[Seite 93] [Zeile 5 von unten]: Hinter dieser Zeile ist folgendes Satzstück einzuschalten:
Schreibe auch ein paar Zeilen an M. Bricourt, membre de la Chambre des Représentants, der sehr gut für Dich in der Kammer aufgetreten ist und den Minister auf Maynz’ Ansuchen scharf interpelliert und die Enquete wegen der Geschichte durchgesetzt hat. Er ist Repräsentant für Charleroi und nach Castiau der beste. Castiau war gerade in Paris.
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| - | [117] | - | 7 | - | - | - | Ganon | - | [Favon]. |
| - | [222] | - | 8 | - | unten | - | personel | - | [personnel]. |
Erster Abschnitt
Die ersten Jahre des Bundes
1844 bis 1849
Vorbemerkung.
Der Freundschaftsbund zwischen Engels und Marx wurde im Jahre 1844 geschlossen, nachdem seine geistige Grundlage, die Übereinstimmung der Ideen über den Zusammenhang der sozialistischen Bewegung mit der Entwicklung der Produktionsverhältnisse und den Klassenkämpfen der Epoche, sowie die gleiche Stellung zur Bewegung selbst sich in ihren Beiträgen zu den Deutsch-Französischen Jahrbüchern deutlich angezeigt und in mündlicher Unterhaltung, die im Sommer 1844 in Paris stattfand, Bekräftigung gefunden hatte. Es ist äußerst charakteristisch, daß kein Mitarbeiter der Deutsch-Französischen Jahrbücher sich den darin von Marx geschichtsphilosophisch niedergelegten Ideen so nahe zeigt als der in Manchester kommerziell beschäftigte Fabrikantensohn aus Barmen, in dem Marx anderthalb Jahre vorher einen simplen Radikalen vom Kaliber der Berliner „Freien“ vermutet hatte. Der Wissensdrang, der bei Engels kaum weniger stark war als bei Marx, sowie Verbindungen mit der in England schon eingewurzelten Arbeiterbewegung hatten in Engels den Blick für die Unzulänglichkeiten des spekulativen Radikalismus geschärft, der sich als die Krönung der idealistischen deutschen Philosophie gebärdete. Marx hatte jenen Radikalismus früher durchschaut, und nachdem er in Frankreich den dortigen Kommunismus und Sozialismus gründlich studiert hatte, war er praktisch zu fast der gleichen Stellung zur kommunistischen Arbeiterbewegung gelangt wie Engels. Beide betrachteten und bezeichneten sich als Kommunisten, weil sie die großen Ziele jener Bewegung anerkannten und für sie zu wirken sich zur Aufgabe gestellt hatten. Aber beide konnten es nicht über sich gewinnen, sich einer der bestehenden Gruppen oder Schulen des Kommunismus anzuschließen, die alle noch im Fahrwasser der Sektiererei oder der unbestimmten Menschheitsbeglückung segelten. Die Bewegung aus dem Sektenstadium herauszubringen erschien als das dringendste Erfordernis, und da in Deutschland für eine politische Partei die Vorbedingungen fehlten, mußte der Kampf hier zunächst literarisch-propagandistisch geführt werden.
Darüber waren sich Marx und Engels einig geworden, als dieser im Spätsommer 1844 Marx in Paris besucht hatte, und mit dem ersten Briefe, den Engels nach jenem Besuch an Marx geschrieben hat, beginnt unsere Sammlung. Er ist aus Barmen datiert, wohin Engels sich begeben hatte, offenbar, um sich mit dem Vater über sein ferneres Leben auseinanderzusetzen, da er keine Lust hatte, es am Kontortisch zuzubringen. Der Brief zeigt den Feuergeist des jungen Engels, er wirft aber auch ein interessantes Streiflicht auf die Verfassung des öffentlichen Geistes in Deutschland am Vorabend der bürgerlichen Revolution. Überall stößt der Jünger des Kommunismus in der bürgerlichen Welt auf Gesinnungsgenossen, überall auf „Kommunisten“, man sollte meinen, das Evangelium der Menschenverbrüderung wolle Deutschland im Sturme erobern. Es sollte sich indes zeigen, daß der Kommunismus der meisten dieser Leichtgewonnenen nur Frucht unbestimmten Oppositionsdranges war und, als es die Probe zu bestehen galt, ebenso leicht wieder verflog.
