Was weiter geschah, kann ich nicht mehr genau sagen; ein schwerer Schlag, der mich zurückwarf, ein dumpfes, schmerzhaftes Gefühl, ein bekanntes Gesicht, das ich erblickte, ehe ich stürzte, und ein erstickendes Gewicht, das auf mir lag, ist Alles, dessen ich mich noch entsinne.

Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich, wie mir der Alte einen Hut voll Wasser nach dem andern und zwar mit einem Eifer ins Gesicht goß, der bei einer Feuersbrunst äußerst lobenswerth gewesen wäre. Ich erholte mich jedoch bald und fand, mich aufrichtend, daß ich den erlegten Bären zum Kopfkissen hatte. Als dieser auf mich los stürmte, war der Alte glücklicher Weise dicht dabei gewesen, und die Hunde konnten zwar nicht verhüten, daß mich jener zurückwarf, sich aber in grenzenloser Wuth auf ihn stürzend, überwältigten sie bald den schwer Verwundeten, meines Alten Stahl dabei nicht zu vergessen, der die Haut mehr einem Sieb als etwas anderem ähnlich machte.

Es ist übrigens nicht immer der Fall, daß der Bär sich, auf das Äußerste getrieben, den Hunden auf ebener Erde stellt; gewöhnlich erklettert er, mit ausgezeichneter Gewandtheit, im Fall ihm nicht eine Vorderbrante zerschossen ist, wie ich das auch ein Mal gesehen habe, einen Baum, und kann dann mit geringer Gefahr herunter geschossen werden; einen gehörigen Schlag aber thut's, wenn solch ein alter Bursche von zwei bis dreihundert Pfund, achtzig oder hundert Fuß hoch hernieder und zu Boden schmettert, und es ist schon oft der Fall vorgekommen, daß er im Sturz einige, der ihn unten zu eifrig erwartenden Hunde erschlagen hat. Steht er auf ebener Erde, so wirft er sich gewöhnlich, gleich nach empfangener Kugel, zu Boden und ächzt und stöhnt wie ein Mensch; decken ihn aber dann die Hunde, so versucht er nicht sie einzeln zurückzuschlagen, sondern er stemmt wie in diesem letzten Falle erst seine Branten so gegen sie, daß er sich mit einem gewaltsamen Ruck befreien kann, und wehe dann dem Jäger, der ihm in diesem Augenblick zu nahe ist! — ohne des Alten Hülfe wäre auch ich rettungslos verloren gewesen.

Hat der Bär einen Baum erstiegen und sich oben festgestellt, so können ihn die Hunde nicht wieder hinunter scheuchen; der Anblick eines Menschen aber macht ihn unruhig und versagt das Gewehr, so kommt er gewöhnlich mitten zwischen die Meute hineingefahren und versucht aufs Neue zu fliehen, doch ist das nicht stets der Fall.

Äußerst interessant ist der Pürschgang auf Bären, wenn man unbeachtet an einen derselben herankommen kann. Anscheinend sorglos trollt der schwarze Geselle durch den Wald, und wer ihn so sieht, mit den plumpen, ungeschlachten Knochen, den Kopf unten, fast auf dem Boden, nachlässig, scheinbar auch nicht das Mindeste um sich her beachtend, ahnt wohl kaum, daß eben dieses anscheinend plumpe Geschöpf schneller als ein Pferd laufen und fast so behende als eine Katze klettern kann; in seinen Branten hat der Bär übrigens die meiste Gewalt, und selten benutzt er seine Gefänge, denn ein Schlag mit der Vorderbrante ist hinreichend einen Hund zu tödten und selbst einen Stier zu betäuben.

So fürchterlich er aber, wenn zum Äußersten getrieben, ist, so harmlos und unschädlich zeigt er sich auch, wenn nicht belästigt — man hat noch nie gehört, daß ein Bär einen Menschen aus freien Stücken angefallen habe, ausgenommen es war eine Bärin, die ihre Jungen vertheidigte. Auch der Schaden, den er dem Landmann thut, wäre nicht so bedeutend, wenn er nicht im Sommer, wo noch keine Beeren im Walde stehen und die Eicheln noch nicht reif sind, sich an die zahmen Schweine hielte; hat er aber erst einmal den Geschmack von diesen weg bekommen, dann thut er auch ungeheueren Schaden, weil er nur gezwungen Aas frißt und sich, wenn er's irgend haben kann, jede Nacht ein frisches Schwein holt. In diesem Fall muß er gejagt und erlegt, oder wenigstens aus der Gegend vertrieben werden, denn nicht immer können die Hunde im Sommer einen mageren Bären einholen, der ihnen oft im offenen Walde durch seine Schnelle entgeht. —

Der Bär hält aber, wie der Dachs, seinen Winterschlaf, liegt mehre Monat fest in seinem gewählten Lager, wo er sogar schwer zu erwecken ist; in dieser Zeit wäre dann Pürschjagd wie Hetze vergebens.

Die Schlafzeit dauert in Arkansas, wo das Klima ziemlich mild ist, von Weihnachten bis Ende Februar; während dieser ganzen Zeit frißt er weder noch säuft er, und in dieser Zeit ist sein Magen inwendig mit einer reinen, öligen Fettigkeit überzogen. Anfang März aber fängt er zuerst an, den nächsten Bach aufzusuchen, um seinen Durst zu löschen und kehrt dann immer wieder in das Lager zurück. Sonderbarer Weise tritt er hierbei stets, so oft er auch gehen mag, in seine zuerst gemachten Fährten, die dann zuletzt breit und deutlich ausgetreten und stepping path oder Schrittpfad von den Jägern genannt werden. Finden diese in eben der Jahreszeit eine solche Fährte, so ist der Bär selten weit entfernt.

Sein Bett wählt er aber sehr verschieden; zeigt sich der Winter streng, so sucht er in gebirgigem Lande eine Höhle, in sumpfigem einen hohlen Baum aus, um dort vor der Kälte geschützt zu sein; dabei kratzt und scheuert er mit merkwürdiger Sorgsamkeit den letzteren inwendig so glatt und rein, wie es ihm mit seinen gewaltigen Branten, die hierzu gerade kein schlechtes Handwerkzeug sind, nur irgend möglich ist. Hat er endlich Alles in Stand, so steigt er langsam und besonnen, daß man kaum die Spur seiner scharfen Krallen in der rauhen Rinde bemerken kann, hinauf und dann durch die Öffnung, mit dem Hintertheil zuerst, in sein vorher bereitetes Lager hinab, wo das faule Holz, das er an den Seitenwänden herunter gekratzt hat, gewöhnlich ein sehr weiches Bett bildet. Anders ist es, wenn er von den Hunden verfolgt, einen Baum ersteigt, und im Hinaufspringen, von den stärksten, härtesten Eichen ordentliche Stücke Rinde herunterschlägt.

Ist der Winter gelind, so nimmt er sich all' diese Mühe nicht einmal, sondern geht entweder im sumpfigem Lande in einen Schilfbruch, wo er von dem hohen, grünen Schilf so viel abreißt, als er zu einem bequemen Lager nöthig zu haben glaubt, das er sich dann auch in einer der unzugänglichen Gegenden des Bruches zurecht macht, oder er sucht in bergigem Lande ein unwegsames Dickicht und bettet sich hier, auf einer Streu von zusammengetragenen zarten Zweigen, in den Wipfel irgend eines umgestürzten Baumes.