Die Bären fangen übrigens schon an in den vereinigten Staaten sehr selten zu werden, nur noch in den unermeßlichen Sümpfen des Mississippi- und Arkansas-Thales und den steilen, an vielen Stellen fast unzugänglichen Ozark-Gebirgen finden sie sich und werden mit einigem Erfolg von den Weißen, und an dem letzteren Orte auch theilweise von Indianern gejagt; jedes Jahr vermindert sich aber ihre Anzahl bedeutend und die Zeit ist nicht mehr fern, wo eine Bärenfährte in Arkansas eine Seltenheit sein wird.
Die Bärenjagd selber wird in jenen Gegenden auf drei verschiedene Arten betrieben:
Erstens durch Pürschen,
Zweitens durch Hetzen mit guten, darin geübten
Hunden, und
Drittens durch das Aufsuchen der Stellen,
in welchen er seinen Winterschlaf hält.
Das Pürschen, so interessant es an und für sich ist, kann übrigens nur im Spätsommer und Herbst geschehen, in welchen Jahreszeiten der Bär seine Nahrung in den Früchten des Waldes sucht und sorglos dabei umhertrollt. In bergigen Gegenden, wo viele Heidelbeeren wachsen, geht daher die Suche schon im Juli an, da er bis Ende August von diesen lebt; dann jedoch, sobald die Eicheln der Weißeiche reifen, aber noch nicht abfallen, ersteigt er diese und bricht oft ziemlich starke Äste herunter, um von ihnen seine Lieblingsnahrung abzulesen. Sind viele Bären in einer Gegend, so ist die Jagd in dieser Jahreszeit sehr interessant, weil man den Bären, sobald er erst einmal anfängt, Zweige niederzubrechen, eine lange Strecke weit hören und sehr leicht an ihn heranschleichen kann. Wo sie aber nur selten angetroffen werden, wäre es freilich ein undankbares Geschäft, nach den wenigen im Walde herumzusuchen; dazu ist die Hetze und mit einer tüchtigen Meute Hunde, sicherer Büchse und breitem, kurzem Stahl an der Seite, auf einem guten, zähen Poney, in gestrecktem Galopp durch den Wald und Sumpf, hinter den klaffenden, heulenden Hunden her, das ist die Jagd, wo einem das Herz warm wird und kühner und freudiger in der Brust klopft. Stellt sich dann der Bär, — denn nicht immer sucht er auf einem Baum den Feinden zu entgehen, — und tritt ihm der Jäger mit dem Messer in der Faust entgegen, so wird es doch auch eine Jagd, die Ehre bringt und die einen Mann, keinen bloßen Sonntagsjäger erfordert; das Gefühl, mit dem man nachher den schweißbefleckten Stahl in die Scheide zurückstößt, wiegt alle anderen Jagden auf. Die letzte Bärenhetze machte ich in Amerika im Sommer mit.
Wir hatten keinen großen Nutzen von der Bestie; sie war aber zu lüstern nach »ihres Nächsten Schweinen« geworden, die sie den in Unmasse im Walde wachsenden Heidelbeeren vorzog, und mußte daher aus dem Walde geschafft werden. Übrigens zogen wir damals nicht mit der Idee einer Bärenjagd aus, sondern wollten blos ein Paar Hirsche schießen, um das Gehirn derselben zum Gerben einiger Wilddecken zu erhalten (die indianische Art Hirschhäute zu gerben, geschieht nur mit dem Gehirn des Hirsches selbst und später durch Rauch), als wir, von einem alten Jagdgenossen, der seine und meines Begleiters Hunde mitgebracht hatte, überholt wurden. Drei alte Sauen, erzählte dieser, seien ihm in wenigen Nächten weggeholt, und er dürstete nach Rache, die ihm denn auch im reichlichsten Maße wurde. Es war jedoch ziemlich trocken und dürr, und die Hunde, obgleich mit dem rühmlichsten Eifer suchend, konnten in langer Zeit keine frische Fährte finden; wir hatten sie aber in dem dichten Unterholz bald aus den Augen verloren und ritten lachend und erzählend über die Berge; plötzlich riß der Alte sein Pferd zurück und horchte, sich hoch im Sattel aufrichtend, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Ein kurzes, dumpfes Geheul ließ sich hören — »das war Muse,« rief er — ein scharfes, kurzes Bellen folgte »das ist Watch.« — Gleich darauf schlugen zwei der Lieblingshunde zu gleicher Zeit an. Jetzt aber schwenkte der Alte den Hut — »sie haben ihn,« jubelte er, und dem Pferde den einen Sporn in die Seite drückend, flog er dem Anschlagen der Hunde zu.
