Dieses kleine Thier beweist dabei, während der fürchterlichsten Qualen, die es doch nothwendiger Weise unter den wüthenden Bissen der Hunde ausstehen muß, selbst noch im Tode eine solch merkwürdige Geistesstärke, mit der es das Schlimmste erträgt und nicht zuckt, ja selbst keinen Laut von sich giebt — daß ich mich später, als ich seine Eigenthümlichkeiten recht kennen lernte, nie mehr entschließen konnte, eins umzubringen, denn unter diesen Verhältnissen erschien es mir ein wirklicher Mord. Äußerst komisch sieht es aber aus, wenn man es hinter einem Baume vor beobachtet, wie es aus seinem anscheinenden Tode wieder erwacht.

Zuerst, wenn Alles ruhig und still ist, und es sich fest überzeugt glaubt, daß sein Feind den Platz verlassen hat, öffnet es leise die kleinen Lichter und äugt — so wenig als möglich den Kopf dabei bewegend, überall umher; kann es nichts weiter erspähen, so streckt es behutsam die winzigen Lauscher vor und horcht — Alles ruhig; jetzt hebt es den Kopf, blinzt rings im Kreise umher, liegt noch ein Weilchen ganz ruhig, wo es beim geringsten Geräusch wieder in seine vorige Stellung und Leblosigkeit zurücksinkt, und richtet sich zuletzt, wenn es den Frieden völlig wieder hergestellt glaubt, auf und trollt ab.

Wird es verfolgt und kann in der Geschwindigkeit einen Baum erreichen, so bäumt es auch auf, wobei es mit ungemeiner Gewandtheit klettert, doch benutzt es, um an starken Bäumen emporzuklimmen, gewöhnlich die herunter hängenden, wilden Weinreben. Sein Fleisch, das zart und schön aussieht, wird von Vielen leidenschaftlich gegessen, die dann behaupten, es schmecke wie junge Ferkel; ich konnte aber nie meinen Ekel vor seiner häßlichen Gestalt so weit überwinden, davon zu kosten. Seine nackten Jungen trägt es, wie das Känguruh, nach der Geburt noch eine lange Zeit in einem sich unter dem Bauche befindenden Beutel umher; in den sie sich auch, wenn sie schon herumlaufen können, bei jeder nahenden Gefahr hineinflüchten.

Das ist etwa der Urwald mit seinen Bewohnern, der nun freilich noch durch unzählige kleinere Vögel belebt wird. Schaaren von Tauben und kleinen Papageien durchschwärmen die Luft, und im Herbst und Frühjahr füllen unzählige Völker von wilden Enten und Gänsen die fließenden Wasser und einsamen Waldseen des gewaltigen Reiches, deren Jagd besonders in den südlichen Staaten, in Louisiana, wo sie, aus dem hohen Norden kommend, überwintern, äußerst interessant ist.

Louisiana kann ich aber nicht erwähnen, ohne der Schnepfenjagd dabei zu gedenken, die ich dort von Anfang Februar bis Mitte März getrieben. Fast fürchte ich jedoch hier in Deutschland, wo die Schnepfe eigentlich zu den Seltenheiten gehört, keinen Glauben zu finden, wenn ich die Zahl angebe, die ich jede und jede Nacht erlegt habe; ich will aber die Sache erzählen, wie sie wirklich ist, und derjenige, welcher je die Ufer des Mississippi nach mir betritt und in dem flachen Lande, das an seinen Ufern, zwischen diesen und den weiter zurückliegenden Sümpfen liegt, jagt, wird finden, daß ich nicht übertrieben habe, denn jene Massen können nicht vernichtet werden.

Die ungeheueren Schilf- und Sumpfdickichte dienen der amerikanischen Waldschnepfe und Becassine den Tag über, zum Aufenthalt, und mit Dunkelwerden, wie bei uns, streichen sie in die offen liegenden nassen Wiesen und Baumwollenfelder. Nun könnte man sich zwar anstellen und sie auf dem Strich schießen, denn Tausende schwärmen aus den schützenden Büschen in's Freie; die Bäume sind aber dazu zu hoch und eine viel bequemere, Kraut und Blei sparende Jagd betreibt der Creole dort, zu dessen Lieblingsgerichten die Schnepfe gehört. Auf ähnliche Art habe auch ich jede Nacht — über sechs Wochen hinter einander, gejagt, wobei ich selten und nur dann, wenn das Wetter ungünstig war, nach zweistündigem Umherwandern weniger als zwölf bis achtzehn Schnepfen hatte.

