Ich blieb bei meinem Entschluß. Ich wollte noch am Abend ans Ziel kommen. Konnte ich kein Pferd erhalten, so würde ich zu Fuß gehen.
Nach einiger Überredung gab der Bauer nach und sagte, er wolle es versuchen.
Endlich brachen wir auf; aber der Weg war schlecht, das war richtig, und dunkel war es auch. Wir mußten ungefähr ebensoviel gehen als fahren, aber ich war müde und darum froh, so oft ich sitzen konnte. Wir erreichten den gefürchteten Sverresteig; er war wirklich schlimm, hatten wir ihn aber überwunden, dann ging es auf ebenem Wege weiter.
Wir gingen behutsam zu Werk; der Weg war steil und führte unmittelbar neben dem Abgrund. Er war gewölbt und glatt; es war schwer, Fuß zu fassen. Ließ man den Schlitten los, so konnte man leicht abrutschen. Das Pferd aber mit seinem scharfen Beschlag stand fest auf den Beinen. Wir konnten uns an den Zügeln und am Schlitten halten; so ging es Schritt für Schritt abwärts.
Endlich waren wir unten. Wir konnten aufsitzen und bald waren wir in Vossevangen. Es war schon ein Uhr nachts. Ich donnerte an die Tür. Es dauerte eine Weile, bis sie geöffnet wurde. Die kurze, dicke Gestalt des Hotelwirts stand in Unterhosen vor mir und rief verwundert: „Ach, Sie sind so spät noch unterwegs?“
Ich sehnte mich nach einem guten Bett, das ich auch bekam. So tadellos in der vergangenen Nacht das Lager auf dem Hallinggebirge gewesen sein mochte, fand ich doch, in Fleischers Hotel in Vossevangen war es besser.
Ein Menschenalter später.
Mitte März 1916 saß ich abends in dem gemütlichen Gastzimmer des Hotels in Finse und sprach davon, daß ich Lust hätte, noch einmal auf Vosseskavlen zu stehen und wie in der Jugend Umschau zu halten und dann den Abstieg auf Schneeschuhen zum Kaldesee hinab und weiter zu versuchen. Andreas Klem, der Direktor von Haugastöl, mit dem ich zusammen war, fing sofort Feuer. Wohl schneite es im Gebirge, im Westen aber war klares Wetter, dessen versicherte er sich sofort durch das Telephon.
„Fein-feine Schneeschuhbahn! Morgen früh ziehen wir los.“ Nun wohl!
Vor Sonnenaufgang kamen wir mit dem Zug über das Hochland nach Station Hallingskeid, gerade der Stelle, wo ich an jenem Winterabend vor 32 Jahren nach einer eingeschneiten Sennhütte gesucht hatte, um dort die Nacht zu verbringen. Auch jetzt hatte ich einen Hund mit.