»Ich kenne ihn nicht.«

»Keiner aus dieser Stadt?«

»Nein!«

»Und Ihr habt ihn früher nie gesehen?«

»Nie!«

»Aber was, um des Heilandes willen, soll Euch das nützen? wer wird Euch glauben? wie wollt Ihr den Mann zur Stelle schaffen?«

»Ich kenne seinen Aufenthalt« –

»Ihr? aber woher?«

»Ich sah ihn im Traum – doch hört mich und sagt mir nachher, was ich thun, ob ich schweigen oder dem Volk den Traum bekannt machen soll. Mir war, als ob ich langsam, mit meiner Axt auf der Schulter, durch den Wald, und zwar auf demselben Fahrweg, auf dem der Mord geschehen, hinschlenderte, als ich plötzlich um eine Ecke bog, die hier durch dichtes Gestrüpp und einige umgestürzte Fichten gebildet wurde. Was ich dort wollte, weiß ich nicht mehr, denn ich bin nie so weit mit der Axt in dem Walde gewesen, aber mir war wunderbar leicht zu Muthe und ich hätte von der Erde auffliegen und über die Baumwipfel dahinstreichen mögen. Es kommt Einem ja manchmal im Traum ein ähnliches Gefühl. Da, wie gesagt, bog ich um jenes Dickicht herum und sah ein Schauspiel vor mir, das mir das Blut in den Adern zu Eis erstarren machte. Mitten im Fahrweg lag die große, kräftige Gestalt des Kentuckiers, und über sie hingebeugt, eben wieder zu erneutem Schlage ausholend, stand ein schlanker, schmächtig gebauter Mann, mit rabenschwarzem Haar, einer breiten Binde um das linke Auge, die sein halbes Gesicht verdeckte, und einem gelben, breiträndigen Strohhut auf dem Kopfe. Er trug ebenfalls einen hellen Rock, und wenn ich nicht irre, blaue Beinkleider und Schuhe.«

»Sie erstaunen vielleicht, daß ich das Alles so deutlich und genau behalten konnte, aber als ich den Mörder gewahr wurde, stand er, wie aus Stein gehauen, mit der gehobenen Waffe über seinem Opfer, und mehrere Minuten lang verharrten wir Beide so, starr und regungslos, wie die uns umgebenden Riesenstämme des Waldes.«