Zu jener Zeit war Marx in Paris Mitarbeiter an der radikalen Zeitschrift „Vorwärts“, die der Journalist Heinrich Börnstein herausgab. Bald darauf wurde er mit anderen Mitarbeitern des „Vorwärts“ auf Betreiben der preußischen Regierung aus Paris ausgewiesen und siedelte nach Brüssel über. Nach Paris noch ist der folgende Brief von Engels gerichtet, der das Datum des 19. November 1844 trägt. Er atmet denselben frisch-naiven Geist wie der erste, ist aber ungleich interessanter. Er zeigt, daß Marx-Engels sich zwar schon des Unterschieds zwischen ihnen und anderen deutschen Sozialisten der Epoche bewußt waren, sich aber noch nicht von letzteren getrennt hatten; daß sie wohl mit ihnen diskutierten, aber nicht gegen sie polemisierten, sondern zunächst gemeinsam mit ihnen die Geschosse gegen die unfruchtbare Überkritik der Gebrüder Bauer und Genossen richteten. Die erste von Marx und Engels gemeinsam gezeichnete Kampfschrift „Die heilige Familie zu Charlottenburg“ ward eine Abrechnung mit den Bauers, und hier sehen wir, wie, noch ehe dies Buch erschien, schon das den Radikalismus der Bauer weit überbietende Produkt jener Richtung, Stirner-Schmidts „Der Einzige und sein Eigentum“, auf die Bühne tritt und neue Kritik herausfordert. Engels’ Bemerkungen über das Buch sind als Merkmale seiner selbständigen Entwicklung außerordentlich interessant und ebenso, was er über die Stellung des Moses Heß zu dem Buche sagt. Heß, den Jahren nach und als Sozialist der ältere, wird noch sehr zart angefaßt, aber seine Methode und Auffassung werden doch schon entschieden als falsch gekennzeichnet. Allerdings sind auch Marx-Engels mit der Ausarbeitung ihrer Theorie noch nicht fertig, spricht doch Engels selbst noch stark die Sprache der von ihnen bekämpften Philosophenschule. Aber der Sache nach sind seine paar Sätze über Stirner ungleich schlagender als die breite Polemik, die dann Heß gegen diesen veröffentlichte.
Auch darin zeichnet sich der zweite Brief vor dem ersten aus, als die geradezu phänomenale Arbeitslust und Arbeitskraft Engels’ hier viel drastischer sich kundgibt wie dort. Wohl nimmt es der junge Engels mit dem zu verarbeitenden Stoff noch verhältnismäßig leicht, aber das bloße Konstruieren aus dem Kopfe war doch auch damals nicht seine Sache. Und so kann man nur staunen, wieviel schriftstellerische Arbeit er überzeugt ist in kürzester Zeit fertigstellen zu können, während er nebenbei hin und her reist, agitiert und organisiert. Es braucht kaum bemerkt zu werden, daß der Jung, von dem im Briefe die Rede ist, der spätere demokratische und schließlich nationalliberale Georg Jung war, und der List, gegen den Engels eine Broschüre zu schreiben erklärt, der Schutzzollanwalt Friedrich List war, der damals viel von sich reden machte.
Einige Briefe aus den ersten Monaten des Jahres 1845 schildern den Fortgang der Engelsschen Arbeiten, seine literarischen Unternehmungen und Projekte; die Propaganda in öffentlichen Versammlungen und ihren Ausgang, sowie die Widerstände, auf die Engels mit seinen Ideen und Plänen im elterlichen Hause stieß. Im Frühjahr 1845 übersiedelte Engels nach Brüssel, und der Briefwechsel mit Marx wird damit überflüssig. Im persönlichen Verkehr arbeiten die Freunde nun ihre Theorie vollständig aus. Sie verfechten sie kritisch-polemisch gegen den immer mehr ins Sektiererische verfallenden Kommunismus Weitlings und den halb polternden und halb sentimentalen Sozialismus einer Reihe von Ganz- oder Halbakademikern, der im wesentlichen auf radikaler Stimmung und gutem Willen beruhte, dessen Vertreter aber sich um die materiellen Vorbedingungen ihrer Umwälzungsideen wenig kümmerten. Marx-Engels selbst aber standen mit den revolutionären Chartisten Englands und sozialistischen Demokraten Frankreichs in Verbindung, traten in immer lebhafteren Verkehr mit führenden Mitgliedern des kommunistischen Geheimbundes der Gerechten, die sich über die Unzulänglichkeiten von Weitlings Ideen und Plänen nicht mehr täuschen ließen, sammelten einen Kreis überzeugter Anhänger um sich und bildeten mit einigen von ihnen in Brüssel ein freies Komitee zur Verfechtung der gewonnenen Erkenntnis.