Nicht so schlau als der unsere, fängt man ihn häufig in Fallen, die gemeiniglich aus einem, aus schweren rohen Baumstämmen zusammengefügten Kasten bestehen, in dem zuerst, ehe er ganz beendigt ist, das Gescheide eines Hirsches oder anbrüchiges Fleisch geworfen wird, das er sich gemeiniglich bald holt, dann auch später den aufgerichteten Deckel nicht scheut und sich plötzlich gefangen sieht. Da er, in Fuchsfallen oder Ottereisen erhascht, gewöhnlich den fest gehaltenen Lauf abbeißt, so läßt der amerikanische Jäger die Falle unbefestigt stehen, hat aber eine drei bis vier Fuß lange, schwache Kette daran, an der ein vierhakiges Eisen hängt; dieses faßt überall, wenn der Wolf mit der Falle zu entfliehen sucht, hinter Büsche und Wurzeln, wird aber stets wieder von dem darin Sitzenden losgemacht, der sogar schon den Haken in's Gesänge genommen und zu entziehen versucht hat; aber nie greift er zum äußersten Mittel, sich den Lauf abzubeißen, so lange er noch eine Hoffnung auf Entkommen hat und wird nachher leicht mit dem Hunde ausgemacht.

In Canada hörte ich von sehr vielen Farmern, daß sein Biß, selbst bei einer leichten Verwundung, tödtlich sein solle; das ist aber wohl nur Fabel. Thatsache ist es übrigens, daß Jahre vergingen, ehe sich die Wölfe an die dortigen Landgüter hinanwagten, als zuerst auf ihnen — Schafe aus Europa eingeführt wurden. — Sie kannten die rauhen wolligen Thiere nicht und fürchteten sie ungemein — wie sie aber erst einmal, durch Zufall oder peinlichen Hunger getrieben, den Geschmack derselben weg bekamen und sie als harmlose, nicht gefährliche Geschöpfe kennen lernten, räumten sie fürchterlich zwischen ihnen auf. In seiner Naturgeschichte ähnelt er sonst den europäischen Wolfe in allen Stücken, nur ist er bedeutend kleiner und schwächer als dieser. —

Der graue oder Prairiewolf ist eine Abart, sieht hellgrau aus, ist noch kleiner und furchtsamer als der schwarze, und lebt meistentheils in den Steppen.

Der Fuchs. Es wäre nicht halbrecht, Reinecken auszulassen, wo von Wild die Rede ist, obgleich er in Amerika eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Erstlich ist er bedeutend kleiner als der unsere, giebt ihm aber wohl kaum an Schlauheit nach und weiß tausend Mittel und Wege, die Hunde von seiner Spur abzubringen. Eine Eigenthümlichkeit hat er übrigens vor dem europäischen voraus — er bäumt auf, was fast unglaublich klingt; ich selbst wollte aber auch meinen Augen nicht trauen, als ich zum ersten Male den Hunden zueilte, deren wildes Bellen und Klaffen zeigte, daß sie ihn gestellt oder, wie ich damals glaubte, in seinen Bau gejagt hatten; ich wußte jedoch wahrlich kaum, was ich sagen sollte, als ich den rothen Schelm ganz gemüthlich in einem jungen Baum, etwa 12 Fuß von der Erde, erblickte, wo er sich in die ersten auszweigenden Äste eingeklemmt hatte und, vor den Hunden wenigstens, geschützt war; er schnitt aber ein Gesicht wie eine Katze, die beim Milchnaschen ertappt wird, als er mich kommen sah, denn an Fliehen war nicht mehr zu denken, da zwölf rüstige Hunde den kleinen Baum umtobten.

In Amerika bäumt übrigens fast alles Wild auf, Büffel, Hirsche und Wölfe ausgenommen; selbst die Kaninchen kriechen wenigstens inwendig in hohlen Bäumen hinauf und die Rebhühner, vom Hunde verfolgt, fallen fast stets in die Bäume ein; es ist einmal die Natur des Wildes dort, in dem ungeheueren Wald auch die Bäume zum Zufluchtsort zu wählen. Der Fuchs lebt übrigens in hohlen Bäumen, kann aber nicht etwa klettern, sondern wirft sich nur, in äußerster Noth mit Springen und Anklammern, zwischen die niederen Äste eines jungen Stammes und bleibt da eingeklammert sitzen.

