In Abenddämm’rung schwanken
Die Lilien hin und her,
Und frische Rebenranken
Bespült das glatte Meer.
Die Schatten steigen nieder,
Der Mond mit weißem Strahl
Bescheint die Höhen wieder
Rings um das stille Thal.
Von einer jener Stellen,
Gelehnt an Felsenwand,
Sieht man des Jordans Wellen,
So weiß wie ein Gewand.
Es ringt der Regen mit dem Winde,
Es ringt der Segen mit dem Fluch,
Es ringt das Alter mit dem Kinde,
Es ringt die Sage mit dem Buch.
Es ringt die Tugend mit dem Bösen,
Es ringt die Arbeit mit dem Gold,
Es ringt ein jeglich, jeglich Wesen:
Ob es, und ob es nicht gewollt!
[Die Eingebung.]
Die Vögel singen ihr Morgenlied,
Man hört den Jubel im ganzen Gebiet,
Im Ost die purpurne Sonne glüht
Und sendet Strahlen nach West und Süd.
Allein in meinem stillen Gemach,
Umrankt von üppigem Blätterdach,
So saß ich träumend — ach, träumend wach —
Und dachte und sann gar eifrig nach —
— Den Kopf auf beide Hände gestützt: —
„Hat es gezündet, hat es genützt?
Was ich geschrieben, so frei und frisch?“
Und kindisch schlug ich auf den Tisch.