Mr. Trumbell, auf dessen Land und unfern von dessen Haus er sich jetzt befand, hatte zwei allerliebste Töchter, zwar noch ein wenig jung für einen Mann in seinem Alter, denn die älteste zählte erst achtzehn Jahr; leicht überredete er sich aber, daß sein noch so rüstiges, jugendliches Aussehen, und sein »kleiner neunjähriger Neger, wie die hundert und fünfzig Dollars« sehr zu seinen Gunsten sprechen würden, ja sprechen mußten, und mit wirklichem Wohlgefallen nahm er jetzt den Spiegel in die Hand und hielt ihn bald dicht vor die Augen, bald in etwa Armeslänge von sich entfernt, um ungefähr den Eindruck zu berechnen, den, wie er hoffte, sein erstes Erscheinen auf die Mädchen hervorbringen sollte.

Aber gar nicht mit seinen Plänen harmonirend, stahlen sich hie und da einzelne graue Haare sowohl aus dem Backenbart als auch aus den Schläfen hervor, und emsig war er eben bemüht, die unwillkommenen Boten eines ehrwürdigeren Zeitalters mit sicherer Hand und spitzen Fingern zu erfassen und herauszureißen, als plötzlich das helle Gelächter zweier silberreinen Mädchenstimmen an sein Ohr schlug, und er, entsetzt sich wendend, in die vor ausgelassener Freude funkelnden Augen eben dieser beiden Schönen blickte von denen er sich Eine zum ehelichen Gemahl ausersehen.

Hätte das ruhig neben ihm grasende Pferd ihn mit einem freundlichen »guten Morgen Mr. Curtis« angeredet, oder der Spiegel, der jetzt seiner zitternden Hand entfiel, ihm ein scheußliches Fratzengesicht gezeigt, als er hineinschaute und seine eigenen, wohlgebildeten Züge darin zu finden erwartete, oder die alte Eiche, unter der er stand, die Riesenarme über den Kopf zusammengeschlagen und sich die Wurzeln selber wie einen Zahn ausgezogen, er würde nicht so starr vor Schrecken, so völlig wie eine ungesalzene Madame Lot dagestanden haben. Nicht einmal die unbedeutendste Begrüßungsformel wollte über die Lippen, und mit weit aufgerissenen Augen und noch weiter geöffneten Lippen blieb er in der einmal eingenommenen Stellung, und blickte bald auf diese, bald auf jene Schwester.

»Aber Mr. Curtis,« begann jetzt die Älteste der Beiden, die sich zuerst wieder genug gesammelt hatte, um reden zu können, »läßt Ihnen denn Nancy zu Hause gar keine Ruhe, daß Sie soweit in den Wald hinein müssen, um Ihre Toilette zu machen?«

»Mr. Curtis will unter die Indianer gehen,« fiel die Schwester, immer noch mit vom Lachen unterbrochener Stimme ein — »er übte sich schon im Bartausraufen, und ich bin fest überzeugt, daß er in derselben Tasche, aus der er schon so viele andere Sachen hervorgeholt hat, auch noch die Kriegsfarben trägt.«

»Das ist möglich,« kicherte Lucy — »dort im Baum steckt sein Scalpirmesser.«

»Aber bester Mr. Curtis,« sagte Betsy mit scheinbarer Besorgniß, »dann müssen Sie ja auch tanzen, und da Sie doch jetzt erst zu den Methodisten — «

»Miß Lucy — Miß Betsy,« stammelte in höchster Verlegenheit der arme Curtis — »ich — ich habe einen kleinen Neger und hundert fünfzig Dollar — «

»Ah Sie werden ein Häuptling!« jubelte Betsy, »ich sehe Sie schon im Geist mit der Scalplocke und dem blutigen Tomahawk im Gürtel — buntbemalt, wehende Adlerfedern auf dem Haupte, die ausgefranzten Leggins von dem flatternden Haarschmuck der erlegten Feinde umweht — Brrrrr« fuhr sie schaudernd fort, »was Sie schon für wilde Blicke nach uns schießen;« und wiederum fingen die Mädchen an zu lachen, daß der Wald tönend das helle Echo zurückgab.

Der arme Curtis aber, die Zielscheibe dieses unerbittlichen Spottes, stand keineswegs mit wildem Blick, sondern mit höchst kläglicher, erbarmenswerther Miene da, und überlegte eben, mit welcher Wonne er in einen zwei hundert und fünfzig Fuß tiefen Brunnen oder in eine unergründliche Felsspalte hineinfahren könne, um nur hier, von dieser für ihn zum Marterpfahl gewordenen Stelle fortzukommen, denn aller Muth, auch nur eine Sylbe über die Absicht seines Besuches laut werden zu lassen, war ihm jetzt entfallen. Endlich aber faßte er sich ein Herz, hob mit einer schnellen und geschickten Bewegung den ihm vorhin entfallenen Spiegel wieder auf, ließ ihn in die Tasche gleiten, und frug jetzt, mit halb trotzigem, halb kläglichem Gesicht die Schwestern, was sie um des Himmels willen im Walde, hier an dieser einsamen Stelle allein zu thun hätten.