Wer übrigens je eine längere Zeit in den südlichen Theilen Nordamerikas jagte, hat auch gewiß mit eben diesen Aasgeiern, seltener mit den Wölfen in Streit gelebt. Diese ersteren folgen dem Jäger, wenn er erst einmal einige Stücke Wild erlegt hat, fortwährend, und lassen ihm kaum Zeit seine Beute aufzubrechen. Mit schlecht verhaltener Gier sitzen sie in den benachbarten Bäumen, und erwarten den Augenblick, in welchem der Jäger den Platz verläßt, um dann mit ihren scharfen, langen Schnäbeln über das Zurückgelassene herzufallen, von dem nach wenigen Stunden selten mehr als die Knochen übrig sind. Nur ein Mittel giebt's, sich ihrer in etwas zu erwehren und das ist, das Stück Wild in der Decke zu lassen und am Kopfe aufzuhängen; dann finden sie nirgends einen Anhaltepunkt, als an dem Kopfe selber, an dem man ihnen gern verstattet, herumzuhacken.

Noch andere Feinde aber, gegen die selbst das Aufhängen nicht viel nützt, sind die großen Raben, die nun zwar dem Wildpret selber nicht viel Schaden thun, aber das Talg heraushacken, da es, um abzukühlen, doch aufgebrochen werden muß. Einige weiß geschälte Stöckchen aber, durch die Wammen querüber gesteckt, sind ziemlich zweckmäßig, diese Burschen abzuhalten, die ihren Hals nicht gern durch die weißen Hölzer hinein zu schieben wagen. Im Winter geht das übrigens noch Alles an, es sind Unannehmlichkeiten, denen man doch wenigstens theilweise noch begegnen kann; im Frühjahr und Sommer aber erscheint eine Jägerplage, gegen die es fast gar keinen Schutz giebt, und das sind die Schmeißfliegen, die zu Tausenden fast in demselben Augenblick erscheinen, wo das Wild von der Kugel getroffen stürzt. Will man das Wildpret später mit nach Hause nehmen, so ist das einzige Mittel, um es von dieser Landplage frei zu halten, es in's Wasser zu legen. Aber nicht überall hat man Wasser, welches dazu tief genug ist, in der Nähe, und in den ganz südlichen Staaten geht dies auch überhaupt nicht an, da die Alligatoren sonst bald das ihrem Bereich anvertraute in Beschlag nehmen würden. Wollte man einen starken Rauch unter dem Wildpret unterhalten, so würde dies auch nur theilweise gegen diese Insekten schützen; will daher der Jäger im Sommer Wildpret bewahren, so muß er es an Ort und Stelle in schmale Streifen schneiden und über einem langsamen Feuer dörren; dann hält es sich Monate lang. —

