Eine große Lawine war kurz vor meiner Ankunft in dem Fjord niedergegangen, und man bekam ordentlich Respekt davor, wie sie dort lag und sich weiß leuchtend von den dunkeln Bergwänden an den Seiten und dem schwarzen Wasser darunter abhob.
In Gudvangen zeigten sie mir auch einen großen Block, der vom Gebirge herabgekommen war. Er hatte sich zu oberst auf dem Kamm losgelöst und war in drei Sprüngen herabgesaust. Beim zweiten Sprung war er wie eine Kanonenkugel quer durch beide Wände eines Hauses hindurchgegangen, mit einer solchen Geschwindigkeit, daß die Löcher, die er geschlagen hatte, nicht größer waren als er selbst. Beim dritten Sprung fuhr er durch Dach und Wand eines andern Hauses, schlug eine Frau tot und eine zweite zuschanden und bohrte sich dann in die Erde ein, wo er noch lag.
Von Gudvangen ging es mit dem Dampfschiff am sternklaren Abend durch den Näröfjord und weiter nach dem Lärtal.
Am nächsten Morgen früh fuhr ich bei mäßiger Schneeschuhbahn durch das Lärtal hinauf. Das Wetter war ganz gut, aber der Schnee war schlecht, und der Weg wurde bald ganz schwarz, so daß ich die Schneeschuhe tragen mußte. Auch hier ist es eng und wild, aber nicht so wie im Närötal. Hier und da waren Lawinen niedergegangen, die nun weißleuchtend unten an den Berghängen lagen.
Im Verlauf des Vormittags ließ ich mich bei einem kleinen Bach am Wege nieder, holte den Proviant hervor und begann zu frühstücken. Eine tiefe Schlucht durchschnitt die jähe Bergwand bis zum Gipfel hinauf. An den gewaltigen Schneemassen konnte ich erkennen, daß eine große Lawine niedergegangen war.
Wie ich eben in die Umgebung vertieft dasaß, dem Getöse des Wasserfalls lauschte und an den Sommer dachte, da man mit der Angel am Fluß entlang gehen konnte — es gab hier so schöne Fischgumpen — wurde ich von einer gellenden Stimme aus meinen Träumen geweckt.
„Du bist wohl nicht recht bei Trost, dich hierher zu setzen, gerade unter eine Lawine?“
Ich fuhr auf. Ein Bauer kam in schneller Fahrt auf einem Schlitten vorüber.
„Ach, es wird wohl nicht so gefährlich sein.“
„Nicht gefährlich? O ja, es ist schon manchem hier schlecht gegangen. Kommen die Lawinen herunter, dann füllen sie das ganze Tal.“