Das ist eine kräftige Schilderung. Aber wenig glaubhaft ist, daß Männer, und noch dazu wegkundige Männer, acht Tage lang durch dieses Gebirge gezogen sein sollen, ohne irgendwo eine bewohnte Stelle zu finden, mochte das Wetter auch noch so schlimm sein. So etwas passiert berggewohnten Leuten kaum. Schlimmer ist, daß sie, im Gebirge angekommen, angeblich kein Wasser finden konnten, anfangs November, wo es in jedem Bach rieselt. Aber es verhält sich ja so, daß, als die Saga von Abt Karl Jonsson niedergeschrieben wurde, „König Sverre selber aufpaßte und sagte, was geschrieben werden sollte“...

Ich ging über den Firn und stand bald auf der andern Seite, wo er in ununterbrochener glatter Fläche anderthalbtausend Fuß nach dem Kaldesee abfällt — immer schroffer und schroffer. Der Schnee war vom Winde glatt und hart zusammengepackt; hier und da gab es einige Wehen, zuweilen etwas Harscht. Es konnte schwer werden für die Schneeschuhe, die Richtung einzuhalten. Aber immerhin — es ging weiter und mit immer größerer Geschwindigkeit. Bald flog ich über Wellenkämme, bald wieder über ebenen Grund. Ich versuchte, die Geschwindigkeit durch einige Bogen zu mäßigen, doch das half wenig. Auf dem harten Schnee rutschten die Schneeschuhe nur seitwärts aus; deshalb lieber die Beine zusammen und geradeaus.

Ich erreichte das Eis, und eine weite Strecke ging es darüber hin. Nach vollendeter Fahrt zitterte ich an allen Gliedern. Ich schaute nach oben. Weit droben auf der Höhe arbeitete sich ein dunkler Punkt abwärts. Das war der Hund, der mir schleunigst nachkam.

Die Bahn wurde immer schlechter. Man merkte die Nähe des Meers. Der Schnee wurde mehr und mehr von einer glatten Eiskruste bedeckt, die für die Schneeschuhe sehr schlecht war und auch für die Hand, wenn man ihr zu nahe kam. Doch schnell ging es durch die enge Schlucht, die vom Kaldesee zur Opsetalm hinabführt, der höchstgelegenen Alm im Rauntal.

Auf einmal stand ich vor einem Abgrund. Von allen Seiten ging es schroff hinab nach dem Tale tief unter mir. Die Schneewächte rundete sich glatt vornüber, und ich fuhr zurück. Es war nicht sicher, ob sie trug. Gab es hier einen Abstieg? Es sah schlimm aus. Aber vielleicht ging es in einer engen Schlucht, wo die Schneewächte nicht überhing; vorsichtig stieg ich Schritt für Schritt ab...

Nun folgten nur noch lange schöne Abhänge und schließlich die lange Lehne zur Opsetalm hinab. Da gab es eine bedenkliche Geschwindigkeit. Die Schneeschuhe rutschten auf dem gefrorenen Schnee. Ich fiel und bekam von dem Harscht einige schlimme Risse am Handgelenk.

So war ich denn im Rauntal, und auf birkenbestandenen Halden, wo die Schneehühner aufflatterten, glitt ich nach Kleivene hinab, dem höchstgelegenen Gehöfte der Gemeinde.

Wie durstig ich war! Ich glaube, Sverres Mannen konnten kaum durstiger gewesen sein. Nichts in der Welt ging jetzt über ein paar Liter süße Milch.

Ich erreichte das erste Haus. Keine Menschenseele daheim. Bis zum nächsten Gehöft waren es mehrere hundert Schritt. Das war zu weit. Ich nahm die Schneeschuhe ab, trat ins Haus und holte mir vom Milchschrank einen großen Topf süße Milch; ich trank und trank und aß etwas dazu, und auch der Hund bekam seinen Teil.