»Also hier kommt White River heraus, oh? und da entspringt er — und die kleinern Striche hier, und die Grasbüschel, das ist Sumpf — oh?«
»Ja — so steht's auf der Karte, und ist so nach den neuesten Vermessungen angegeben.«
»So? also das soll ich glauben, und dann ist auch da an der Buffalofork kein Berg, nicht wahr? und Mulberry mündet über Ozark in den Arkansas? und wo ist denn der Richland und der Wareagle, und wo ist der Spiritcreek und Frog-Bayou? Also jetzt soll mein Junge die Lügen lernen, und wenn er nachher hinein in den Wald kommt, dann steht er da, wird irre und verläuft sich — nein so was kann ich ihn selber lehren, da brauch' ich die Papierverderber nicht dazu.«
Der alte Jäger nahm seinen Sohn wirklich mit zu Hause, und es bedurfte der ganzen Überredung seiner Frau und Schwägerin, daß er ihm endlich wieder erlaubte hinzugehen; er legte es dem Jungen aber dringend an's Herz, »kein Wort von dem zu glauben, was ihm der Yankee vorschwatzen würde.«
Der Sonnabend ist in den Vereinigten Staaten, in den westlichen wenigstens, durchaus schulfrei. Fünf Tage wird nur gelehrt, und der Freitag Abend gewöhnlich zu Red- und Denkübungen benutzt, an denen dann nicht nur Kinder, sondern auch die Erwachsenen, ja alte Personen aus der Umgegend Theil nehmen. Es ist dieß aber in der That eine sehr gute und zweckmäßige Einrichtung, und gewöhnt nicht allein die jungen Leute daran, über ihnen vorgelegte schwierige oder verwickelte Fragen scharf nachzudenken, sondern macht sie auch zu frühen Rednern und lehrt sie die Scheu, öffentlich zu sprechen, abzulegen.
Diese Versammlungen heißen kurzweg »Debatten,« und jeder hat dazu freien Zutritt. Ich habe übrigens einen solchen Abend in meinen »Streif- und Jagdzügen« ziemlich ausführlich beschrieben, und will nur hier noch die ungefähren Gesetze und Verhältnisse derselben kurz angeben.
Zuerst werden zwei Richter gewählt, die sich gewöhnlich etwas vom Feuer zurück gerade gegen das Kamin zu setzen; dann folgt die Wahl zweier Capitäne, um die Verhandlungen zu leiten, und diese suchen sich nun unter den Anwesenden solche aus, von denen sie sich die besten Argumente versprechen; erst dieser Capitän einen, und dann der andere, bis sämmtliche Mitglieder verbraucht sind. Die zwei feindlichen Parteien nehmen jetzt die beiden Seiten des Kamins ein, und nun wird von den Richtern ein Thema oder vielmehr eine Disputation aufgegeben, über welche debattirt werden soll; verständigen sich die Capitäne, welchen Theil sie vertheidigen wollen, gut, so bedarf es weiter keiner Anordnungen; ist das aber nicht der Fall, so entscheiden die Richter diesen Punkt. Gewöhnlich wird ein Geldstück in die Höhe geworfen, um die beginnende Partei zu bestimmen, wo es denn vorher ausgemacht wird, ob Kopf oder Schrift den Ausschlag giebt.
Das Thema oder die Debatte wird sehr verschieden, manchmal ernst, am meisten aber komisch gewählt, und es kommen oft, besonders unter den Schulkindern, gar sonderbare Argumente dabei zum Vorschein. Beispielshalber will ich hier die folgenden aufführen:
»Ob Neger oder Indianer das meiste Unrecht von den Weißen erlitten haben« (ein wunderbares Capitel für einen amerikanischen Sklavenstaat, und doch kam es in Arkansas vor); »ob die katholische oder jüdische Religion die bessere sei.« (Die Richter, ein paar strenge Methodisten, wollten sich weder zu Gunsten der einen noch der andern entscheiden und erklärten einstimmig, daß alle beide nichts taugten).
»Ob die Erfindung des Pulvers oder des Papiers Amerika den meisten Nutzen gebracht haben,« (die Entscheidung fiel für das Pulver günstig aus).