„Man hört wohl, wenn sie kommt, und kann dann flüchten?“

„Hören, wenn sie kommt? Mann, das geht so schnell wie ein Büchsenschuß.“

Wie ich noch darüber nachdachte, kam wieder einer gefahren. Er trieb das Pferd an und rief mir zu, ich möge sehen, daß ich weiterkomme.

Weiter oben traf ich einige Männer, die mir erzählten, die Schlucht heiße Saueskluft und sei wegen ihrer Lawinen, die den ganzen Talgrund sperren können, die gefürchtetste Stelle im Lärtal. Sie kämen vom Gipfel herab und wüchsen durch den Schnee, der von beiden Seiten herabstürze, und auf ihrem langen Weg könnten sie eine unheimliche Größe erreichen. Was ich da sah, war nur der erste Absturz, der den Weg für das ebnete, was nachkommt und das nun zu erwarten war. Da würde ich etwas ganz anderes zu sehen bekommen.

So marschierte ich denn weiter. Bald konnte ich die Schneeschuhe wieder anschnallen, und es ging nun schnell durch die wilden Gebirgsschluchten hinauf. Der Fluß tief unten war mit Eis bedeckt, unter dem er einen ruhigen Lauf hatte. Um die offenen Löcher herum und von Loch zu Loch gingen Otterfährten. Hier lebt der Otter sommers und winters. Man erschauert, wenn man in diese schwarzen Löcher hinabsieht und sich vorstellt, man solle untertauchen und in diesem kalten Wasser leben. Aber dem Otter geht es gewiß ganz gut, Fische gibt’s hier genug.

Auf einmal höre ich ein munteres lautes Zwitschern. Erstaunt sehe ich mich um. Gibt es hier auch Vögel? Jetzt derselbe Klang wieder. Nicht von den Bergwänden herab, nein, von unten her. Da fliegt wahrhaftig der Sänger das Eis entlang, und nun taucht er mitten in den wilden Fall hinein. Das war die Wasseramsel. Ihr ist das Leben nie zu schwer, außer wenn der Fluß zufriert und sie kein offenes Wasser mehr findet.

Weiter oben, nach Borgund zu, beginnt sich das Tal zu weiten. Nachdem ich an Huse vorübergekommen war, bog ich bei Vindhellen in den alten Weg ein, der in steilen Windungen aufwärts führt, dafür aber viel kürzer ist.

Über einen Felsrücken geht es an der andern Seite wieder bergab. Man kann hier weit in das schöne Borgundtal hineinsehen; unten rechts liegt die alte Holzkirche von Borgund, die neue Kirche unmittelbar neben ihr. Sie ist schön im Sommer, aber schöner noch ist sie anzusehen in dem weißen Winter, wenn ihre vielen Giebel und Dächer mit Schnee bedeckt sind.

Es war schon längst dunkel geworden, als ich gegen sieben Uhr in Burlo anlangte und die langen steilen Höhen zum Filefjell hinaufstieg. Der Weg war schwierig. Die Beine, die noch nicht recht geschmeidig waren, machten sich auch bemerkbar, und ich war den Tag über auf der schlechten Bahn nicht wenig gegangen. Doch hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, die Nacht in Breistölen zu schlafen, und da mußte ich eben gehen, bis ich dorthin kam.