Als ich zuerst nach Missouri kam (denn selbst Illinois liegt jetzt schon zu östlich für diese Menschenklasse), hörte ich, etwa sechzig Meilen unterhalb St. Louis, von einem gewissen Coltert, der ein alter, tüchtiger Bärenjäger sein und mitten im Wald in einer kleinen Hütte leben solle. Die Beschreibung dieses Mannes, wie er lebte, was er schon alles für Abenteuer durchgemacht, wie viel Bären und Panther er erlegt, wie oft er verwundet worden, ein Mal sogar lebensgefährlich, als er seinen Lieblingshund einem Bären entreißen wollte, das Alles spannte meine Neugierde auf das Äußerste und machte mich sehr begierig diesen Mann kennen zu lernen, denn im Geiste malte ich ihn mir schon ganz nach indianischer Art, mit allen möglichen Waffen und Jagdgeräth versehen, aus, und beschloß, wenn ich auch Meilen weit umgehen müßte, ihn aufzusuchen.

Mein Weg sollte mich indessen etwa drei Meilen vor seinem Hause vorbei führen, wo, wenn ich einen gewissen Fluß erreicht hätte, ein Pfad rechts abging, der bis zu seiner Hütte hinlief. Bis zu diesem Flusse hatte ich etwa noch sechs englische Meilen zu marschiren und wanderte frisch darauf los, um den alten Jäger so bald wie möglich kennen zu lernen, als ich einen Mann auf der Straße überholte, der sich ganz gemüthlich dicht am Wege seiner weißen leinenen Beinkleider entledigt hatte, trotz dem unfreundlich kalten Wetter ziemlich behaglich auf einem umgehauenen Baumstamm saß und die etwas sehr zerrissenen flickte. — Sonst trug er einen blau wollenen Frack, ein weißes Hemd und ein Paar grobe rindslederne Schuh, welche drei letzteren Kleidungsstücke, als ich zu ihm trat, seinen ganzen Anzug ausmachten; neben ihm aber stand ein alter, recht ungesetzlich außer Façon gedrückter Filzhut, und an einem Baume lehnte eine lange Büchse — (ohne die selten oder nie ein Landmann ausgeht) mit einer kleinen ledernen Kugeltasche und einem in ein buntes Taschentuch eingebundenen Päckchen.

Der Anblick war so komisch, daß ich unwillkürlich stehen blieb und ihm freundlich guten Tag bot; er dankte, schien sich aber sonst nicht weiter um mich zu kümmern, sondern steckte seine Nadel und Zwirn, da er seine Arbeit gerade beendigt hatte, in die Kugeltasche, zog das ausgebesserte Kleidungsstück wieder an, hing sich die Tasche um, setzte den alten Filz, der ihm ein merkwürdig antikes Aussehen gab, auf, nahm das Bündel in die linke Hand und dann den Büchsenlauf mit der rechten ergreifend, warf er sich diese, den Kolben nach hinten, über die rechte Schulter, indem er zu mir sagte: »Nun, Fremder, wenn Ihr mit wollt, so kommt!«

Es lag etwas so ernst Drolliges in seinem Wesen, das mich unwillkürlich anzog, und wir plauderten, neben einander herschlendernd, über vielerlei. Endlich erreichten wir den Fluß; mein Begleiter reichte mir die Hand und wollte sich verabschieden, ich bat ihn aber, mir zuerst den Weg nach des alten Coltert Haus zu zeigen, weil ich diesen aufzusuchen wünschte.

»Kennt Ihr den alten Coltert?« fragte er mich und wechselte mit der Büchse auf die andere Schulter.

»Nein, ich kenne ihn nicht, wünschte ihn aber kennen zu lernen!«

»Nun,« sagte er, »wenns weiter nichts ist, das Vergnügen habt Ihr die letzten zwei Stunden gehabt!«

Ich staunte nicht wenig, unter dem alten Filz und in dem hellblauen, wollenen Frack meinen Bärenjäger zu finden, der noch dazu so ächt waidmännisch die Büchse, Kolben nach hinten, trug, folgte aber nichtsdestoweniger seiner freundlichen Einladung, die Nacht bei ihm zuzubringen, und wurde für den kleinen Umweg reichlich durch einige der delikatesten Bärenrippen und viele romantische Erzählungen aus dem thatenreichen Leben des Alten belohnt. In mancher Hinsicht sehr befriedigt verließ ich ihn am andern Morgen. — Hatte mir einen amerikanischen Jäger aber doch anders gedacht.

Die Erzählungen des Alten hatten aber die Jagdlust um so mächtiger in mir aufgeregt und ich beschloß, was ich auch später redlich gehalten habe, Arkansas nach allen Richtungen zu durchstreifen und die Bärenhetzen, von denen ich ihn jetzt nur reden gehört, selber mitzumachen.

Der Bär gehört unstreitig zur edelsten und dabei auch einträglichsten Jagd Amerika's, und ist der Kampf mit ihm auch manchmal gefährlich, nun so verleiht das der Sache ja auch wieder ein so viel frischeres, gewaltigeres Interesse; denn das arme Wild zu erlegen, welches sich nicht widersetzen kann, selbst wenn es wollte, und nur in der Flucht sein Heil suchen muß, nun ja, es ist auch schön und der den Männern angeborene Zerstörungsgeist macht es schon anziehend für uns; mir fehlte aber immer etwas bei jener Jagd, es kam mir stets vor, als ob es doch nicht das Rechte sei, nach dem ich mich gesehnt hätte, bis ich das erste Mal »Fuß an Fuß« mit einem der alten, schwarzen Burschen stand, und nun auch wußte, ich trüge das große Messer nicht blos zum Staate an der Seite.