Seitdem lockte mich dieses Waldtal dort im Westen immer von neuem, und so oft ich im Gebirge war, besonders am Nachmittag, schaute ich hinüber zu diesen bewaldeten Abhängen zwischen den baumlosen Gebirgsflächen, wo der Abend schon kühle Schatten warf.
Vorgestern früh brachen wir endlich auf, Andres und ich. Nun wollten wir einen Versuch machen, erst mit den Schneehühnern und am nächsten Morgen mit den Hasen. Es war so schönes Herbstwetter. Die Schneehühner mußten jetzt in die Berglehnen hinaufgezogen sein. Wohl waren wir in diesem Herbst schon einmal dort gewesen, ohne mehr als einige alte Hühner zu finden, aber damals herrschte ein rasender Westwind.
Jetzt hegten wir große Erwartungen. Es ging über den Velebuberg und die flachen Strecken mit Mooren und Hügeln hinter den Sötliseen — aber nirgends war etwas von Schneehühnern zu sehen.
Dann den Waldhang ins Tal hinab über Windbruch, Wipfel und Zweige; hier und da gab es Hasenspuren, und Sang zog an der Koppel. Aber jetzt galt es den Schneehühnern.
Auf Liset fanden wir eine Almhütte voll mit Heu, wo wir die Nacht schlafen konnten. Wir legten unsere Sachen ab, aßen in aller Eile, bevor wir hinaufzogen nach dem lockenden Weidengesträuch oben auf den kahlen Höhen über der Waldgrenze.
Den ganzen Tag über trotteten wir über dieselben Strecken, wo wir voriges Jahr um diese Zeit Volk um Volk gefunden hatten; aber kein Schneehuhn war zu sehen, nicht einmal ein einsamer Hahn, kaum eine Feder. Alles war hier wie ausgestorben. Nur an einer Stelle hatte ein Volk Spuren hinterlassen, doch es war nirgends zu finden. Gab es zuviel Füchse? Fuchslosung fanden wir an mehreren Stellen, und als wir das letztemal hier waren, hörten wir den Fuchs die ganze Nacht oben in den Halden bellen.
Aber herrliches Wetter war es. Die Sonne sengte auf die Gebirgsflächen herab wie in Hochsommerzeiten. Dort im Westen lag im blauen Sommernebel der Gausta mit seinen weißen Schneestreifen; die Berge von Telemarken mit Skorve und Lifjell wogten südwärts in leichtem Dunst, und unter uns die Waldrücken und Talsenken von Hovin, ein Meer von Tannenwäldern mit goldenen Tupfen, den gelben Birken, die ihr Laub noch nicht verloren hatten. Und mitten in den Wäldern lagen die blanken Seen still und weltenfern.
Immer haben solche Weiher im Walde etwas Friedvolles, wenn man sie von weitem sieht. Sie spiegeln den Himmel und spiegeln die Halden, und wenn man nicht zu nahe kommt, möchte man beinahe glauben, der Wald ringsum sei noch nicht angetastet von Menschenhand.
Eine solche Waldwelt sehe ich immer mit einem Gefühl, wie es etwa die ersten Jäger gehabt haben müssen, wenn sie vor Tausenden von Jahren herankamen und von der Höhe aus den gewaltigen dunklen Waldteppich weithin wogen sahen — mit seinen Mengen von Hochwild — und ihnen diese Seen entgegenblinkten, die großen Fischreichtum ahnen ließen.
Über dem Walde aber liegt die Bergweite jetzt rotbraun in den letzten Farben des Herbstes, bevor der Schnee kommt. Die Bergbirke hat schon fast das ganze Laub verloren, welk raschelt es unter den Füßen. Sollte es den Schneehühnern im Gebirge zu trocken sein, und sind sie die Abhänge hinabgezogen? Am Nachmittag fanden wir auf dem Heimweg nach der Alm oben am Waldrand ein Volk und schossen einige Hühner.