[1] Tag für Tag.
[2] Fernen Westen.
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1. Mai 1851.
Lieber Marx!
In ein paar Tagen, längstens acht, erhältst Du weitere 5 Pfund, ich würde sie Dir schon heute schicken, hätte ich nicht soeben 10 Pfund auf einem Brett auszahlen müssen.
Ich habe seit ein paar Tagen den Brief von Lupus und den von Dronke vergeblich gesucht. Du mußt sie beide mitgenommen haben. Wenn Du sie findest, schicke sie mir umgehend, ich schreibe dann gleich. Auch den Brief von Fischer aus New Orleans finde ich nicht.
Ne nous plaignons pas trop de la mauvaise queue.[1] Ich habe gerade Savarys Memoiren zu Hause. Napoleon hatte die seinige – und welche! Dieser Savary ist ein famoses Exemplar davon. Etwas Mittelmäßigeres als diesen Kerl gibt es nicht. Wenn gewisse Leute glauben up to the mark[2] zu sein und nicht einmal das Kommunistische Manifest verstehen, so bildet sich dieser Savary ein, Napoleon in der Tasche zu haben, einer der wenigen Auserwählten zu sein, die die ganze Größe des Kerls begreifen, und dabei hat er nicht einen einzigen Feldzugs- oder Schlachtplan begriffen. Als er diese Memoiren schrieb, war kaum eine einzige ordentliche Darstellung dieser Kampagnen geschrieben, er hätte also, da das Ding apologetisch sowohl für Napoleon wie für ihn selbst ist, gewiß nicht unterlassen, sein Bestes in dieser Beziehung zu tun; statt dessen überall nur ein paar allgemeine Phrasen und unzusammenhängende verworrene Details eines untergeordneten Augenzeugen. Von Austerlitz weiß der Kerl zum Beispiel nur, daß der Feind in einem Flankenmarsch überrascht und in so viel Stücke zersplittert wurde, wie französische Kolonnen anrückten – wörtliche Kopie aus Napoleons Bulletin. Wie das aber geschah, davon weiß er nichts. Im übrigen enorm viel Klatsch aus der Kaiserzeit und dem Konsulat; ein wahrer Mustercrapaud, renommierend, verlogen, servil, und sich mit wahrer Wollust in der edlen Tätigkeit des Polizisten ergehend, sowohl was den Genuß der Autorität bei Verhaftungen als was die Freude am Mouchardieren angeht; dabei brauchbar zu allerhand Allotriis und Intrigen, aber doch überall so mittelmäßig, diensteifrig und beschränkten Horizonts, daß er überall kurzgehalten und mit positiven Orders versehen werden mußte. Enfin, durchaus kein repräsentables Subjekt, au fond nicht besser und nicht schlechter, nicht brauchbarer und nicht kompromittierlicher als gewisse amici, und doch machte Napoleon mit der Zeit eine passable Maschine, einen Herzog von Rovigo und einen Hofmann aus ihm, der ihn beim Kaiser von Rußland nicht blamierte. Aber freilich, solche Kerls muß man sich kaufen können, und dazu gehört vor allem Geld und Macht.
Übrigens hat der edle Thiers den Savary, dessen Memoiren doch in Frankreich bekannt genug waren, mit einer Unverschämtheit abgeschrieben, die der der englischen Ökonomie im Plagiieren nichts nachgibt, und das nicht bloß im Klatsch; auch in Sachen über Verwaltung usw. ist hier und da Herr Savary Hauptquelle. – – –