Jetzt hatten sie einen Platz erreicht, auf dem ihr Feind offenbar eine Zeitlang verweilt, und seine Fährten gekreuzt haben mußte, denn heulend standen sie oft einen Augenblick still und durchsuchten dann, mit wildem Winseln hin und herspringend, desto eifriger den, von dicht herabhängenden Schlingpflanzen fast wie mit einer lebendigen Mauer umgebenen Raum, immer wieder zum Mittelpunkt zurückkehrend, um ihr Heulen und Wehklagen dort wie früher zu beginnen.

Plötzlich theilten sich die Büsche, und ein junger Mann auf einem kleinen, schwarzen, indianischen Pony setzte, mit seinem breiten Jagdmesser, das er bloß in der Hand trug, ein paar Schlingpflanzen in kräftigem Zuge durchhauend, die ihn vom Pferde zu reißen drohten, gerade zwischen die Hunde hinein, die bei seinem plötzlichen Erscheinen ihn für einen Augenblick freundlich wedelnd umgaben, und dann wieder, mit erneutem, durch die Nähe ihres Herrn belebten Eifer in ihrem Suchen fortfuhren.

»So recht, meine braven Thiere,« rief der junge Jäger, indem er sein Pferd anhielt, das Messer in die Scheide zurücksteckte und die lange Büchse, die er auf der linken Schulter trug, vor sich auf den Sattelknopf legte, »so recht, – sucht, sucht – ihr seid einmal auf der Fährte, und ich denke doch, daß wir dießmal den Ferkeldieb erwischen, der mir schon so oft entgangen ist!«

»Huhpih!« rief er, sich hoch im Sattel aufrichtend und seinen Jagdruf ausstoßend, als er sah, daß der älteste der Hunde plötzlich die wieder gefundene Fährte aufnahm und von den andern gefolgt, augenblicklich im Dickicht verschwand.

»Huhpih!« und die Büchse zurück auf die Schulter werfend, ergriff er jetzt mit der rechten den Zügel, rannte dem hochaufbäumenden Pony die Hacken in die Seite, und flog in wilden Sprüngen seinen dahineilenden Hunden nach.

Im Wege liegende Stämme, dicht verwachsenes Gebüsch, Sumpflöcher und schlammige Canäle, Nichts konnte ihrem Eifer Schranken setzen, vorwärts ging's, und schnaubend und schäumend folgte der Rappe mit seinem in freudiger Lust hochaufjauchzenden Herrn.

Da hielten die Hunde aufs Neue; dießmal hemmte aber nicht Ungewißheit über die Richtung des Weges, den der verfolgte Feind eingeschlagen haben konnte, die Wüthenden, nein, bellend und heulend sprangen sie an einer starken Eiche in die Höhe, und bissen vor Grimm in die Wurzeln und die rauhe Rinde des mächtigen Baumes, daß er ihrem Feinde Schutz verlieh, und ihn seinen Verfolgern vorenthielt.

Jetzt erschien auch der Jäger auf dem Wahlplatz, und sprang, ohne nur das Anhalten seines feurigen Thieres abzuwarten, mit einem Satz aus dem Sattel, das seiner Last enthobene Thier sich selbst überlassend; mit spähendem Blick aber untersuchte er den dichtbelaubten Baum, an dem die Hunde jetzt wieder jauchzend emporsprangen, und erkannte bald, zwischen ein paar Ästen eingeschmiegt, die Gestalt eines lebendigen Wesens, das dort sich, fest an einen der Äste angedrückt, versteckt und unbemerkt glauben mochte.

Zwar war es im Schatten des dichten Laubes ziemlich dunkel, und ein weniger geübtes Auge als das unseres jungen Waldbewohners möchte wohl lange über den Namen und die Art des Thieres, das sich so angelegentlich den Blicken der Untenstehenden zu entziehen suchte, in Ungewißheit geblieben sein; Wistons scharfer Blick erkannte aber bald in der zusammengepreßten Gestalt das Junge eines Panthers, das der lange Schweif, den es nicht ganz verbergen konnte, leicht verrieth.

Schon hob er die Büchse, um das sich sicher Glaubende aus seiner Höhe herabzuholen, und athem- und lautlos schauten die Hunde ängstlich und erwartend bald nach dem Lauf der Büchse, aus dem sie mit jedem Augenblick den Feuerstrahl herausblitzen zu sehen hofften, bald nach dem Gipfel der Eiche, in deren Laub sie ihren Feind wußten.