Die Feuerjagd auf Hirsche wird auch noch auf eine andere Art als mit aufgebautem Gerüst betrieben, und besonders dort in Anwendung gebracht, wo sich sehr viele, verschiedene Salzlecken in einer und derselben Gegend finden und der Hirsch zwischen ihnen wechselt. Um nämlich unter solchen Verhältnissen leicht von einem Platz zum anderen gehen zu können, nimmt der Jäger eine gewöhnliche eiserne langstielige Bratpfanne (wo diese nicht zu bekommen ist, muß eine künstlich aus Zweigen und Erde gemachte, den Dienst verrichten), befestigt an dieselbe noch ein etwa 3-4 Fuß langes, einige Zoll breites Bret, damit sie leicht auf der Schulter liegt und sich nicht wenden kann, und thut in diese nun den fein gespaltenen Kien, mit dem er leicht den Wald nach allen Richtungen hin durchwandern kann. Vorn in das Bret wird eine, von Holz geschnitzte, kleine, breite Gabel eingebohrt, um beim Schießen die Büchse hineinlegen zu können, wo dann der schwere Kien in der hinten mehre Fuß vom Kopf abstehenden Pfanne das Gleichgewicht gegen das Rohr hält und eine feste Lage verstattet. Die hinter dem Kopfe befindliche Flamme läßt nun dem Jäger die Lichter eines Stückes Wild oder Raubthieres auf mehre hundert Schritte erkennen, und da sich das erstere (Raubthiere lieben die helle Flamme nicht, äugen auch nicht gern hinein) keineswegs vor dem Feuer fürchtet, so kann man, wenn man nur leise und ohne Geräusch sich nähert, auch besonders den Wind gut beobachtet, leicht an die vertrauend ziehenden Stücke herangehen. In weiter Ferne verschmelzen die beiden Lichter der Hirsche in einen glühenden Feuerball, der sich jedoch, bei dem immer näher und näher Kommen scheidet, und erst in richtiger Schußnähe sieht man dann die zwei Kugeln in der gehörigen Entfernung zu einander stehen. Den Wind kann man dabei sehr leicht nach dem Rauch beobachten, der auf keinen Fall über den Kopf hinweg ziehen darf. Springt nach dem Schuß das Wild schnell und flüchtig ab und rennt fort, so ist es ein sicheres Zeichen, daß die Kugel sitzt; hat aber der Jäger gefehlt, so verschwinden die Lichter plötzlich; der Hirsch wendet sich und geht langsam, ohne die mindeste Furcht zu verrathen, hinweg. Kommt man nahe genug heran, um die ganze Gestalt des Wildes zu erkennen, so schießt man natürlich auf's Blatt; ist das aber nicht der Fall, so hat man ein so schönes Abkommen bei der hinten lodernden Flamme, daß man getrost zwischen die beiden Lichter hinein halten kann, was überdies immer der beste Schuß ist. —

Etwas ist hierbei jedoch noch zu bemerken, auf das der amerikanische Jäger ebenfalls sehr viel Rücksicht nimmt: der Mond nämlich, nach welchem sich das Hochwild mit seiner Äsung richtet. Scheint dieser die ganze Nacht, so zieht es am stärksten gleich nach Dunkelwerden, bis etwa zwei Uhr Morgens umher, wo es sich dann niederthut und bis zur frühen Morgendämmerung sitzt; leuchtet er hingegen die Nacht gar nicht, so äßt auch das Wild nicht sehr lange mehr nach Sonnenuntergang, höchstens ziehen dann Schmalthiere bis zehn oder eilf Uhr Abends an die Salzlecken; dahingegen äßen sie am Tage Morgens ganz früh; Mittags etwa von zwölf bis eins und Abends wieder von vier Uhr an. Doch läßt sich darüber nichts ganz Genaues bestimmen. Einzelne findet man fast zu jeder Tageszeit munter.

So selten nun, im Westen wenigstens, die Hirsche mit Hunden gehetzt werden, so interessant ist diese Jagd auf Truthühner, wenn sie sich im Winter zusammen gethan haben und nun in Ketten, oft von 30-50 Stück, durch den Wald ziehen. Von den Hunden eingeholt, bäumen sie augenblicklich und äugen nun, sich auf ihrer Höhe sicher glaubend, mit großer Zufriedenheit auf die, die Bäume toll und wild umspringenden Hunde hernieder, bis der Jäger heranschleicht und mit der Kugel (denn Schrot würde in jenen hohen Bäumen von gar keiner Wirkung sein), den Truthahn herunter holt. Es bedarf dazu übrigens nur eines Flügelschusses, denn das Wild ist so schwer, daß es fast stets durch den Fall, wenn auch sonst nicht tödtlich getroffen, verendet.

