Aber wo ging der Weg? Wer jetzt sehen könnte, was die Berggipfel da oben von ihrer Höhe aus erblickten! Gestern abend mußte ich mich im Dunkel in ein Nebental verirrt haben; dort schien es gerade aufzuhören. Es war das beste, sich dessen zu versichern und dann auf demselben Wege, auf dem ich gekommen war, zurückzugehen. Die Spur von gestern mußte ich wiederfinden, wenn sie nicht verweht war.

Ich ging los und fand bestätigt, daß es ein Seitental war. Dann kehrte ich nach dem letzten See zurück, über den ich gegangen war. Dort waren Schneeschuhspuren. Ich sah mich um, eine Ähnlichkeit mit dem Gröntalsee, so wie ich ihn in Erinnerung hatte, war wirklich vorhanden. Die Berge schienen freilich etwas niedrig, aber dort auf der Südseite erhob sich ja genau so ein steiler Fels wie über der Gröntalalm. Wo aber waren die Häuser? Sie waren doch nicht etwa ganz eingeschneit?!

Am Fuße des steilen Felsens sah ich mich um. Da zeigte sich wirklich eine Erhöhung. Ich stach mit dem Schneeschuhstock hinein und stieß auf festen Boden. Ja, es war nicht unmöglich, daß da das Dach eines Hauses war. Ich mußte hier ins Gebirge hinaufsteigen, und auf jeden Fall mußte ich Umschau halten.

Ich stieg bergauf. Der Weg war steil und schwer zu gehen, und es dauerte einige Zeit, bis ich den Gipfel erreichte. Aber welcher Rundblick von dort oben! Unter dem ruhigen Glanze des Mondes breitete sich die Bergweite nach allen Seiten wie ein erstarrtes Meer von weißen Wellen, Rücken und Tälern mit Ebenen dazwischen — und baute sich weit draußen auf in Gipfeln und Gletschern, weiter und immer weiter, und am äußersten Himmelssaume schwand alles in silbernem Schimmer. Der Schnee leuchtete, die Firne glitzerten, die Täler aber lagen im Dunkel.

Nicht weit im Osten erhob der Hallingskarv seine gewaltige Masse. Was dort im Süden blinkte, mußte der Hardangergletscher sein, dann folgte wohl der große Osefirn. Im Westen aber erhob sich steil ein hohes Gebirge mit einer ebenen Firnfläche auf dem Kamme, das mußte Vosseskavlen sein. Gerade unter mir sank der Grund in das Dunkel hinab, über mir wölbte sich der Himmel tiefblau mit Mond und Sternen.

Doch der Mondschein trügt. Es ist besser, den Tag zu erwarten und Sicherheit über den Weg zu erhalten. Unterdessen kann man sich wieder in den Schnee eingraben und einige Stunden schlafen.

Dann brach der Tag an, und es wurde so hell, daß ich deutlich sehen konnte. Dort im Westen lag wirklich Vosseskavlen, darüber mußte ich hinweg. Ich konnte also wieder hinabfahren und dann das Tal, das gerade darauflos führt, entlang gehen; aber erst mußte ich etwas frühstücken.

Die Sonne kam, ein klarer Strahl drang durch den Raum und blitzte über das Meer von Bergen. Die Gipfel erglühten. Ein wahrer Lichtstrom brach herein.

Mit rasender Geschwindigkeit ging es ins Tal hinab, dann über einen See nach dem andern zum Vosseskavlen. Nun fand ich mich wieder zurecht. Die Hallingskeidalmen und die Gröntalalm waren offenbar ganz eingeschneit.