Abb. 64. Abbildung aus Vesals De humani corporis fabrica. 1543.
(Zweite, das Muskelsystem betreffende Tafel.)

Vor dem Auftreten eines Vesal und Eustachio waren bei dem großen Mangel auf eigener Anschauung beruhender anatomischer Kenntnisse erfolgreiche chirurgische Eingriffe kaum möglich. Erst nach der durch diese Männer bewirkten Erneuerung der Anatomie konnte sich aus den bis dahin üblichen, rohen, ja oft barbarischen Operationsverfahren eine auf wissenschaftlicher Grundlage beruhende Chirurgie entwickeln. Daß dies geschah, war vor allem das Verdienst von Ambroise Paré (1517–1590), der sich den Ehrennamen eines Reformators dieses Zweiges der Medizin verdient hat.

Paré war gleich Vesal Militärchirurg und als solcher dem Stande der gelehrten Ärzte verhaßt, zumal er kein Latein verstand. Sein hervorragendes Buch über Schußwunden (1545) ist das erste in französischer Sprache geschriebene wissenschaftliche medizinische Werk[1012]. Paré wandte bei Amputationen zuerst das Verfahren des Abbindens der Arterien an. Vor ihm hatte man sich der Cauterisation mittelst des Glüheisens bedient. Auch der Gebrauch des Bruchbandes ist auf Paré zurückzuführen. Die Feindschaft der Ärztezunft wurde besonders heftig, als Paré die Wirksamkeit einiger der gebräuchlichsten Arzneien anzweifelte. Trotzdem wurde Paré vom Könige sehr geschätzt. Er soll einer der wenigen Hugenotten gewesen sein, die der König in der Bartholomäusnacht zu schonen befahl.

Die Erkenntnis, daß sich ein volles Verständnis der Form erst durch das Studium ihrer Entwicklung erschließen läßt, begegnet uns gleichfalls schon im 16. Jahrhundert, wenn sich auch diese Erkenntnis erst in späteren Perioden, gestützt auf die Verschärfung, welche der Gesichtssinn durch das Mikroskop erfuhr, allseitig Bahn brechen konnte. So wird die Entwicklung des Hühnchens im Ei, ein Problem, das schon Aristoteles beschäftigt hatte, zum Gegenstand eingehender Untersuchungen gemacht. Dies geschah durch den verdienten italienischen Anatomen Fabricio[1013]. Er bemerkte auch, daß sich die Klappen der Venen nach dem Herzen zu öffnen. Diese Entdeckung hat nebst anderen, die Organe des Kreislaufs betreffenden Beobachtungen[1014] einen der größten Fortschritte des 17. Jahrhunderts, die Entdeckung des Blutkreislaufs durch Harvey nämlich, vorbereitet.

Hiermit schließt der erste Teil dieser Schilderung, die von den Anfängen bis gegen den Ausgang des 16. Jahrhunderts geführt hat. Der zweite Band wird die Begründung der neueren Naturwissenschaft, die etwa mit der Schwelle des 17. Jahrhunderts anhebt, zur Darstellung bringen.

Verzeichnis der im I. Bande enthaltenen Abbildungen.

