Ich rechne positiv darauf. Du kannst nicht in der Schweiz bleiben.

Meine Frau bleibt einstweilen hier. Du schreibst an sie immer unter derselben Adresse: 45 Rue de Lille, M. Ramboz.

Dein K. M.


[1] Von Januar 1850 ab erschien dies Journal als Revue der Neuen Rheinischen Zeitung.

Zweiter Abschnitt
Das Londoner Exil bis zur Auflösung des Kommunistenbundes
1850 bis 1853

Vorbemerkung.

Der Herbst 1849 sah Marx und Engels in London vereint. Marx war im August 1849, unmittelbar nach seiner Ausweisung aus Paris, nach London übersiedelt, Engels, der nach Niederwerfung des badisch-pfälzischen Aufstandes sich einige Monate in der Schweiz aufgehalten hatte, kam im Herbst über Genua zur See nach England. Im Verein mit Gesinnungsgenossen reorganisierten Marx und Engels nun den Bund der Kommunisten mit der Zentralbehörde in London und bildeten ferner mit Heinrich Bauer, Karl Pfänder und August Willich ein Flüchtlingskomitee, das sich die Aufbringung von Mitteln zur Unterstützung der immer zahlreicher Englands Hauptstadt aufsuchenden Flüchtlinge zur Aufgabe stellte und nach Möglichkeit ihnen Beschäftigung zu verschaffen suchte. Es war dies eine überaus viel Zeit und Mühen in Anspruch nehmende, mit Widrigkeiten aller Art verbundene Tätigkeit. Die einlaufenden Beiträge blieben weit hinter den Erfordernissen zurück, und bei der erregten Gemütsverfassung der Flüchtlinge gab es viel Unzufriedenheit und Reibereien. Die letzteren wurden verschärft durch politische Streitigkeiten und Gegensätze. Die Zerfahrenheit des erst im Entstehen begriffenen deutschen Parteiwesens, die einen so wesentlichen Anteil an der Wiederherstellung der Fürstengewalt gehabt hatte, fand ein Widerspiel in der Flüchtlingsschaft und mußte, weil der Rahmen ein viel engerer und die Gemüter hier viel intensiver auf die Politik gerichtet waren, zu um so heftigeren Zusammenstößen führen.

Zur literarischen Vertretung ihrer Anschauungen wurde von Marx und Engels die Zeitschrift „Neue Rheinische Zeitung, politisch-ökonomische Revue“, ins Leben gerufen, die Anfang 1850 in London und Hamburg herauskam und in der sie eine Reihe überaus wertvoller Aufsätze veröffentlichten, die aber nicht hinreichenden Absatz fand, um sich halten zu können. Die mutigen, opferwilligeren Anhänger der radikalen Demokratie waren meist ruiniert oder ins Ausland getrieben, diejenigen aber, die nur von der Strömung mitgerissen worden waren oder bloß die Radikalen hatten spielen wollen, suchten nun vor allem ihre Haut zu sichern. Andere ließen sich wohl die Revue kommen, vergaßen aber das Bezahlen, und mit dem Eintreiben der Abonnementsgelder war es angesichts der brutal dazwischenfahrenden Reaktion und der noch sehr mangelhaften und teuren Posteinrichtungen schlimm bestellt. Schon nach dem vierten Hefte, das im April 1850 herauskam, hörte die Revue auf, in Monatsfolge zu erscheinen, ein im November 1850 noch veröffentlichtes Doppelheft ward ihre letzte Nummer. In ihr gaben Marx und Engels zugleich der Idee den Abschied, daß die Revolution in kürzerer Zeit von neuem ausbrechen werde. Erst wenn die mittlerweile eingetretene Geschäftsprosperität einer neuen Krise Platz gemacht habe, schrieben sie, werde die Revolution sich – dann aber auch mit Sicherheit wieder einstellen. Man wird aus den Briefen ersehen, daß immerhin selbst Marx-Engels die Periode des „plumpen Zwischenspiels“ sich kürzer vorstellten, als sie in Wirklichkeit dauern sollte, und daraus manches in ihrem damaligen Verhalten erklärt finden.

Indes hatte schon die Erkenntnis, daß der Wiederausbruch der Revolution nicht vom bloßen Willen der Revolutionspartei abhänge, im Verein mit Zwistigkeiten über taktische Fragen untergeordneter Natur, über Personenfragen und ähnliches genügt, Marx-Engels und einen kleinen Kreis von Anhängern in Gegensatz zur großen Mehrheit der Londoner Flüchtlingsschaft zu bringen. Von Anfang an hatten Marx-Engels die Idee eines die ganze Londoner Emigration umfassenden Flüchtlingskomitees von sich abgewiesen und bekämpft. Sie hatten sogar noch schroffer gegen die kleinbürgerlich-sozialistischen Radikaldemokraten als gegen die im wesentlichen nur liberalen Oppositionsleute vom Schlage der Lothar Bucher und Genossen Stellung genommen, in den ersteren gefährlichere Gegner der aufkommenden Arbeiterpartei bekämpft als in den letzteren, eine Politik, die in dem von ihnen verfaßten Rundschreiben der Zentralbehörde des Kommunistenbundes vom März 1850 näher entwickelt ist. Wenn sie dabei manche Persönlichkeiten irrig beurteilt haben und in bezug auf die Kritik politischer Reformen teilweise von Auffassungen ausgingen, die sie später selbst berichtigt haben, so waren jedoch ihre Warnungen vor den verschwommenen sozialistischen Phrasen, mit denen die Radikaldemokraten um sich warfen, grundsätzlich gewiß am Platze. Ebenso war die scharfe Kritik, die Marx-Engels im Aprilheft 1850 der Revue Neue Rheinische Zeitung an der Verteidigungsrede übten, die der im badischen Feldzug gefangen genommene Gottfried Kinkel vor dem Rastatter Kriegsgericht gehalten hatte, sachlich durchaus berechtigt. Die Rede enthielt Stellen, die ein Mann von Überzeugung niemals hätte äußern dürfen, ein Mann von festem Charakter nicht hätte äußern können. Immerhin wäre angesichts der Tatsache, daß Kinkel von Friedrich Wilhelm IV., nach der Absicht dieses rachsüchtigen Monarchen „von Gottes Gnaden“, auf lebenslänglich ins Zuchthaus gesteckt worden war, während das Kriegsgericht nur auf Festung erkannt hatte, die Kritik seiner Rede in der Form vielleicht etwas weniger heftig ausgefallen, wenn nicht Kinkel, mittlerweile der Heros des radikalisierenden Kleinbürgertums geworden, seine Jammerrede obendrein noch einem Organ dieser Richtung zur Veröffentlichung hätte übergeben lassen. Auch ist der Artikel noch in der Auffassung geschrieben, daß die Revolution in Kürze sich von neuem erheben werde, was für Kinkel ohnehin die Befreiung geheißen hätte. Er ist im Hinblick auf diese Annahme zu beurteilen.