7. März. Ich bin, seitdem ich das Vorstehende schrieb, eine Woche in Bonn und Köln gewesen. Die Kölner dürfen ihre Versammlung wegen des Vereins jetzt halten. In unserer hiesigen Angelegenheit ist ein Reskript der Regierung zu Düsseldorf eingetroffen, wodurch fernere Versammlungen verboten werden. Heß und Köttgen haben protestiert. Nutzt natürlich nichts, aber die Leute werden aus der Haltung des Protestes ersehen, daß sie uns nichts anhaben können. Heß ist wieder ungeheuer sanguinisch, weil alles sonst so famos abläuft und unsere Fortschritte wirklich ungeheuer sind, der gute Kerl macht sich nur immer Illusionen. – Unser Gesellschaftsspiegel wird prächtig, der erste Bogen ist schon zensiert und alles durch. Beiträge in Masse. Heß wohnt in Barmen in der „Stadt London“. Bergenroth wird wahrscheinlich doch sobald nicht dorthin kommen, dagegen ein anderer, den ich nicht nenne, weil dieser Brief doch wohl erbrochen wird. Wenn es irgend geht, komme ich auch noch einmal im April hinüber. Der Geldpunkt ist jetzt die Hauptsache für mich, da ich infolge der Versammlung Familientuck gehabt habe, wonach mein Alter resolviert ist, mich nur für meine „Studia“, nicht aber für kommunistische Zwecke irgend einer Art zu unterstützen.

Ich würde Dir noch eine Masse Zeugs schreiben, wenn ich eine sichere Adresse nach Brüssel wüßte, die Du mir jedenfalls verschaffen mußt. Viele Sachen, die hier vorgefallen, könnten vielen schaden, wenn sie in einem cabinet noir[3] gelesen würden. Ich bleibe nun noch vier Wochen hier und gehe anfangs April nach Bonn. Schreibe mir jedenfalls nochmals vorher, damit man weiß, wie Dir’s geht. Die Gelder sind so ziemlich zusammen, ich habe noch nicht erfahren, wieviel es ist, es soll unverzüglich abgehen. Mein Manuskript geht dieser Tage ab. – Die Kritische Kritik ist noch immer nicht hier! Der neue Titel: Die heilige Familie wird mich wohl in Familienhäkeleien mit meinem frommen, ohnehin jetzt höchst gereizten Alten bringen, das konntest Du natürlich nicht wissen. Wie aus der Ankündigung hervorgeht, hast Du meinen Namen zuerst gesetzt, warum? Ich habe ja fast nichts daran gemacht, und Deinen Stil kennt doch jeder heraus.

Schreibe mir nun umgehend, ob Du noch Geld nötig hast. Wigand muß mir in zirka 14 Tagen was schicken, und dann hast Du nur zu disponieren. Ich fürchte, die Rückstände der Subskription werden nicht über 120 bis 150 Franken betragen.

Apropos. Wir haben hier vor, den Fourier zu übersetzen und überhaupt womöglich eine „Bibliothek der vorzüglichsten sozialistischen Schriftsteller des Auslandes“ zu geben. Fourier wäre der beste, um anzufangen. Leute zum Übersetzen sind gefunden. Heß erzählt mir soeben von einem in Frankreich herausgekommenen Wörterbuch zu Fourier, von einem beliebigen Fourieristen. Du wirst davon wissen. Gib mir doch auch hierüber sogleich Auskunft und womöglich schicke ein Exemplar per Post an mich. Empfiehl zu gleicher Zeit die Sachen der Franzosen, von denen Du glaubst, daß sie sich zum Übersetzen in der Bibliothek eignen. Aber rasch, die Sache hat Eile, da wir schon mit einem Verleger am Unterhandeln sind. Wie weit bist Du mit Deinem Buch? Ich muß jetzt an mein Manuskript. Darum lebe einstweilen wohl und schreibe über die erwähnten Punkte sogleich.

Grüße Kriege und Bürgers. Ist Bernays da?

Dein F. E.


[1] Krämertum.

[2] Wahrheit, Tatsache.

[3] Schwarzes Kabinett [für Erbrechung von Briefen].