Figuraus
[1].Gleichschenkliges Dreieck
[2].Geometrische Elemente aus altägyptischen VerzierungenCantor, Bd. I. 1880, S. 58, Abb. 6 u. 7.
[3].Keilschriftprobe
[4].Babylonischer Grenzstein
[5].Der Tierkreis von Dendera
[6].Altbabylonisches Gewichtnach Layard.
[7].Wage, einem altägyptischen Totenbuche entnommenIbel, Die Wage im Altertum und Mittelalter.
[8].Gewinnung von Eisen nach altägyptischen WandgemäldenA. de Rochas, Les origines de la science et ses premières applications.
[9].Geometrische Konstruktionen der Inder
[10].Die Quadratur des Kreises bei den Indern
[11].Radkarte der Erde
[12].Der Satz des Hippokrates
[13].Konstruktion zur Lösung des delischen ProblemsCantor, Geschichte der Mathematik. Bd. I. 1880. Fig. 34.
[14].Der Tragbalken des Aristoteles
[15].Der Satz vom Parallelogramm der Kräfte
[16].Der Embryo des glatten Hais des AristotelesClaus, Lehrbuch der Zoologie. 1883. S. 677.
[17].Vorrichtung zum Heben großer LastenHeronausgabe von Schmidt. Op. II. 1 Fig. 62.
[18].Das Verhalten des Hohlspiegels nach EuklidEuklidausgabe von Heiberg und Menge. Bd. 7.
[19].Die Spiegelung an einem Konkav- und einem Konvex-Spiegel nach der Darstellung Euklidsdesgl.
[20].Das zum Messen der Sonnenhöhe dienende Instrument der AltenSchaubach, Geschichte der griechischen Astronomie. Tab. III Fig. 2.
[21].Die Gradmessung des Eratosthenes
[22].Aristarchs Verfahren, die Entfernungen des Mondes und der Sonne zu bestimmen
[23].Breitenbestimmung mit dem GnomonPeschel, Geschichte d. Erdkunde 1877. S. 44.
[24].Stereographische und orthographische Projektion
[25].Die Feuerspritze nach HeronHerons Pneumatik. Ausgabe v. Schmidt. Bd. I. Fig. 29.
[26].Heron verwendet den Dampf zum Betreiben einer maschinellen EinrichtungHerons Pneumatik. Ausgabe v. Schmidt
[27].Der Heronsballdesgl.
[28].Herons Abbildung eines Hebersdesgl.
[29].Herons Automat zum Öffnen der TempelMach, Prinzipien der Wärmelehre. Leipzig 1896. S. 5.
[30].Wasserorgel
[31].Philons ThermoskopHeronausgabe v. Schmidt. Fig. 115.
[32].Philons Saugkerzedesgl.
[33].Herons FlaschenzugOpera omnia. Ausgabe v. Schmidt. Bd. II. S. 102.
[34].Herons Wegmesser
[35].Herons WinkelmeßapparatJahrbuch des kaiserl. deutschen archäolog. Instituts. Bd. XIV 1899. 3. Heft.
[36].Herons Vermessung eines FeldesHerons Opera omnia. Ausgabe v. Schmidt.
[37].Herons Tunnelaufgabedesgl.
[38].Der Meßapparat der RömerNeue Jahrbücher f. d. klass. Altertum. Bd. 13 (1904).
[39].Die Rekonstruktion der Gromadesgl.
[40].Peutingers Karte
[41].Römisches HebezeugGerland u. Traumüller, Geschichte der physikal. Experimentierkunst. 1899. Fig. 58.
[42].Römische Schnellwagendesgl.
[43].Chirurgische Instrumente
[44].Zur Erläuterung der Epizyklentheorie
[45].Das parallaktische LinealMontucla, Histoire des mathématiques. Bd. I. S. 307.
[46].Solstitial-Armille des PtolemäosRepsold, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge.
[47].Ptolemäos mißt die Brechungswinkel
[48].Destillierapparat
[49].Probe aus dem Stockholmer Papyrus
[50].Albirunis Bestimmung des ErdumfangesArchiv für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik. Bd. I. S. 66.
[51].Trigonometrische Berechnungen
[52].Einführung der Tangensfunktion
[53].Alhazens Darstellung des AugesGerland u. Traumüller, Geschichte der physikal. Experimentierkunst. Fig. 62.
[54].Alhazen untersucht die BrechungGerland u. Traumüller, Geschichte der physikal. Experimentierkunst. Fig. 65.
[55].Alhazen bestimmt die Höhe der Atmosphäre
[56].Lionardo da Vincis HygrometerGerland u. Traumüller. Fig. 99.
[57].Lionardos Windmesser
[58].Lionardos Erläuterung des Sehens
[59].Peurbachs Quadratum geometricumRepsold, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge. Fig. 7.
[60].Der KreuzstabRepsold, a. a. O. Fig. 12.
[61].Schematische Erläuterung des Kreuzstabes
[62].Das Koppernikanische WeltsystemAus Koppernikus Werk über die Bewegung der Weltkörper.
[63].Hüttenwerk nach Agricola
[64].Das Muskelsystem darstellende TafelAus Vesals Werk: De humani corporis fabrica.

Namen- und Sachverzeichnis.