Ich ließ ihn nicht die Büsche für mich theilen, sondern brach mit Hozart an seiner Seite ins Dickicht; gleich darauf schlug auch die ganze Meute — etwa 15 Hunde, an, daß der Wald widerhallte. Wir ließen unsere Stimmen lustig drein schallen, und wie die wilde Jagd gings durch Dorn und Schlingpflanze, über umgestürzte Stämme und losgerissene Steinmassen fort dem Schalle nach, der in Schlucht und Thal das Echo erweckte.
Der Bär sah übrigens bald ein, daß er im offenen Wald der verfolgenden Meute nicht entgehen konnte, und eilte einem alten Hurricane[2] zu, wo die Eichen und Fichten wie Kraut und Rüben durch einander lagen und die Dornen und Schlingpflanzen und später aufgeschossener Nachwuchs die Zwischenräume ausgefüllt hatten. Die Jagd wurde toller und toller; die Pferde, die Begeisterung der Reiter theilend, setzten in fast unglaublicher Anstrengung über alte Baumstämme und durch Dickichte, die im ersten Augenblick fast undurchdringlich schienen.
Im Anfang waren wir drei Reiter beisammen geblieben; der fürchterlich verwachsene Wald aber hatte später Jeden den besten Durchweg allein suchen lassen, und bald konnte ich nichts mehr von den beiden Anderen hören noch sehen, sondern vermuthete nur, daß sie, um dem Bären den Weg abzuschneiden, vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen hätten; eine plötzliche Wendung des verfolgten Thieres drehte jedoch die Hetze plötzlich nach meiner Seite; kleffend und jauchzend stellte ihn in einem entsetzlichen Dickicht die Meute, und durch eine dichte Brombeerhecke setzend, die das letzte von mir abstreifte, was nicht niet- und nagelfest war, fand ich mich in Schußnähe des Kampfes. Augenblicklich aber warf ich mich vom Pferd und sprang der Wahlstatt zu, wo ein ungeheuerer Bär sich mit der größten Kaltblütigkeit und Tapferkeit gegen eilf der besten Hunde, die je einer Fährte in Arkansas folgten, vertheidigte; mein Anblick brachte ihn jedoch außer Fassung und er wollte Fersengeld geben, die Hunde waren ihm aber zu nahe auf dem Pelz, und vergebens sah er seine Bemühungen, einen Rückzug zu bewerkstelligen.
Ich hatte mich indessen immer noch gefürchtet zu schießen, da zu viele Gefahr war, einen der Hunde mit zu treffen; als ich jedoch noch unschlüssig halb im Anschlag da stand, krachte des Alten wohlbekannte Büchse und, für einen Augenblick wenigstens, schien der Bär die ihn umtobenden Hunde ganz vergessen zu haben, denn stöhnend warf er sich zu Boden und lag im Nu von jenen bedeckt; doch nicht lange verharrte er in dieser Lage, sondern sprang, mit jeder seiner gewaltigen Branten einen der Rüden von sich stoßend, wieder in die Höhe.
Als er stürzte, war mirs klar geworden, daß, im Fall ich noch die mindeste Lust hätte am Gefechte Theil zu nehmen, dies wohl der einzige Zeitpunkt wäre, in dem ich nützlich sein könnte, und das Messer aus der Scheide reißend, sprang ich auf den Gestürzten zu, ihm die Klinge durchs Herz zu jagen. Ich war aber kaum noch zehn Schritte von ihm entfernt, als er sich, wie schon gesagt, mit einer gewaltigen Kraftanstrengung befreite, und das erste, was ihm in dieser gerade nicht liebenswürdigen Situation in die Augen fiel, war meine werthe Person, mit bloßem Messer und allen Zeichen einer böslichen Absicht auf ihn zuspringend. Er kam mir auf halbem Wege entgegen, und ich mag gerade kein ganz freundliches Gesicht geschnitten haben; das weiß ich nur, wie mir der Gedanke durch's Hirn fuhr, ich hätte mich schon in viel behaglicheren Situationen befunden. Aus dem einfachen Grunde jedoch hielt ich Stand, weil ich im ersten Augenblick wirklich gar nichts andres zu thun wußte und begegnete dem Anlauf des Bären, indem ich ihm mit aller Gewalt mein breites Messer in die Brust stieß.