Hat der Bär in einem Baum seine Zuflucht gekommen und wird er vom Jäger aufgefunden, was dieser aus den freilich nicht sehr deutlichen Zeichen in der Rinde erkennen muß, so ist sein Loos allerdings kein sehr beneidenswerthes. Entweder wird der Baum umgehauen und Petz auf diese Art in seiner besten Ruhe gestört und durch den Sturz betäubt, wenn er endlich schlaftrunken emportaumelt, von dem ihn Erwartenden mit einer Kugel und von einer Meute Hunde empfangen, von denen er sich gewöhnlich gar keine Idee machen kann, wie sie alle da so geschwind hingekommen sind; oder er wird mit Rauch von unten heraus getrieben, was ihm höchst fatal ist, so daß er gewöhnlich brummend seinen bisherigen Ruheort verlassen will, bis ihn auch hier, sobald er sich oben an der Öffnung zeigt, eine todtbringende Kugel empfängt. —
Am schnellsten und komischesten ist das Heraustreiben desselben mit einem Feuerbrand; denn wenn die Höhlung des Baumes nicht bis an die Wurzel geht, daß also der Rauch auch nicht zu dem Schlafenden hinauf dringen kann, so muß, im Fall die Jäger keine Axt mit haben und der Baum zu stark ist, um ihn mit den kleineren Tomahawks umzuhacken, Einer von diesen mit einem Feuerbrand hinauf klettern, den er dann oben in die Höhlung und dadurch gewöhnlich dem Bären auf den Pelz wirft; kaum spürt Petz aber die Glut, als er voller Entsetzen in die Höhe fährt und oft den Erdboden viel früher als der gewiß nicht zögernde Jäger erreicht.
Daß er sich von dem Baum herunter stürzt, ist eine Fabel; er behält diesen zwischen den Branten und gleitet gewissermaßen daran nieder, aber so schnell, daß er kaum den Stamm zu berühren scheint, und wie ein schwarzer Blitzstrahl zwischen die ihn unten erwartenden Hunde hineinfährt; thun diese dann aber nur im mindesten ihre Schuldigkeit, so darf er nicht entkommen, denn, noch halb im Schlafe, hat er weder sein volles Bewußtsein noch seine vollen Kräfte, und wird leicht von ihnen gestellt und dem herbeieilenden Jäger zur Beute.
Ist der Bär in jagdbarer Zeit, um Nutzen von ihm zu ziehen und nicht des Schadens wegen, den er thut, erlegt, so wird er gleich an Ort und Stelle abgestreift, abfließt und dann zerlegt. Das »Abfließen« nennt man das Ablösen des Fließes (der Speckseiten), die dann in das Innere des Felles eingeschlagen und auf eins der Pferde befestigt werden; das Wildpret wird nachher ebenfalls zusammen gebunden und, auf dem Rücken der Lastthiere hängend, mit fortgenommen. Sind aber die Jäger in einem größeren Lager und haben sie einen Kessel zum Fettauslassen mitgenommen, dann wird diese Arbeit gleich im Walde vorgenommen und das ausgeschmolzene Wildpret bekommen nachher die Hunde, die besseren Stücken behalten natürlich die Jäger zu ihren eigenen Mahlzeiten. Das Beste am Bären sind die Federn,[4] und eine recht fette Wand, auf zwei Hölzern am Feuer geröstet; das herunter träufelnde Fett nachher mit dem trockenen Bruststück des Truthahns aufgefangen und das Ganze mit einem heißen Becher starken Kaffees hinunter gespült — beim Schreiben läuft mir schon, bei der bloßen Erinnerung, das Wasser im Munde zusammen.
