Zur Wartung der Kleinen, wie zur Besorgung der Wirthschaft, lebte indessen eine entfernte Verwandte, ein armes, aber braves und auch wirklich recht hübsches Mädchen, Namens Nancy, in seinem Hause, und schon mehrmals war ihm der Gedanke durch den Kopf gefahren, dieses zu heirathen und dadurch jeder weiteren Sorge überhoben zu sein. Jeremias Curtius war aber ein Mann, der nicht blos für die Gegenwart lebte, sondern auch hinaus in die Zukunft schaute, und da glaubte er denn vernünftiger und zweckmäßiger zu handeln, wenn er sich eine Frau wähle, die ihm nicht allein sich selbst, sondern auch noch eine kleine Aussteuer zuführe, auf daß er seine irdischen Güter, wenn er auch keinen Reichthum begehrte, doch um ein Weniges vermehren könne.

»Zwar bedurfte er dessen nicht« (wie er sich selbst vor seiner Hausthür auf- und abgehend, herzählte), »er hatte, was er brauchte im Überfluß; hier stand ein recht wohnliches Blockhaus, 18 bis 20 Fuß, wasserdicht gedeckt (die nordwestliche Ecke ausgenommen, wo es hineinregnen wollte, er mochte auch thun was in seinen Kräften stand) mit einem guten Boden gelegt; daneben eine kleine Küche und ein Rauchhaus mit »Massen von Fleisch«; dabei neun Acker urbar gemachtes und eingefenztes Land, und dicht daneben noch ein kleines Eckchen für Rüben angefangen; zwei ausgezeichnet gute Pferde; sieben und dreißig Stück Rindvieh, groß und klein (und die viere eingerechnet, die ihm im vorigen Frühjahr in die Arkansas Rohrbrüche gegangen und noch nicht wieder gekommen waren); einige vierzig Schweine (oder nur neun und dreißig, wenn das seine Sau gewesen, die der Bär in letzter Nacht gefressen); eine vorzügliche Stahlmühle; vier Hemden, fünf paar Socken und drei paar Beinkleider (zwei für den Sonntag und noch ganz neu); einen Frack von Kenntucky Jeannet[5], die beste Büchse im ganzen Revier, fünf Hunde, und — die Hauptsache, einen kleinen Negerjungen von circa neun Jahren, wie hundert und fünfzig Dollar in baarem, harten Gelde — harten Gelde!«

Curtius wiederholte besonders die letzten Worte verschiedene Male »hartem Gelde — keines von Euerem lumpigen Arkansas-Papier-Geld — Arkansas-Real-Estate — 72 pro Cent Discount — Puh!«

»Aber Mr. Curtis, was haben Sie denn nur heute vor? Sie wollen wohl bei der nächsten Wahl eine Rede halten?« frug Nancy, die schon seit mehreren Minuten in der Thür gestanden und ihm leise kichernd zugeschaut hatte, wie er mit gewaltigen Schritten am Ufer des kleinen, vor seinem Hause vorbeifließenden Baches auf und abging, und lebhaft dazu mit den Händen gestikulirte.

»Hat der Braune gefressen?« frug aber Mr. Curtis dagegen, indem er stehen blieb und sich nach seiner Haushälterin umsah, ohne die lächelnde Bemerkung weiter einer Antwort zu würdigen.

»Vierzehn Kolben Mais habe ich ihm gegeben,« erwiederte Nancy, »und Bob ist bei ihm stehn geblieben, die Hühner vom Troge zu scheuchen; ich kann übrigens noch einmal hingehn und zusehn, ob er fertig ist und mehr verlangt.«

Dabei sprang sie leicht über die dem Hause als Stufen dienenden Klötze hinweg, und hüpfte mit fröhlichen Schritten dem Futterkasten zu, wo das Pferd, ein schönes, braunes Thier, die schon abgenagten Kolben, die sogenannten Kobs, zerkaute, und ungeduldig mit dem Vorderfuße den Boden scharrte.

»Nun Bill, bist du noch hungrig?« frug das Mädchen, ihm dabei freundlich den Hals klopfend, während Bill, dem die schmeichelnde Hand der Pflegerin zu behagen schien, nur stärker scharrte und mit dem schönen Kopfe auf- und niederfuhr — »nun warte — ich hole dir noch ein paar Kolben« und damit wandte sie sich dem Hause wieder zu, wobei der Braune, ihre Absicht wahrscheinlich ahnend und als Zeichen freudiger Beistimmung, hellauf wieherte.

Curtis hatte der schlanken, behenden Gestalt des hübschen Kindes mit wohlgefälligem Blicke nachgeschaut, aber ein ernstes, bedeutsames Kopfschütteln verrieth doch, daß er seine ganz absonderliche Bedenken dabei haben mußte, und auf's Neue trat er seinen, kaum unterbrochenen Spaziergang an, wiederum vor sich hinmurmelnd »einen kleinen, neunjährigen Neger und hundert fünfzig harte Dollars — harte, silberne Dollars.«

»Gieb ihm nichts mehr zu fressen, Nancy,« rief er da plötzlich, als er zum Hause aufblickte und Nancy mit dem nachträglichen und dem Braunen extra versprochenen Mais aus der Thüre treten sah — »ich will fortreiten — hol' mir einmal die Decke aus dem Rauchhaus — und reich' mir den Zügel heraus — er liegt unter meinem Bett.«