Ich habe aus Paris zwei Briefe erhalten, einen von Ewerbeck und einen von Sassonoff. Herr Ewerbeck gibt ein unsterbliches Werk heraus: L’Allemagne et les Allemands.[5] Erstreckt sich von Arminius dem Cherusker (so schreibt er mir wörtlich) bis auf das Jahr des Herrn 1850. Er verlangt von mir biographisch-literarhistorische Notizen über die drei Männer: Friedrich Engels, Karl Marx und Bruno Bauer. Die Schmiererei hat schon begonnen mit dem Drucke. Que faire![6] Ich fürchte, wenn man dem Kerl gar nicht antwortet, bringt er den größten Unsinn über uns in die Welt. Schreibe mir, was Du davon denkst.
An Sassonoffs Brief ist jedenfalls das Interessanteste das Datum „Paris“. Wie kommt Sassonoff in diesem diffizilen Augenblick nach Paris? Ich werde ihn um Aufschluß über dies mystère bitten. Er räsoniert seinerseits sehr über Dronke, der ein fainéant [Nichtstuer] sei und sich von einigen Bourgeois „enjôler“[7] lasse. Er habe die Hälfte des Manifestes übersetzt. Dronke habe sich zur Übersetzung der anderen Hälfte verpflichtet. Durch seine gewöhnliche Nachlässigkeit und Faulheit sei aus dem Ganzen nichts geworden. Letztere Sache sieht unserem Dronke allerdings ähnlich, wie ein Ei dem anderen. Nachdem Herr Campe meine Anerbietung zu der Broschüre gegen Proudhon, Herr Cotta und später Löwenthal die (durch Ebner in Frankfurt vermittelte) wegen meiner Ökonomie ausgeschlagen, scheint sich endlich für letztere eine Aussicht zu eröffnen. In einer Woche werde ich wissen, ob sie sich realisiert. Es ist ein Buchhändler in Dessau, auch durch Ebner vermittelt. Dieser Ebner ist ein Freund von Freiligrath.
Von der Tribune habe ich noch keinen Brief erhalten, sie auch noch nicht zu Gesicht bekommen, zweifle aber nicht, daß die Sache ihren Fortgang hat. Jedenfalls muß sich das in einigen Tagen aufklären.
Du mußt mir übrigens endlich Deine vues[8] über Proudhon, wenn noch so kurz, mitteilen. Sie interessieren mich um so mehr, als ich jetzt in der Ausarbeitung der Ökonomie begriffen bin. Ich habe übrigens in der letzten Zeit auf der Bibliothek, die ich fortbesuche, hauptsächlich Technologie, die Geschichte derselben, und Agronomie geochst, um wenigstens eine Art Anschauung von dem Zeug zu bekommen.
Qu’est ce que fait la crise commerciale?[9] Der Economist enthält Tröstungen, Beteuerungen und Ansprachen, die den Krisen regelmäßig vorausgehen. Man fühlt indessen seine Furcht, während er den anderen die Furcht auszuschwatzen sucht. Wenn Dir folgendes Buch in die Hände fällt: Johnston, Notes on North America, zwei Bände, 1851, so wirst Du allerlei interessante Notizen darin finden. Dieser Johnston ist nämlich der englische Liebig. Ein Atlas für physische Geographie von „Johnson“, nicht mit dem obigen zu verwechseln, ist vielleicht in einer der Buchbibliotheken Manchesters zu haben. Er enthält die Zusammenstellung sämtlicher neueren und älteren Forschungen in diesem Gebiet. Kostet 10 Guineen. Also nicht für Private berechnet. Von dem dear Harney verlautet nichts. Er scheint noch immer in Schottland zu hausen.
Die Engländer geben zu, daß die Amerikaner den Preis in der Industrieausstellung davongetragen und sie in allem besiegt haben. 1. Gutta-percha. Neuer Stoff und neue Produktionen. 2. Waffen. Revolver. 3. Maschinen. Mäh-, Säe- und Nähmaschinen. 4. Daguerreotyps zum erstenmal im großen angewandt. 5. Schiffahrt mit ihrer Jacht. Endlich, um zu zeigen, daß sie auch Luxusartikel liefern können, haben sie einen kolossalen Klumpen kalifornisches Golderz ausgestellt und daneben ein goldenes Service von Virgingold.
Salut.
Dein K. M.
[1] Druck auf den amerikanischen Geldmarkt.