Den Schluß mögen zwei ächte Amerikaner machen, der Waschbär (racoon) und das Opossum oder die Beutelratze.

Der Waschbär, dessen Fell unter dem Namen »Schuppen« eine bedeutende Rolle auf den deutschen und russischen Märkten spielt, findet sich, besonders in den sumpfigen Thalländern des Mississippi und anderer großen Ströme, in ungeheuerer Menge, und wird dort an Ort und Stelle wenig oder gar nicht geachtet. Die Krämer bezahlen sein Fell in jener Gegend mit etwa vier guten Groschen. Der Waschbär ist übrigens an und für sich ein sehr liebes, possirliches Geschöpf, und ähnelt, obgleich er nie größer als ein starker Dachshund wird, in sehr vielen Stücken dem Bär, zu dem er auch, dem Geschlechte nach, gehört. Er lebt von Beeren, Waldfrüchten und Insekten, und liegt, wenn ruhend, in der nämlichen Stellung wie sein vierschrötigerer Vetter. Den Namen Waschbär hat er mehr von seiner Neigung zu nassen Nahrungsmitteln als wegen seiner Reinlichkeit, denn das, was die Leute bei ihm waschen nennen, ist doch nichts mehr als ein Anfeuchten seines Fraßes. Er kann leicht gezähmt und zu allen möglichen Kunststücken abgerichtet werden; sein Fleisch ist dabei delikat und hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Bärenwildpret, nur daß es nicht wie dieses, wenn es anbrüchig wird, leichenähnlich, sondern wie anderes Wildpret riecht.

Das Weibchen wirft 3-5 Junge und thut im Sommer den Maisfeldern ungeheueren Schaden, weshalb ihm auch die Landleute schon aus diesem Grunde sehr nachstellen. Sein Fell ist grau und sein buschiger Schwanz mit schwarz und gelben Ringen umzogen. Im Winter wird er mit Hunden gehetzt und zu Baume gejagt.

Das Opossum, oder die Beutelratze, steht an Größe dem Waschbären kaum nach, sieht aber ganz grau und ratzenartig aus und hat, wenn man es an einem regnerischen Tage durch den Wald trollen sieht, in der That die wirkliche Gestalt einer kolossalen Ratze, die über irgend etwas sehr erschrocken und blaß geworden ist. Besonders geben ihm der kahle, dicke Schwanz, wie die fingerartigen Krallen, ein außerordentlich widerliches Ansehen.

Äußerst komisch aber schaut es drein, wenn man ihm im Wald plötzlich begegnet und dicht zu ihm hinan geht. Zusammenfahrend legt es sich dann halb auf die Seite und ängstlich, mit weit aufgerissenem scharfen Gefänge, in die Höhe blickend, zieht es die Lefzen so weit zurück, daß es gerade so aussieht, als ob es den Störer seiner Ruhe angrinze und sich unendlich über seinen Besuch freue; es macht dann auch nicht den mindesten Versuch zu entgehen, und läßt sich nur mit einiger angewandten Vorsicht, wobei man sich besonders nicht so schnell nach ihm hinunter bücken darf, sogar hinter dem Gehör kratzen, was ich oft versucht habe, denn es hat keinesweges einen bissigen und bösartigen Charakter; schlägt man es aber mit einem Stocke, und sei es noch so leise, oder sieht es mehre Hunde (einem stellt es sich) kommen, so fällt es auf einmal um und ist anscheinend todt. Diese mögen es nachher beißen, daß ihm die Rippen krachen — der Jäger mag es in die Höhe nehmen und wieder hinwerfen — es ist todt und rührt sich nicht, und erst im wirklichen Todeszucken oder in tiefes Wasser geworfen, wo es seine Rolle vergißt und schnell zu schwimmen anfängt, zeigt es Bewegung.