Ich zog durch das Tal, das sich gleichmäßig ansteigend aufwärts windet. Die letzten Sennhütten lagen bald hinter mir. Es ging über ein zugeschneites Gebirgswasser nach dem andern. Tief unter dem Schnee brummte der Fluß.

Dann stand ich an der Wegscheide. Nun galt es Aurland oder Vosseskavlen.

Gerade vor mir eine weite Ebene. Draußen am Rande verschwanden die Berge. Dort ging es abwärts nach Sogn zu. Auf diesem Wege konnte ich das Tal schnell erreichen. — Ich wandte mich um: weiß und lockend breitete sich die Bergweite, Gipfel an Gipfel, wie ein Lager weißer Zelte bis zum Himmelsrand, blaßrot und klar.

Weshalb den Umweg um Aurland und nicht geradeaus? Hatte ich früher in Nebel und Regen hinübergefunden, so mußte ich doch jetzt bei klarem Wetter und guter Schneeschuhbahn wohl auch ans Ziel kommen. Ging es heute nicht, so ging es morgen, und Unterkunft konnte ich in den Sennhütten von Hallingskeid oder in der Gröntalalm finden, und im übrigen ist der trockene Schnee warm genug, wärmer als eine harte Steinplatte im Herbst, wenn man bis auf die Haut durchnäßt ist.

Ich kam zu der heuschoberähnlichen Kuppel des Såta, die auf dem Bergrücken gerade da liegt, wo die Täler von beiden Seiten zusammentreffen. Man kann sie von weither sehen, und sie ist im Sommer eine gute Wegmarke.

Dort lag in alten Zeiten zwischen zwei großen Blöcken die Hütte eines englischen Lords. Es gab viele Renntiere, und manche schöne Tiere wurden hierhergebracht, aber auch manche Saumlast Getränke aus dem Tale. Die Hütte ist vergessen, das Dach eingestürzt; nur die niedrigen Steinwände stehen noch. Doch jetzt ist alles tief unter dem Schnee begraben, und kein lebendes Wesen streift hier vorüber, außer den Renntieren.

Dort waren frische Fährten einer großen Herde. Wie sie den Schnee aufgewirbelt hat, während sie davongejagt ist, soweit das Auge reicht! Dort verlieren sich die Fährten in einem Seitental.

Wie der Wind ging es immer bergab über den hartgefrorenen Schnee auf den kilometerlangen Abhängen. Viele Wochen lang hatte der Sturm den Schnee fest zusammengepackt. Das Tauwetter hatte eine dünne Kruste darübergelegt, und über diese war noch eine dünne Schicht losen Schnees gekommen. Eine bessere Bahn konnte sich ein Schneeschuhläufer nicht denken. Es ging fast von selbst, und ich konnte mich vom Wind, den ich im Rücken hatte, treiben lassen. Zuweilen ging’s über lange flache Seen zwischen den Bergen, dann wieder über lange Abhänge und durch jähe Schluchten.