Lieber Marx!

Ich bin die letzte Zeit ausnahmsweise sehr beschäftigt gewesen und habe andere Störungen gehabt, die mich aus meinem gewöhnlichen Lebenssystem herausrissen und mich am Schreiben verhinderten. Daher meine späte Antwort.

Das Manifest Ganon Caperon Gouté ist wirklich ein Meisterstück nach Inhalt und Form. Die crânerie[1] hat ihren vollendeten Ausdruck erreicht, und Monsieur Barthélemy hat der Welt endlich einmal ein Exempel davon gegeben, ce que c’est que de parler carrément.[2] Die militärische Aufstellung des homme de marbre[3] ist ebenso heiter: der bonhomme[4] hat die meisten Corps der österreichischen Armee zweimal gezählt, wie die oberflächlichste reference[5] zu den Zeitungen beweist. Übrigens geht die Unverschämtheit doch zu weit, nach all den Blamagen seit 1848 und bei der gegenwärtigen gemütlichen Stimmung aller Nationen, obenan der crapauds, von einer marée populaire zu sprechen, qui menace d’engloutir des trônes.[6] Die Versammlung von Namen, die darunter steht, ist freilich die schönste feature[7] des Ganzen. Solch ein europäischer Kongreß ist noch nie gesehen worden. Ledru-Rollin, Mazzini und Komp. erhalten ordentlich eine gewisse Wichtigkeit durch diese Kinderei. Übrigens möchte ich wissen, worin sich der Waschlappen Sawaßkiewicz, der darunter steht, von dem Polacken des Ledru-Rollin, Darasz, unterscheidet, und inwiefern die beiden Ungarn, die darunter stehen, dem Mazzini vorzuziehen sind. Schapper und Ruge stehen sich freilich ziemlich gleich, und falls nicht Dietz ein schweres Gewicht zugunsten des neuen europäischen Komitees in die Wagschale legt, so werden die Herren die Konkurrenz mit ihrem Original schwerlich bestehen können.

Neulich war ich bei John Watts, der Kerl scheint gut zu mogeln, er hat jetzt einen viel größeren shop [Laden] in Deansgate, etwas höher hinauf. Er ist vollständiger radikaler Spießbürger geworden, kümmert sich um nichts als das educational movement,[8] schwärmt für moral force[9] und hat Herrn Proudhon zu seinem Herrn und Meister akzeptiert. Er hat die Contradictions économiques[10] und anderes Zeug übersetzt und viel Geld daran verloren, da die englischen Arbeiter noch nicht „Erziehung“ genug haben, um diese famosen Sachen zu verstehen. Er erzählte mir verschiedene Exempel, aus denen hervorgeht, daß er sehr gut versteht, seinen Schneidercommerce vermittels Affichierung seines bürgerlichen Liberalismus zu poussieren. In den Educational Committees[11] sitzt er mit seinen ehemaligen wütenden Gegnern, den Dissenterpfaffen, brüderlich zusammen und läßt sich von Zeit zu Zeit Banknoten von ihnen geben for the very able address he delivered on that evening.[12] Der Kerl scheint mir in dieser Metamorphose allen Witz verloren zu haben; ich bin seitdem noch nicht wieder bei ihm gewesen. Für Leute, die derartige Wandlungen in die bürgerliche Solidität durchmachen, ist natürlich Proudhon hierzulande ein gefundenes Fressen; scheinbar am weitesten gehend, weiter als Owen, ist er doch fully respectable.[13]

Ich habe nichts dagegen, über Herrn Mazzini und die italienische Geschichte zu schreiben. Mir fehlen nur außer dem Ding im Red [Republican] alle Mazzinischen Schriften. Vor Weihnacht komme ich indes doch zu nichts, da ich in acht Tagen doch in London bin. Ich werde mir dann das Nötige mitnehmen. Vielleicht fällt uns bis dahin auch sonst noch was ein.

Deiner Frau meinen besten Dank für ihre freundlichen Zeilen. Mit dem Cotton-lord ist’s so arg nicht, mein Herr Alter scheint gar nicht so geneigt zu sein, mich länger hier zu halten, als absolut nötig ist. Cependant nous verrons.[14] An Dronke ist geschrieben.

Grüße Deine Frau und Kinder.

Dein F. E.


[1] Prahlerei.