Die braven Menschen! Wie gut sie es meinten, und als ich mich verabschiedete, ermahnten sie mich dringend, vorsichtig zu fahren!
Dann ging es in die mondhelle Nacht hinaus. Die Bahn war gut, der Schnee hart. Bevor ich das Tal verließ, mußte ich mehrere Male fühlen, daß Mondschein für Schneeschuhläufer heimtückisch ist. Der Schnee leuchtete in silbernem Glanz, wo nicht Abhänge und Vertiefungen dem Mond abgewandt waren. In den wenigen zerstreuten Waldstrecken warfen die Bäume lange Schatten. Die Berglehne im Süden lag im Dunkel.
Ich sauste eine lange Anhöhe hinab. Erst durch ein Wäldchen, dann aufs offene Feld hinaus. Aber auf einmal lag der Weg wieder im Schatten. Dichtes Gebüsch stand zu beiden Seiten. Bums! Die Schneeschuhspitzen rannten gegen einen Schneebuckel — und ich lag auf der Nase. Nun, das war nicht das einzige Mal.
Allmählich ließ ich das Tal mit den Bäumen und Büschen hinter mir. Im Westen lag die Bergweite wogend vor mir. Wohin das Auge schaute, war Schnee, Schnee, weißer, schimmernder Schnee.
Schnell ging es vorwärts. Mein Schatten tanzte neben mir her. Ich kam auf einen Bergrücken hinauf; vor mir breitete sich westwärts weit hinaus die weiße Fläche des Strandefjords, und den Hang hinunter ging es gerade auf ihn zu. Die Schneeschuhe hüpften über die Schneewehen wie über erstarrte Wogenkämme; es ging mit rasender Geschwindigkeit. — Nun war ich drunten auf dem Eise und hatte nur noch eine halbe Meile bis Myrstöl.
Bald meldete sich über der Bergreihe im Osten der Tag mit tiefstem Feuerrot, das nach und nach stärker und heller wurde. Berge und Schneeflächen empfingen einen seltsam unwirklichen blauvioletten Schein. Aber noch schien der Mond und warf lange Schatten.
Da lag auch schon Myrstöl. Ich ging um das Haus herum, um den Eingang zu finden. Es sah ganz so aus wie ein Stall. Ich klopfte, man antwortete, und ich öffnete die Tür. Ich sah in einen Raum mit Feuer auf dem offenen Herd, einige Frauen standen dort. Ein scharfer Geruch von Kühen schlug mir entgegen, und ich hörte die Tierlaute aus dem Raum nebenan und aus dem Raum unter der Diele. Ein solches Zusammenleben von Mensch und Vieh unter einem Dach hatte ich noch nie gesehen. Aber es gab Wärme, und Holz war spärlich, so tief im Gebirge.
„Guten Morgen, ist der Bauer zu Hause?“