Ihr Aug’ so blau und stürmisch,
Wie aufgeregte Fluth,
Halb traurig und halb schaurig
Still auf der Gegend ruht.

Der braunen Flechten Länge,
So groß wie Schilf im Fluß,
Drauf, sagt man, drückt die Nixe
Allnächtlich einen Kuß.

Den Strohhut auf den Haaren,
Das Ruder in der Hand,
So fährt sie auf und nieder
Doch niemals bis an’s Land.

Die Thränen in den Augen
Der Jungfrau sind erstarrt,
Und ihre weißen Arme
Sind Marmor, kalt und hart.

Den Jüngling faßt Entsetzen:
Das Wunderliebchen sein,
Der Nachen samt dem Ruder
Und alles ist von Stein.

Es dunkelt auf den Bergen,
Des Fischerkahns Gestalt
Samt Jüngling und samt Jungfrau
Umschlingt die Tiefe bald.

Das schöne Wundermädchen
Samt Ruder und samt Boot
Sind noch in Stein zu sehen, —
Den Jüngling fand man todt.

[Rhoswitha.]

In stiller Klosterzelle saß
Ein ernstes Frauenbild,
Tief eifrig schrieb und dacht’ und las
Rhoswitha, sanft und mild.

Ein dunkel härenes Gewand
Bis an den Hals sie trägt,
Ein großes Buch von Pergament
Liegt vor ihr aufgelegt.