Die Schnepfe wird aber hier, wie der Hirsch im Walde, bei Fackellicht geschossen. Mit eben solcher Pfanne versehen, wie ich sie für die Feuerjagd des Rothwildes beschrieben habe, betritt der Jäger Abends nach Dunkelwerden, wenn der Wind nicht zu stark bläst und der Mond nicht zu hell scheint, die feuchten Wiesen. Ein Sack mit feingespaltenem Kienholz hängt an seiner Seite oder wird besser von einem ihm dicht folgenden Begleiter nachgetragen, der dann auch das Wiederauflegen des herunter gebrannten Kiens besorgen muß, um stets eine recht helle, lebhafte Flamme zu unterhalten, und jetzt, in der rechten Hand die leichte Doppelflinte, in deren Rohren sich nur eine Viertelladung befindet, um die kleine Schnepfe (sie sind bedeutend kleiner als bei uns, den deutschen sonst aber ziemlich ähnlich) nicht zu sehr zu zerschießen, wandert der Jäger leise und höchst aufmerksam, das kurze Gras der Wiesen überschauend, an kleinen, feuchten Gräben und nassen sumpfigen Stellen entlang. Auf dreißig Schritt schon kann er, wenn er eine recht gute Flamme führt, die Schnepfe erkennen, die, entweder das Feuer gar nicht beachtend, sorglos weiter läuft und den langen Schnabel in den weichen Erdboden hineindrückt, oder mit auf den Rücken gelegtem Kopf, den Schnabel vor sich hinausstreckend, stehen bleibt und den Herankommenden ruhig erwartet.

Auf zehn bis zwölf Schritt habe ich gewöhnlich geschossen und natürlich nur selten gefehlt, was aber dennoch manchmal vorfällt, da das Feuer oft auf dem hellen Lauf, den man bei einer Schrotflinte übersehen muß, blendet, und man beim Abdrücken schon hinan zu sein glaubt, die Schnepfe aber dennoch unterschießt. Durch den Schuß oder auch durch den ihr zu nahe auf den Leib rückenden Jäger aufgescheucht, steigt sie mit schwirrendem Laute gerade in die Höhe, fällt aber auch augenblicklich in einem kleinen Bogen und fast stets noch im Bereich des Feuerscheins wieder ein, und kann schnell auf's Neue gefunden werden.

So wenig scheut sie die Flamme, daß viele Neger, deren Herr ihnen nicht erlaubt, eine Flinte zu führen, Nachts mit der Fackel und lang abgeschnittenen Zweigen hinausgehen und sie zu Boden schlagen. In der einen Ansiedelung, Pointe Coupée am Mississippi, die sich etwa zwei englische Meilen in das Land erstreckt und zwei und zwanzig englische Meilen am Fluß hindehnt, werden doch in jedem Jahre, (d. h. in den sechs Wochen, denn im Herbst läßt sie sich nicht in den Wiesen sehen) wenigstens 10,000 Schnepfen und Becassinen erlegt und theils nach New-orleans und in die kleinen Städte auf den Markt gebracht, theils selbst verzehrt. Bei dieser Nachtjagd, zwischen den zahlreichen Lagunen der Niederung umher, schoß ich denn auch sehr häufig dort eingefallene Enten, ja einmal selbst eine wilde Gans, für die ich jedoch besonders laden mußte; auch Kaninchen und Rebhühner, die man in den Baumwollenfeldern auftreibt, halten, und ich glaube gewiß, daß man eben dieselbe Jagd hier in Deutschland, wenigstens auf Enten und Hühner, betreiben könnte; denn Schnepfen sind doch dazu zu selten; — es kommt natürlich nur einmal auf einen Versuch an.

Die Bewaffnung eines Bärenjägers in Arkansas, der sich nicht fortwährend in drei und vier Meilen um sein Haus herum treibt, sondern längere Züge in die Waldung unternimmt und oft wochenlang keine Wohnung, außer der, die er sich selber aus Rindenstücken aufbaut, zu sehen bekommt, ist etwa die folgende. Eine gute einläufige Büchse und ein Bärenmesser — etwa 9 Zoll lang in der Klinge und zwei und einen halben breit, mit der gehörigen Schwere, um nicht allein kleine Lagerstangen, sondern auch beim Zerlegen des Wildes das Schloß ohne Mühe durchschlagen zu können, dazu ein kleineres, kurzes Messer (Scalpirmesser) ausschließlich für das Zerwirken und Essen bestimmt und dann ein Tomahawk (indianisches Beil) im Gürtel, um im Nothfall stärkere Bäume umhauen, Kienholz spalten und ein tüchtiges Lager bauen zu können, ist Alles, was er als Vertheidigungs- und Angriffswaffen bei sich führt; zu seiner Bequemlichkeit trägt er aber noch eine wollene Decke zusammengerollt auf dem Rücken, und einen Blechbecher an einem Henkel im Gürtel, um in diesem Abends, wenn er seine Decke aufgespannt oder ein Rindendach erbaut hat, etwas von dem gebrannten Kaffee, den er in einem ledernen Säckchen in die Decke gewickelt mit sich führt, erst mit dem Stiel seines Tomahawks im Becher zu stoßen und dann in diesem zu kochen.