Auf weitere Entfernung kann man an einem Weidendickicht in einer Moorsenke einige größere Spuren sehen. Da ist in der Morgendämmerung Freund Lampe unterwegs gewesen; er hat die Hinterläufe möglichst ausgebreitet, um nicht zu tief in den lockern Schnee zu sinken. Hier ist er zwischen den Weidenbüschen und den Birkenruten im Moorlande hin und her gehoppelt, hat an den jüngsten Schößlingen und an der Borke geknabbert und einen richtigen Paß getreten. Es ist nicht ganz leicht, sich zurechtzufinden und die Fährten zu verfolgen. Wir müssen das Gestrüpp umschlagen, um die Endspur herausfinden.

Nun geht es geradeaus, ein Stück durch den Hochwald, dann hinter einer Anhöhe in das Gestrüpp von Birken, Ebereschen und Espen hinein, wo es abermals einen Wirrwarr von Fährten gibt. Wieder müssen wir die Stelle umschlagen, und endlich finden wir weit oben die Fährte — dann geht es die Halde hinan. Hier ist Lampe eine lange Strecke in seiner eigenen Spur zurückgekommen, und siehe — dort hat er einen mächtigen Hopser seitwärts gemacht, vier, fünf lange Sprünge nach dem dichten, verschneiten Tannenbusch zu, auf das Moor hinaus. Dort hat er sich hineingesetzt. Jenseits des Busches aber führt die Spur selbstverständlich weiter. Er ist oben davongesaust, daß der Schnee stäubte. Wir haben ihn schon verscheucht; er sitzt jetzt, da es dem Frühling zugeht, zu locker, und wir können ihn kaum im Lager fassen.

Nun jagen wir. Halvor treibt, und ich stehe auf Anstand. Er schlägt an, möglichst genau wie ein Hund. Das Gebell steigt die Halde hinan. Es klingt so dumpf und tot in der weißen Stille. Er treibt nicht rasch, aber dann macht auch der Hase in dem weichen Schnee nicht so lange Touren.

Schau, dort kommt Lampe angezottelt, so weiß und fein und still, dort an dem Moorrand, zwischen dem schneebedeckten Tannengestrüpp. Er bleibt liegen, setzt sich auf zwei Läufe, hält den Kopf seitwärts und lauscht den wunderlichen Lauten Halvors, der auf Schneeschuhen die Fährten entlang die Halde herunterkommt. Dann läßt er sich wieder behutsam auf alle viere nieder und kommt auf mich zugehoppelt....

Am Abend sitze ich wie gewöhnlich vor dem Kamin und starre in das Feuer, und der Mond scheint durchs Fenster herein. So gleiten die Tage vorbei, und wir merken es nicht.

Gestern abend kamen zwei Männer. Sie blieben über Nacht in der Almhütte, die Wanderern immer offen steht. Die Leute waren aus Telemarken und jagten Marder, die sie auf dem Spürschnee fingen. Das ist eine lohnende Jagd, denn Marderfell steht jetzt hoch im Preise. Sie hatten nur einen Sack mit zum Fang. Ein Gewehr sei nichts nütze, meinten sie, damit schieße man nur Löcher in den Pelz. Sie verfolgen die Spur des Marders bis zu dem hohlen Baum, in den er tagsüber gekrochen ist, dann binden sie den Sack vor die Öffnung und klopfen an den Baum, bis der Marder herausspringt, in den Sack hinein. Auf diese Weise hatten die zwei Männer viele Marder gefangen.

Dienstag.

Der Proviant fing an knapp zu werden. Halvor und ich mußten ins Tal hinunter, um mehr zu holen. Es gab eine besonders schöne Schneeschuhbahn. Leicht war der Aufstieg die Halden hinan vom Sörkjesee nach Synhövd, dann über das Bortal nach dem Staveberg, und bald standen wir an dem Absturz über Rollag im Numetal und sollten nun die abschüssigen Steige zu den Fikkanhöfen hinab. Hier geht es sehr steil abwärts, und der Abstieg ist lang und beschwerlich; auch war Holz hinabgefahren worden, was die Sache nicht besser machte. Zu beiden Seiten des Wegs stand meist Nadelwald, der so dicht und unwegsam war, daß man dort nicht vorwärts kommen konnte. Es blieb also nichts anderes übrig, als auf dem Steig zu bleiben.

Halvor meinte, das klügste sei, sich einen ordentlichen Tannenbusch abzuhauen und darauf abzufahren, so wie es die Mägde oft tun, wenn sie solche Wege auf Schneeschuhen hinab wollen. Ja, ein solcher Tannenbusch war wohl eine gute Bremse; aber einer, der ein richtiger Schneeschuhläufer sein wollte, konnte doch nicht gut zu einem solchen Mittel greifen!

So ging es denn hinunter. Ich sollte aber bald bereuen, daß ich nicht doch den Busch genommen hatte. Es ging immer steiler abwärts, und was ich auch tat, um zu bremsen, mit gleich großer Geschwindigkeit sauste ich weiter. Ich setzte Schneepflug, ich ritt aus Leibeskräften auf dem Stock, ich riß die Hacken aus den Schneeschuhen heraus und setzte sie auf den Boden, aber der Weg war hart, und es ging so ziemlich gleich schnell abwärts, ob ich seitwärts oder geradeaus fuhr. Die Windungen mäßigten wohl etwas die Geschwindigkeit, aber dann kamen lange Strecken, wo es in gerader Linie hinabging, und da gab es keine Barmherzigkeit. Zu beiden Seiten stand das Gestrüpp dicht wie eine Mauer, und es war nicht daran zu denken, die Schneeschuhspitzen dorthin zu lenken. Ich bremste so gut es ging; Arme und Kreuz taten weh, wie ich so auf dem Stocke ritt, aber mit Windeseile sauste ich hinab.