Das sind übrigens die Lichtseiten der Bärenjagd — die Schattenseiten aber schauen viel düsterer d'rein. — Wochenlang in Sturm und Regen den Wald durchzogen, Jäger und Hunde halb verhungert — (denn ist man einmal ausgegangen, um Bären zu schießen, so läßt man sich nicht gern mit geringerem Wild ein.) — Alle zu Tode erschöpft und immer noch keine warme Fährte — endlich werden die Hunde lebendig, sie wittern den Feind, sie wissen, daß ihrer, mit dessen Erlegung, Ruhe und Stärkung wartet; sie strengen ihre letzten Kräfte an und fort geht die Jagd, über Stock und Stein — sie überholen ihn, werfen sich in blinder Wuth auf ihn — aber der Jäger hat durch die Dickichte oder steilen Schluchten nicht so schnell mit seinem Pferde folgen können; der Bär, ein alter erfahrener Bursche, — nicht gerade mager, aber doch nur feist genug, um tüchtig laufen zu können, schlägt die Hunde zurück, tödtet drei oder vier, verkrüppelt andere und ist, wenn trübe Dämmerung den rasch nahenden Abend verkündet, fern von aller Gefahr und von der für ihn sorgsam aufgesparten Kugel unerreicht, — das sind Schatten-, das sind Nachtseiten, die leider nur zu oft vorkommen. Am Lagerfeuer herrscht dann sehr üble Laune, und den nächsten Tag ist der Jäger äußerst zufrieden, wenn er nur noch so glücklich ist, einen Hirsch zu erlegen, um mit seinen übrigen Hunden, wieder eine Mahlzeit halten zu können. —
Der Bär, obgleich zu den Raubthieren gehörig, nährt sich doch nur, ausgenommen im äußersten Nothfall, von Früchten und Insekten, und greift nur im Sommer, wo er seine Nahrung zu sparsam zusammen suchen muß, Schweine und fast nur Schweine an, zwischen denen er dann freilich oft recht arge Verwüstung anrichtet. Hauptsächlich lebt er von Eicheln, anderen Waldfrüchten und Beeren, und wird in fruchtbaren Jahren oft so feist, daß er fünf bis sechs Zoll Feist ansetzt. Ein ordentliches Bärenmesser darf daher auch eigentlich nicht weniger als 9 Zoll in der Klinge haben, wenn es in allen Fällen gerecht sein soll.
Zu dem jagdbaren Wilde Nordamerika's gehören auch einige Raubthiere, die eine zu wichtige Rolle im Walde spielen, um ganz unerwähnt zu bleiben.
Der Panther muß mit Recht an die Spitze kommen, denn er ist der stärkste und gefährlichste Gegner des Menschen, und auch wohl das einzige Raubthier in dem weiten Urwald, das der Jäger zu fürchten hat, da es Nachts die Lager umschleicht und in manchen, aber doch sehr seltenen Fällen schon dem sorglos Schlummernden gefährlich geworden ist. Heerden und Schweine und Kälber, Fohlen, und selbst erwachsene Pferde fallen seinem Blutdurst. Hauptsächlich nährt er sich jedoch von Hirschen und kleinerem Wild, beschleicht Nachts die Salzlecken oder lauert, im Laub der Bäume versteckt, auf die ruhig darunter hin Äsenden. Von den Hunden gehetzt, bäumt er am Tage sehr leicht auf, Abends und Nachts aber verläßt er sich lieber auf seine Gewandheit und List, bringt die Hunde durch falsche Sprünge von der Fährte ab und entgeht ihnen meistens.
Er wird etwa so groß wie ein tüchtiger Fleischerhund, ist ziemlich von der Farbe des Rothwildes und färbt, wie dieses, im Winter; sein Fell hat keinen großen Werth und die Jagd auf ihn wird daher auch nicht, wenn er sich nur irgend entfernt von den Ansiedelungen hält, besonders lebhaft betrieben. Sonderbar ist es, wird aber allgemein behauptet, daß er, so scheu er auch am Tage den Menschen flieht, mit wilder Blutgier schwangere Frauen anfalle und zerreiße.
Der Wolf steht dem europäischen an Größe bedeutend nach, lebt aber wie dieser in Rudeln zusammen und geht gemeinschaftlich auf Raub aus; doch nur fürchterlicher Hunger könnte ihn dazu zwingen, einen Menschen anzugreifen, denn er ist feig und flieht bei dem leisesten Geräusch. Im Mai wirft die Wölfin 3-6 Junge, unter denen, wie die Sage geht, jedesmal ein Wolfshund sein soll, der später der grimmigste Feind der Wölfe wird. — Diesen nun aufzufinden, führt die Wölfin die Jungen, sobald sie laufen können, an ein Wasser, um sie zu tränken. Hier verräth sich der Wolfshund, der nach Hundeart leckt, während die wirklichen, ächten und treuen Wölfe saufen, und augenblicklich wird der junge, bis dato noch unschuldige Verräther, zu Tode gebissen.