Mit einem leisen Schmerzensruf sank er wieder zurück, Leslie aber, der wohl ahnen mochte, was den Armen erschreckt habe, bog sich zu ihm nieder, faßte seine Hand und sagte:

»Fürchtet Nichts, Mac Ferson – wir haben Euch Alle Unrecht gethan; der, den Euch Gott im Traum gezeigt, hat das Verbrechen gestanden; Ihr könnt frei zurückkehren, ich selbst bin Euch aber nachgeritten, um Euch abzubitten, daß ich, vor allen Anderen, Euch so feindlich gesinnt war; aber seht, Hills war mein Freund, und wenn auch sonst ein etwas roher Gesell und vielleicht in manchen Stücken tadelnswerth genug, so mußt' ich mich doch seiner im Tode annehmen, da er ja sonst fast Niemanden in Seneka hatte, der seinen Mord rächen konnte. Kommt – steht auf – gebt mir Euere Hand und laßt uns Freunde sein. Ihr habt Euch doch keinen Schaden gethan?«

Mac Ferson wußte kaum, ob er seinen eigenen Ohren trauen sollte. War dies vielleicht ein Traum, der ihn befangen hielt, oder hatte er den früheren wirklich geträumt? Die durch den Sturz angegriffenen Sinne vermochten nicht gleich klar und deutlich seine jetzige Lage zu fassen, und er schloß wieder auf mehrere Sekunden die Augen, um sich erst ganz zu sammeln. Mac Ferson war übrigens nicht der Mann, einen sich ihm bietenden Vortheil leicht hintanzusetzen. Leslie wußte augenscheinlich noch nicht, daß der vermeintliche, von ihm im Traum gesehene Verbrecher sein eigenes Weib, und das ganze ein abgekarteter Plan gewesen war; dieser mußte ihn daher auch für unschuldig halten, und er beschloß nun, seine Maßregeln darnach zu ergreifen.

Er öffnete die Augen, richtete sich mit des Amerikaners Hülfe, indem er sich schwächer stellte, als er wirklich war, vom Boden auf, und ließ sich nun mit kurzen Worten erzählen, wie sie den von ihm so genau bezeichneten Fremden gefunden hätten. Ehe er sich aber noch selbst über seine eigene Flucht entschuldigen konnte, trat Leslie, der darauf weiter gar nicht einging, zu Mac Fersons Pferd und fand, daß dieses das linke Vorderbein gebrochen hatte. Jetzt war guter Rath theuer. Der Irländer erklärte, er könne keine hundert Schritte weit gehen, alle seine Glieder seien ihm wie zerschlagen, und ein Haus war ebenfalls nicht in der Nachbarschaft, wo man vielleicht ein Pferd hätte borgen können; hier blieb also keine andere Wahl, Leslie bot dem Irländer sein Pferd zum Reiten an, versicherte ihm dabei nochmals, er könne unbesorgt mit ihm zurückkehren, er würde von Allen auf das Freundlichste empfangen werden, und half ihm dann selbst in den Sattel. Ob er aber dem Erschöpften doch noch nicht so recht trauen mochte, oder ob ihm der scheue Blick mißfiel, mit dem sich dieser nach der Straße umsah, als ihm Leslie den Sattel und Zaum seines eigenen Thieres hinaufreichte, kurz, der Amerikaner nahm eine lange Leine, die er in der Tasche trug, hervor, befestigte sie in einer Schlinge um den Hals des Pferdes und trieb dieses nun langsam den Weg zurück, den er eben gekommen war.

Mac Ferson wußte aber, daß seine List jetzt entdeckt sein mußte – jeden Augenblick konnte ihnen ein neuer Bote begegnen, der den wahren Sachbestand verkündete und ihm dann jede Aussicht auf Rettung abschnitt; sein Entschluß war also auch deshalb schnell und ohne weiteres Zögern gefaßt, und eben, als sie auf die oben beschriebene Art vielleicht eine Meile zurückgelegt hatten und an eine Stelle kamen, wo der Pfad so schmal wurde, daß Leslie nicht mehr nebenher gehen konnte, sondern voraus mußte, wobei er jedoch das Seil nicht losließ, zog Mac Ferson schnell aber vorsichtig das von dem Knaben erhaltene Messer aus dem Gürtel – trennte mit raschem Schnitt die hänfene Schnur, die ihn bis jetzt noch immer zum Gefangenen gemacht, riß in demselben Augenblick den Rappen auf den Hinterfüßen herum, und ehe sich der bestürzte Amerikaner nur besinnen konnte, ob er seine Büchse gebrauchen sollte oder nicht, war der auf's Neue Befreite schon im dichten Gebüsch seinen Blicken entschwunden.

Acht Tage später erhielt Leslie, der vergebens den Räuber seines Eigenthums zu Fuß verfolgt hatte und die Fährte gegen Abend, da ein ziemlich starker Regen fiel, nicht mehr erkennen konnte, sein Pferd durch einen, etwa zwanzig Meilen von Seneka wohnenden Farmer zurück, der ihm auch zugleich einen kleinen Brief von Mac Ferson einhändigte, worin ihm dieser für die geleistete Hülfe herzlich dankte, sich aber nochmals entschuldigte, daß er zu einem frommen Betruge seine Zuflucht habe nehmen müssen.

»Da er jedoch,« so schloß er seine Zeilen, »bei weitem lieber in dem kühlen Schatten der stolzen Eichen des Westens lagere, als – mit zugeschnürter Kehle an einem Chestnutast in Pensylvanien hänge – so sei ihm das wohl nicht so sehr zu verdenken gewesen.« Über den Mord sagte er weiter Nichts. Sein wirklicher Aufenthaltsort wurde nie näher bekannt, doch hieß es allgemein und vielleicht nicht unrichtig – Mac Ferson ist nach Texas.

Eine Pantherjagd.

Heulend und bellend liefen und sprangen drei kräftige, schlankgebaute Hunde vom Geschlecht der Bracken, die Nasen im eifrigen Suchen dicht am Boden haltend, durch den dicht verwachsenen Wald, oft die Spur in den dürren Blättern verlassend und auf umgestürzten Bäumen und alten, halbverfaulten Stämmen schnoppernd, auf denen sie hinliefen und von da wieder kläffend ihre Verfolgung erneuerten; ein sicheres Zeichen, daß ihre Jagd einem wilden Thier, sei es nun Bär oder Panther, und nicht dem schnellfüßigen Hirsch galt, der sie wohl, wenn er ihre Bahn durchschnitt, auf kurze Zeit von ihrer Fährte ablocken, nie aber ganz der einmal aufgenommenen Spur untreu machen konnte.