So gescheidt der Truthahn aber auch sonst ist, so albern und unbehülflich stellt er sich an, wenn er sich gefangen glaubt, und eben auf diese seine Dummheit sind auch die Fallen berechnet. Wo nämlich der Ansiedler, — denn der Jäger nimmt sich selten die Mühe, das mit der Axt zu bekommen, was er mit der Büchse erlegen kann, — eine Kette Truthühner zu fangen wünscht, sei es nun in einem abgeärnteten Maisfeld oder im Walde, da macht er von langen, gehaltenen, schweren Stangen eine Umzäunung, die etwa zehn bis zwölf Fuß im Quadrat hat und so hoch sein muß, daß der größte Truthahn, aufgerichtet, darin herumlaufen kann. Die Decke wird nachher mit Holz oder Steinen beschwert, daß sie dem Aufflatternden nicht nachgiebt. In eine der Wände, am besten nach der Richtung hin, in welcher die Hühner gewöhnlich ins Feld kommen, wird eine kleine Thüre gesägt. Gerade unter dieser hinweg führt eine Art schmaler Laufgraben in das Innere der Umzäunung; unter der Thür ist dieser Graben am tiefsten und läuft nach Innen wieder auf die Oberfläche hinaus. Dieser Graben wird bis auf zwölf und funfzehn Schritt von der Falle weggeleitet und nach ihm hin sparsam, in ihm aber reichlich Mais gestreut, der bis in den eingezäunten Raum hinein führen muß, wo es gut ist, wenn ein kleiner Haufen von Maiskolben dem Truthahn gleich entgegen lacht. Der Graben aber und die darüber hingehende Thür dürfen zusammen nur so hoch sein, daß ein ausgewachsener Truthahn, wenn er, mit dem Kopf auf der Erde, der Äsung nahe geht, gerade hindurch schreiten kann, also etwa zwanzig bis vierundzwanzig Zoll. Finden nun die den Wald durchgreifenden Hühner den umher gestreuten Mais, so folgen sie den einzelnen Körnern, gerathen in den Graben und treten nun, das Gestell wenig beachtend, in den inneren hohen Raum, wo sie sich gar bald an dem dort aufgeschichteten Vorrath eine Güte thun. Auf diese Weise gehen manchmal zehn und fünfzehn zu gleicher Zeit in die Falle. Nun hinderte sie freilich nichts auf der Welt, auf eben dieselbe Art das Gestell zu verlassen, wie sie es betreten haben; sobald aber nur einem von ihnen der Gedanke kommt, das Freie zu suchen, wobei er sich natürlich aufrichtet und, den fest verwahrten Ort über sich erblickend, das Warnungszeichen giebt, so erheben in demselben Augenblick Alle die Köpfe und versuchen flatternd in die Höhe zu entkommen; keiner von ihnen denkt von dem Augenblick weder mehr daran, den Mais zu berühren, noch sich überhaupt zu bücken, und ich weiß den Fall, daß sie sich auf diese Art gegen Abend gefangen haben und bis zum nächsten Nachmittag darin geblieben sind, wo dann der Farmer herbei kam und sie einzeln heraus holte.

Der arme Truthahn hat übrigens auch noch außer dem Menschen sehr viele andere Feinde, denn Wölfe, Füchse, Marder, Katzen, Panther stellen ihnen nach; ihr grimmigster Verfolger aber ist der weißköpfige Adler, dem sie auch nicht einmal entfliehen können, und zeigt sich ein solcher in der Luft und umkreist die Bäume, dann rührt sich kein Truthahn in seinem Versteck und man kann sie, wenn man sie zufällig findet, fast mit der Hand greifen.


Als ich zuerst die wirklichen Wälder Amerika's betrat, hatte aber nicht allein das Wild für mich Interesse, sondern auch die eingebornen Jäger selbst, die in der Wirklichkeit ganz und gar von dem Bilde abwichen, welches ich mir in meiner Phantasie von ihnen gemacht hatte.

Besonders viel war mir von den sogenannten »Hinterwäldlern« erzählt worden, die in der Bevölkerung Amerika's gewissermaßen eine eigene Gattung bilden. Es sind Landleute, insofern sie so viel Welschkorn bauen, als sie für sich und ihre Familie und ein Paar Pferde und Schweine bedürfen, im Übrigen leben sie von der Viehzucht und Jagd und führen eigentlich genau genommen, trotzdem, daß sie Häuser bauen und kleine Felder anlegen, doch ein Nomadenleben; denn selten bleiben sie länger als drei oder vier, oft nicht ein Jahr auf einem Fleck, sondern sind stets bereit, ihr mit saurem Schweiß urbar gemachtes kleines Besitzthum um Weniges wieder zu verkaufen und weiter westlich zu ziehen.