Da ich nun doch einmal auf ein paar Wochen in der orientalischen Schmiere festsitze, so habe ich die Gelegenheit benutzt, um Persisch zu lernen. Von dem Arabischen schreckt mich einerseits mein eingeborener Haß gegen die semitischen Sprachen zurück, andererseits die Unmöglichkeit, in einer so weitläufigen Sprache, die 4000 Wurzeln hat und sich über 2000 bis 3000 Jahre erstreckt, ohne viel Zeitverlust es zu etwas zu bringen. Persisch dagegen ist ein wahres Kinderspiel von einer Sprache. Wäre es nicht wegen des verfluchten arabischen Alphabets, worin immer je sechs Buchstaben sich gleich sehen und wo man die Vokale nicht schreibt, so würde ich mich anheischig machen, die ganze Grammatik binnen 48 Stunden zu lernen. Dies zum Trost für Pieper, wenn er etwa Lust haben sollte, mir diesen schlechten Witz nachzumachen. Ich habe mir drei Wochen als Maximum für das Persische angesetzt; wenn er also zwei Monate dran riskiert, so schlägt er mich jedenfalls. Für Weitling ist es ein Pech, daß er kein Persisch kann; er würde seine langue universelle toute trouvée[5] haben, da es meines Wissens die einzige Sprache ist, wo kein Krakeel zwischen Mir und Mich entsteht, da der Dativ und der Akkusativ sich immer gleich sind.

Übrigens ist es ganz angenehm, den liederlichen alten Hafis in der Ursprache zu lesen, die ganz passabel klingt, und der alte Sir William Jones gebraucht mit Vorliebe persische Zoten als Beispiele in seiner Grammatik, die er dann nachher in seinen Commentariis poeseos asiaticae[6] in griechische Verse übersetzt, da ihm das doch im Lateinischen selbst noch zu unflätig vorkommt. Diese Kommentare: Jones’ Works, 2. Band, de poesi erotica,[7] werden Dich amüsieren. Dagegen ist die persische Prosa zum Totschießen. Zum Beispiel der Ranzât-uo-safâ[8] des edlen Mirkhond, der die persische Heldensage in sehr bilderreicher, aber inhaltloser Sprache erzählt. Hier heißt es von Alexander dem Großen: Der Name Iskander heißt in der jonischen Sprache Akschid Rûs (verstümmelt, wie Iskander, aus Alexandras), das bedeutet soviel wie Filusûf, welches herkommt von fila, Liebe, und sufa, Weisheit, so daß Iskander dasselbe ist wie ein Freund der Weisheit. – Von einem retired[9] König heißt es: Er schlug die Trommel der Abdankung mit dem „Trommelstock des Sichzurückziehens“, wie Vater Willich dies tun wird, wenn er sich etwas weiter in den literarischen Kampf lanciert. Demselben Willich wird es auch ergehen wie dem König Afrasiat von Turan, als seine Truppen ausrissen, und von dem Mirkhond sagt: „Er biß sich die Nägel des Entsetzens mit den Zähnen der Verzweiflung, bis das Blut des geschlagenen Bewußtseins ihm aus den Fingerspitzen der Scham quoll.“ – Morgen mehr.


[1] Überlegene Mensch.

[2] Befangenheit.

[3] Beiseiteschiebung.

[4] Ohne sich zu gebaren, als merke er es.

[5] Weltsprache geradezu gefunden.

[6] Erläuterungen der asiatischen Poesie.

[7] Über Liebespoesie.