Klagelaut in der Luft. Johann kannte ihn nicht. Wahrscheinlich war es ein Brachvogel, der strich. In der Stille der Frühlingsnacht, während alles schläft, geht sein Weg vom Süden nach dem Nordlandssommer. Sonst kein Laut.