Gerade jetzt etwas Freudiges.
Tagelang haben wir seit der Abfahrt von Jan Mayen nach Medusen ausgespäht, Tag und Nacht. Nun sahen wir endlich die ersten. Das große Netz muß hinaus, während wir zu Abend essen.
Gran untersucht das Oberflächenplankton. Große Freude! Plötzlich tritt jetzt in Mengen Ceratium tripos auf, eine Kieselalge, die das Meerleuchten hervorruft — also Küstenwasser oder Wasser von den Bänken. Gerade das, was wir nach den Medusen erwarten müssen.
Was wird das Netz bringen? Es wird hereingeholt. Große Spannung! Als es dann aber voller Medusen war und es zwischen ihnen von Fischbrut wimmelte, da herrschte an Bord wilde Freude. Gran lief herum und sang und tanzte. Der Kapitän kam aus seiner Kajüte im bloßen Hemd heraus und wollte es nicht glauben, bis ihm ein ganzer Teller voll wimmelnder Fischbrut präsentiert wurde.
Ja selbst der junge Jakob mit seinem Zahngeschwür mußte, in ein großes Tuch eingemummelt, hervorkommen und sich das Netz ansehen, das dieses Wunder: Fischbrut, reine Dorschbrut mitten im Meer zwischen Norwegen und Jan Mayen, mehr als zweihundert Seemeilen vom Lande, heraufgeholt hatte. Die Freude steckte alle an Bord an. Ein neuer Schritt vorwärts zum Verständnis des Meerestierlebens.
Es muß so vor sich gehen, daß im Frühjahr das Wasser an der Oberfläche an den Küsten und über den Bänken durch die zunehmende Menge Flußwasser vom Lande her stark gespeist wird. Außerdem wird dieses süße Oberflächenwasser im ganzen Vorsommer stark von der Sonne erwärmt. Auf diese Weise wird es viel leichter als das salzhaltige Wasser und muß sich infolgedessen weiter ins Meer hinaus verbreiten als im Winter. Dadurch kommt dieses Oberflächenwasser dazu, auch sein Plankton mitzuführen, wie auch diese roten Medusen, Ceratium tripos, und die Dorschbrut, die im Frühjahr an den Bänken gelaicht ist.
Es ist übrigens eigentümlich, daß diese Dorschbrut, die also mit dem Wasser forttreibt, sich meistens gerade unter den großen roten Medusen aufhält, wo sie wohl bis zu einem gewissen Grad am besten geschützt ist.
Auf dem Meer zwischen Jan Mayen und Norwegen,
12. August.
Gestern abend, hier mitten im Meer treibend, legten wir Leinen mit Hunderten von Angelhaken aus, und heute früh holten wir sie herein und fanden eine Menge Rotfische, große Sebastes norvegicus. Das hatten wir gerade erwartet. Es war also richtig, daß der Rotfisch hier draußen über den großen Meerestiefen lebt, etwa 80 bis 90 Meter tief, und in solchen Mengen. Und das wissen die Seehunde, wenigstens die Klappmützen.
Der Himmel ist bewölkt, und das Meer lächelt nicht. Trübes Wetter im Herzen — weshalb? Und morgen sehen wir vielleicht Norwegen! Ich habe wohl die letzte Nacht zuviel gearbeitet, und diese Tage zuwenig geschlafen. — Schwermut. — Die See rollt bleigrau......