Dein K. Marx.

182

28 Deanstreet, Soho, London, 30. August 1852.

Lieber Engels!

Aus den Aktenstücken, die ich Dir gesandt habe, hast Du gesehen, wie Kinkel-Willich manövrieren. – Es handelt sich für die Herren darum, endlich wirklich an die Verwaltung der Gelder zu kommen, von der sie abzutreten drohen, wenn man ihnen nicht willfahre. Der point urgent[1] ist der. Die Kerls haben 200 Pfund Sterling verausgabt, die ihnen hier schwerlich ratifiziert würden. Daher der Versuch, sich direkt und „schleunigst“ aus Amerika zu Geldausgaben bevollmächtigen zu lassen oder zur Zuziehung eines dritten Kollegen, damit sie als konstituiert handeln können. Sie haben die Sache in ihrer Weise pfiffig angegriffen. Erst die Dokumente nach Amerika und der Schweiz geschickt, hinter dem Rücken der Londoner Garanten. Dann diesen die Schriften am 26. zugestellt (obgleich vom 11. und 12. datiert), mit der Bemerkung, Stillschweigen als Einverständnis zu betrachten. –

Welcher Art aber die „starken“ Organisationen in Deutschland sind, womit sie renommieren, wirst Du aus folgendem ersehen.

Du weißt, daß Gebert angeblich nach Amerika gereist ist. Aber die Sache verhält sich wie folgt.

Kinkel-Willich haben Anfang dieses Monats einen Emissär nach Deutschland abgesandt, id est Gebert, den Schneidergesellen. In Magdeburg hat er eine sogenannte Kommunistengemeinde versammelt; drei Tage nacheinander wurden Beratungen gehalten, 26 bis 30 Mitglieder nahmen teil; das Präsidium führte ein gewisser Hammel; gegen Marx und Engels wurde mit großer Erbitterung debattiert, – nebst mehreren Administrations- und Organisationsfragen kam man auf die Frage: wie und auf welche Art eine Druckerei zu schaffen wäre! Es fand sich ein armer Buchdrucker, der in oder um Magdeburg herum etabliert ist; mit ihm wurde ein Vertrag geschlossen. Er stellte seine Office der Propaganda zur Verfügung, die alte Firma wird beibehalten. Dafür werden ihm sofort 100 Taler ausgezahlt und ein Schuldschein für 350 Taler am Ende des Jahres, von jetzt gerechnet.

Die Polizei wußte alles von Geberts Abreise an. Sie läßt ihn beständig begleiten. Sie hatte ihren Berichterstatter in der Magdeburger Versammlung. Sie will ihn erst einstecken, sobald er seine Mission erfüllt und möglichst viele ins Pech geritten hat. Die Sache ist sehr fatal für unsere Kölner Gefangenen. Wird Gebert gesteckt usw., so halte ich es an der Zeit, öffentlich die Kerls zu denunzieren und vor ihnen zu warnen, die zur Scheinagitation und um sich wichtig zu machen vom sicheren Versteck aus den deutschen Regierungen, speziell der preußischen, in die Hände arbeiten. Ich habe sofort nach Köln berichtet. Wie ich die Sache erfahren habe, kann ich Dir nur mündlich mitteilen. Das Postgeheimnis ist hier auch ein problematisches Ding. – –

Vor einigen Tagen berief Pyat (Felix) die mit ihm zusammenhaltenden Franzosen zu einer Reunion und legte ihnen ein Programm vor, das nun gedruckt werden soll. „Gott“ spuckte natürlich dadrein. Einer der Anwesenden protestierte dagegen, „Gott“ in einem Revolutionsprogramm zu beherbergen. Pyat, dem gouvernement direct gemäß, läßt abstimmen. „Gott“ passiert mit sieben Stimmen Majorität. L’être suprême est sauvé encore une fois.[2] Früher hieß es: Gott verläßt die Seinen nicht. Jetzt heißt es: Die Seinen verlassen Gott nicht. Eine Hand wäscht die andere.