So viele Rätsel unter der ewig wogenden Fläche. Und wie wenig wissen wir noch von dem, was da unten vorgeht und sich bewegt.

Droben im Polarmeer hatte ich durch fortlaufende Temperaturmessungen der Wasserschichten in verschiedenen Tiefen eine Ahnung davon bekommen, daß in diesen Schichten große Wellen gingen, von denen wir an der Oberfläche des Meeres nichts merkten.

Nun haben wir, indem wir viele Stationen dicht nebeneinander machten, diese Verhältnisse näher zu erforschen versucht. Es bestätigt sich, daß es solche unbekannte Wellen in der Tiefe auf den Grenzen zwischen den Schichten geben muß, so daß die schwereren Schichten unten in den leichteren Schichten oben auf- und abwogen. Und die Wellen, die dort unten langsam rollen, sind groß, sie können 40 und 50 Meter hoch sein; ja, es ist die Frage, ob nicht zuweilen solche von 100 und 200 Meter Höhe vorkommen.

Hier an der Oberfläche merken wir sie nicht. Man denke sich, daß wir auf einmal solche Wellen daherrollen sehen. Aber das verhindert die Schwerkraft. Der Gewichtsunterschied zwischen Wasser und Luft ist zu groß; solche Wellen würden an der Oberfläche des Meeres, wo sie sich in die Luft erheben sollten, zu schwer werden im Verhältnis zu der Kraft, die sie vorwärts treibt. Und selbst wenn man sie sich durch ein zufälliges Ereignis gebildet denken könnte — z. B. durch einen Vulkanausbruch auf dem Meeresboden oder durch ein Erdbeben —, würden sie sofort zusammenfallen und eine entsprechende Höhe annehmen. Anders dort unten, wo der Gewichtsunterschied zwischen der einen Schicht und der andern so gering ist.

Wenn wir auf einem hohen Berge stehen, das Nebelmeer unter uns, und die Sonne scheint darauf, dann können wir dort große Wellen sehen. Das sind die Wellen in den Luftschichten. So ungefähr müssen wir es uns auch unten im Meere denken....

Im übrigen ist es merkwürdig, wie regelmäßig verteilt wir die Wasserschichten in der Tiefe gefunden haben; ganz anders gleichmäßig, als alle früheren Untersuchungen erwarten ließen.

In allen Tiefen von mehr als 800 bis zu 1000 Metern ist das ganze Nordmeer voll von kaltem Wasser, unter Null Grad, und die Temperatur nimmt regelmäßig ab bis zum Grunde, wo sie ungefähr 1,2 Grad unter Null ist. Der Salzgehalt ist überall bis zum Grunde fast genau derselbe, und die Veränderungen in diesen tiefen Schichten von Ort zu Ort sind verschwindend klein. Auch in den höheren Schichten sind die Veränderungen immer gradweise und regelmäßig. Das sind wichtige Entdeckungen; die Meeresforschung wird zu einer mehr exakten Wissenschaft.

Draußen nimmt die Dünung von Norden her zu. Der Himmel verfinstert sich, und es beginnt zu wehen. Sollte es in der Nacht Sturm geben?

Durch die Wolkenschicht im Nordwesten dringt ein goldener Sonnenstrahl und nach unten ein Lichtschleier, der ganz draußen am Meeresrand glitzert; dann verschwindet er wieder. Die Abenddämmerung bricht an. Das Meer wogt über seine Rätsel in die Nacht hinein.