Nancy that wie ihr befohlen, und bald darauf hatte Jeremias Curtis seinem keineswegs ganz damit einverstandenen Pferde den Zügel an und den Sattel aufgelegt, schnallte sich dann einen äußerst blank gescheuerten Sporn an den linken Fuß, fuhr einige Male mit dem Ellenbogen über den etwas abgetragenen Biber, und schien bei dieser Beschäftigung wieder in tiefes, tiefes Nachdenken zu versinken. Plötzlich aber mußte ein großer Entschluß in seiner Seele gereift sein, denn mit gewaltiger Energie drückte er sich den Hut — fast etwas zu tief — in die Stirn, schwang sich in den Sattel, trabte bis vor die Hausthür, und blieb hier halten, wo er Nancy, die ihn verwundert betrachtete, genau fixirte.

»Nancy«, sagte er endlich — »ich will ausreiten.«

»Und in Ihren »Geh-zur-Kirche-Kleidern«?«

»Ja Nancy, und — wenn ich vielleicht — es könnte sein, daß ich — ich setze den Fall ich käme — nun Nancy«, brach er kurz ab, »räume das Haus hübsch auf und kehre Alles fein sauber ab; — wir — wir bekommen vielleicht — Besuch!« und dem Thiere den linken Hacken einbohrend, setzte er über den Bach, und trabte schnell die am Fluß hinaufführende Straße, am Fuß der mit Kiefern bedeckten Hügel, fort.

Nancy schaute ihm, bis er hinter den Bäumen verschwunden war, lächelnd und kopfschüttelnd nach, dann aber drehte sie sich lachend auf dem Absatz herum, und schmunzelte, in das Haus zurücktretend:

»Nun wenn der nicht Freiersgedanken im Kopfe hat, dann will ich nicht Nancy heißen. Viel Glück, Mr. Curtis, viel Glück! Neugierig bin ich aber doch, wo er hinreitet; dort oben wohnen zwar viele Mädchen, am Fluß hinauf — sollte er wohl nach Trumbells? die haben zwei Töchter — ih« — lachte sie kurz abbrechend und ihre Arbeit am Baumwollen-Spinnrad wieder beginnend — »ich werd's schon erfahren; morgen führt er ja wahrscheinlich seine Auserwählte heim.«

Jeremias Curtis ritt indessen mit leichtem, fröhlichem Herzen die Straße entlang, und stimmte endlich, in einem Ausbruch seiner nicht mehr zu bändigenden und zurückzuhaltenden Gefühle, eine weit hinausschallende Hymne an, so daß mehrere Hirsche, die friedlich an der Straße geäßt, entsetzt und mit mächtigen Sprüngen in's Dickicht flohen. Wenig aber kümmerte dies den Freiersmann; er war Einer von den Menschen, die sich Monate, Jahre lang mit einem Plan oder Entschluß herumquälen können, ohne ihn zur Reife oder Ausführung zu bringen, die aber, nur erst einmal mit sich selbst im Klaren, ruhig in die Zukunft hinaussehen und den lieben Gott für das weitere sorgen lassen.

Im besten Mannesalter, sah er — Nancy hatte ihm das selbst mehr als einmal versichert — gar nicht so übel aus; besonders wenn er Sonntags seine »reinen Sachen« angezogen. Nun wollte ihm zwar seine übergroße Bescheidenheit den Einwurf machen, daß ihn Nancy mit ein wenig zu partheiischen Augen betrachte, dann aber blickte er links am Pferd hinunter auf seine stattlichen, wohlproportionirten Gliedmassen, dann wieder rechts, nickte dazu lächelnd mit dem Kopf, murmelte »einen kleinen Neger und hundert und fünfzig Dollars in baarem, harten harten Geld,« und begann mit lauterer, stärkerer, ja recht herzfreudiger Stimme den geistlichen Gesang auf's Neue.

Mehrere Stunden mochte er also in der reinen, klaren Frühlingsluft fortgetrabt sein, als ihm aus der Ferne das helle Dach eines Blockhauses entgegenschimmerte, und er sich dem Ziele seiner Wanderung näherte; anstatt aber dem Pferde den Sporn einzudrücken, und im fröhlich kühnen Galopp vor die Thür der Auserwählten zu sprengen, ritt er langsam seitwärts vom Wege ab in das Gebüsch hinein; stieg ab und begann jetzt mit außerordentlicher Sorgfalt seine Toilette in Ordnung zu bringen.

Ein kleiner Spiegel wurde mit seinem spitzen Messer — das er in einer ledernen Scheide im Gürtel trug — an einem Baum befestigt, dann förderte er einen Kamm und eine kleine Bürste ebenfalls aus der Tiefe der fast unergründlichen Rocktasche zu Tage und striegelte und bügelte nun das widerspenstige Haupthaar sorg- und aufmerksam.