Eine reine, klare Julisonne sandte ihre glühenden Strahlen auf die Sümpfe herab, welche die Bayou Meter am nördlichen Ufer des Arkansas umgeben. Selbst die Frösche schwiegen, wie erdrückt von der schweren Atmosphäre, und nur dann und wann unterbrach ein einzelner Ruf derselben, oder das Zwitschern eines kleinen Waldvogels, die Stille, die grabesähnlich auf der Wildniß lagerte.
Da schallte aus weiter Ferne das Geheul einer Meute Hunde herüber, schwieg wieder einen Augenblick, und erklang dann lauter und näher als vorher. Jetzt konnte man schon die verschiedenen, tieferen und höheren Töne einzelner Braken erkennen, und reißend schnell näherte sich die Jagd der noch vor wenigen Augenblicken geräuschlosen Einsamkeit. – Ein Hirsch, der, um den Fliegen und Mosquito's zu entgehen, dicht versteckt in einem kleinen Schilfdickicht gelegen hatte, sprang auf, streckte und dehnte sich, horchte einige Sekunden lang dem näher und näher kommenden Getos der Meute, und sprang dann mit langsamen aber weit gestreckten graziösen Sätzen in's Gebüsch, einen stilleren, ungestörten Platz zu seiner Ruhe zu wählen.
Jetzt schallte das Gebell klar und deutlich, wie nur wenige Schritte entfernt aus den, mit dornigen Schlingpflanzen dicht durchflochtenen und durchwachsenen Büschen; dürre Äste krachten, das trockene Laub raschelte, das ganze Gewirr von Schlinggewächsen kam in Bewegung, und heraus stürzte mit offenem, dampfenden Rachen, aus dem die rothe, lechzende Zunge hing, mit zurückgelegten Ohren, mit gesträubtem Haar, ein gewaltiger Bär, und versuchte über die kleine offene Fläche hinweg das gegenüber liegende Dickicht zu erreichen. Ihm auf den Fersen aber folgten fünf mächtige Hunde, und kaum hatte er die Hälfte der kleinen Waldprairie durchrannt, als der schnellste und kräftigste von ihnen, ein schwarz und grau gestreifter Bursche mit rothen, glühenden Augen und fürchterlichem Gebiß, an seiner Seite war und ihn faßte.
Mit Blitzesschnelle wandte sich der Bär und versuchte seinen Verfolger mit der Tatze zu erreichen und zu vernichten. Das kluge Thier aber, mit dieser Jagd vertraut und die Gefahr kennend die in der, mit furchtbarer Kraft geführten Tatze seines Feindes lag, entging durch einen gewandten Seitensprung dem wohlgeführten Schlage. Ehe aber der Bär, der sich augenblicklich wieder zur Flucht wandte, das Zurückprallen seines Feindes benutzen konnte, das schützende Waldesdunkel zu erreichen, in welchem wild über einander gestürzte Bäume der verfolgten Bestie den größten Vorsprung gegeben haben würden, überholten die vier anderen Rüden jetzt den Verfolgten und umzingelten im Nu das zur äußersten Wuth gereizte Thier. Vergebens war's, daß sich dieses zur Wehr stellte, und mit einer Gewandtheit, die Niemand dem anscheinend plumpen Geschöpfe zugetraut haben würde, nach allen Seiten hin gegen die angreifenden Hunde Front machte und sie zurückschlug; vergebens, daß schon drei der kühnsten und unvorsichtigsten ihre Kampflust mit dem Tode gebüßt, und erschlagen oder schwer verwundet am Boden zuckten; andere, die der Jagd nicht so schnell hatten folgen können, nahmen die Plätze der Getödteten ein, und griffen mit immer erneuerter Wuth den vom langen Lauf erschöpften Bären an.
Durch einige wohlgeführte und todbringende Schläge jedoch, die wieder zweien der Meute das Leben kosteten, verschaffte er sich einen Augenblick Luft und stand schnaufend, mit glühendroth unterlaufenen Augen, die weißen Zähne bis über das Zahnfleisch hinauf entblößt, einen frischen Angriff erwartend, da, während die Hunde bellend und heulend ihn umsprangen. Oft aber, indem sie schon einen raschen Anlauf versuchten, wurden sie nur durch eine schnelle zuckende Bewegung, ein Drehen des Kopfes, ein Blinzeln des Auges ihres gefürchteten Feindes zurückgescheucht, daß sie winselnd zur Seite sprangen, gleich darauf so viel eifriger ihre Angriffe zu wiederholen.
Da erscholl nahe und laut der Jagdruf ihres Herrn, des jungen Lobston. – Sie horchten; noch einmal ertönte der ermunternde Zuruf des jungen Mannes, der seinem Vater, mit dem er die Jagd begonnen, voraus geeilt war. Sobald er die Hunde hörte, trieb er sie zu neuen Anstrengungen, den Feind aufzuhalten, bis er selbst mit Kugel und Messer den Gefährlichen abfangen und das Land von ihm befreien könne. Schweren Schaden hatte der Gefräßige nämlich den Heerden der Nachbarschaft zugefügt, und mancher Hund war schon in seiner Verfolgung geopfert worden, wobei er sich bis jetzt jedesmal durch seine ungemeine Schnelle und fürchterliche Kraft den Feinden entzogen und gewisse, sichere Dickichte erreicht hatte, in die ihm weder Hund noch Pferd folgen konnte und wollte.
Dießmal schien aber sein Schicksal besiegelt zu sein, denn mit Tigerwuth und alle Gefahr verachtend, warfen sich jetzt die Hunde, von der Stimme ihres Herrn gestachelt, auf den gemeinsamen Feind. Umsonst wüthete er gegen sie mit Zahn und Tatze, umsonst erfaßte er den Lieblingshund des jungen Lobston, gerade als dieser auf dem Kampfplatz erschien, in seine tödtliche Umarmung, daß das gequälte Thier laut aufheulte und seinem Herrn, den es schon dreimal aus Todesnoth gerettet hatte, wie Hilfe rufend, entgegen schrie. Fang und Klaue verachtend, bedeckte die jetzt zu rasender Wuth gereizte Meute den Bär, daß er mit ihnen, kämpfend und um sich hauend, zu Boden stürzte.
Der junge Lobston war nahe bei dem rollenden, wogenden Knäuel, den die wüthenden Thiere bildeten, vom Pferde gesprungen, und hatte mehrere Augenblicke vergebens gesucht, dem Bären eine Kugel beizubringen. Kaum hie und da konnte er auf Augenblicke ein Stück von dessen Fell sehen, so hielten ihn die Hunde bedeckt, und die Büchse hinwerfend, das Messer herausreißend, stürzte er sich gegen den Niedergeworfenen.
In demselben Augenblicke sprang dieser, wie durch Zauberei von den Hunden befreit, die nach allen Himmelsrichtungen geschleudert von ihm weg flogen, empor, und das erste, was sich seinen vernichtenden Blicken zeigte, war sein grimmigster Feind, der mit geschwungenem Messer auf ihn zustürzen wollte.
Der Anblick des mit Schaum und Blut fast überzogenen Thieres war fürchterlich, und mit solcher schrecklichen Mordgier im Blick sprang es auf den erschrockenen Jäger zu, daß dieser, der noch nie einen gereizten Bären in seiner ganzen Furchtbarkeit geschaut hatte, sich entsetzt wandte und zu fliehen versuchte.