Außer diesem skandalschwangeren Thema liefen noch andere durch, die im Schoße der verbrüderten Demokraten selbst den gewaltigsten Sturm anregten, so daß es zu Faustdrohungen kam, furchtbares Toben und Geschrei, bis um 2 Uhr Mitternacht der Wirt durch Auslöschen der Lampen die Vereinbarungslustigen in undurchdringliche Nacht versenkte. Die zwei Pivots des Skandals [Rudolf] Schramm und Ulmer. Schramm nämlich in seiner Diatribe gegen Ruge machte gleichzeitig seinem Grimm gegen die Kommunisten Luft, was vielen Anklang fand, griff den Willich aufs gehässigste an und erklärte die Arbeiter für feig. Ulmer antwortete hierauf; verlangte aber seinerseits mit Hollinger – Freund von Sigel – Berufung einer allgemeinen Flüchtlingsversammlung zur Wahl eines Unterstützungskomitees. Er schuldigte Willich usw. direkt der Verschwelgung und Verschwendung der Flüchtlingsgelder an. Unaussprechlicher Tumult. Oswald Dietz springt vor, erklärt, er sei Kassierer des Flüchtlingskomitees der Great Windmillstreet und verlangt Widerruf. Ulmer erklärte, wenn die Herren es verlangten, werde er Beweise beibringen. Er widerrufe nichts. Willich in seiner bekannten Manier sucht ihn zu beschwichtigen und ladet ihn zu einer Privatauseinandersetzung auf seinem Zimmer ein. Aber Cato Ulmer bleibt unerschütterlich und sprach nicht ohne Anhang. Nebenbei bemerkt, hatte Schimmelpfennig, hinter Ulmer sitzend, während der Rede Goeggs fortwährend gegrunzt und Lärm gemacht, als auf einmal Ulmer von seinem „Genie“ ergriffen wird, sich mit ausgestreckter Faust umwendet und dem Schramm zubrüllt: „Wenn Sie, elender Pfennigfuchser, nicht endlich das Maul halten, schmeiße ich Sie zum Fenster hinaus.“ Schramm wurde blaß wie Kreide, aber mit seiner preußischen Offizierscourage zu Rate gehend, entfernte er sich in den äußersten Winkel.
Willich war während dieser denkwürdigen Farce zu verschiedenen Malen und von allen Seiten, Goegg, Schramm, Hollinger, Ulmer usw., so derb gepackt worden, daß er sechsmal erklärte, er müsse austreten, wenn man seine würdige Persönlichkeit nicht außer Spiel ließe.
Nun aber neues Element des Skandals, von uns eigens zubereitet. Nämlich die Herren, die „höheren Flüchtlinge“, wie sie sich nennen, hatten die „niedrige Emigration“ ganz außer acht gelassen. – – –
Dieser „niederen Emigration“ haben nun Rumpf und Ulmer erklärt, nächsten Freitag kämen ihre Interessen vor in dem allgemeinen Emigrationsverein. Sie werden sich sämtlich, mit Knüppeln bewaffnet, dahin begeben, um ihre Ansprüche durchzusetzen. Ich habe sie nun durch Ulmer wissen lassen, Kinkel habe 160 Pfund für sie erhalten, die er wochenlang verheimlicht [hat], und die er nun mit Willich zu teilen gedenke. Sie würden überhaupt – et c’est vrai[6] – nur als Firma benutzt, um die Finanzen dieser Staatsmänner auf den Strumpf zu bringen. Ulmer wird der Redner sein, und da Schramm usw. nichts von dieser Auslandssendung wissen, wird der Skandal erbaulich werden von allen Seiten.
Du darfst erst einen – später aber notwendigen – Brief an Kinkel schreiben, sobald ich Dir über die Freitagsitzung berichtet. Was Du aber gleich tun mußt, ist, an Fischer nach New Orleans zu schreiben, ihm den ganzen Dreck klarzumachen und ihn wissen zu lassen, daß er nur noch unter der Firma „Freiligrath“, die ganz populär ist, Geld sammelt. Unsere Partei braucht es notwendig. Sie ist die einzig aktive, die einzig direkt mit Bundestag und Gott und Teufel im Kampfe stehende, und es fehlt uns alles Geld zur Agitation. Andererseits muß Geld geschaffen werden für unsere Eingekerkerten, die zum großen Teil durchaus ohne Mittel sind. Diese zwei Gesichtspunkte scheinen mir leicht dem Mann klar zu machen. Wenn er kann, soll er übrigens die Sammlung geheim machen, du unsere Wirksamkeit nur gestört wird durch jeden Zeitungsklatsch.
Vale faveque.[7]
Dein K. Marx.
Bemerken muß ich noch, daß der orthodoxe Stier Schapper durchaus nicht mit „Ungläubigen“ sich einläßt, vielmehr Willich erklärt hat, sie könnten ihm eher den Kopf einreißen, als daß er zu „den Hunden“ gehe.
Wenn manchmal jetzt meine Briefe um ein paar Tage ausbleiben, geschieht es, um vollständiger zu berichten.