»Ich habe 600 Franken«, sagte Jean rasch, »und Lust genug hier für immer an Land zu bleiben, wenn nur« – er hielt inne und sah forschend nach Polly hinüber, diese aber warf ihm einen freundlichen Blick zu und Jean schien dadurch plötzlich zu einem Entschluß gekommen. – »Was wollt Ihr mit uns thun? – was könnt Ihr? – heraus mit der Sprache und haltet nicht so lange hinter dem Berge.«

»Ich?« sagte der Wirth erstaunt – gab ihm aber doch dabei ein Zeichen nicht so laut zu sprechen – »ich? was ich mit Euch will? – gar nichts. – Was kann ich mit Euch wollen. Ich frage Euch nur Euretwegen, und habe Euch schon gesagt, ich weiß gar nicht und kann nicht wissen, wie Ihr mit dem Schiff steht. So viel aber ist gewiß – jetzt wäre die Zeit hier in Sydney für einen jungen Mann sein Glück zu machen, und wer das mit Füßen von sich stößt, der hat es nachher selber zu verantworten.«

»Ja, das ist Alles recht gut, aber wie können wir vom Schiff loskommen?« sagte der eine Engländer – »und wenn wir los sind, denn das wäre noch das wenigste, wo können wir bleiben? Wir müssen erst einen Zufluchtsort hier am Ufer haben, und einen sicheren Zufluchtsort, denn sonst ist die Sache nachher verdammt Essig. Vom Schiff hat jeder von uns allerdings noch zu gut, das wißt Ihr aber selber wohl, können wir nicht bekommen, und das einzige was wir im Stande sind mitzunehmen, sind vielleicht unsere Kleider. Wer soll uns nachher aufnehmen und wer wird uns so lange Credit geben?«

»O, so viel sind unsere Kleider schon werth«, sagte ein anderer. »Wo die so lange in Versatz bleiben, können wir auch ein paar Tage essen und trinken, bis das Schiff fort ist, und mit dem hohen Lohn hier sind wir dann leicht im Stande, unsere Schulden wieder abzutragen.«

»Ich will Euch was sagen«, meinte da Mac Carther und bog sich zu ihnen über den Tisch hinüber – »wenn Ihr meinem Rathe folgen wollt, so –« In diesem Augenblicke fiel hinter dem Schenktisch ein Glas herunter und zerbrach klirrend am Boden. Mrs. Mac Carther hatte es fallen lassen. Mac Carther fuhr aber, ohne sich dadurch irre machen zu lassen, ja ohne den Kopf dorthin zurückzudrehen, ruhig und langsam fort – »so malt Ihr Euer Schiff mit einer hellen Farbe und nicht mit Schwarz. – In dem heißen Klima wohin Ihr geht zieht Schwarz die Sonne viel zu sehr an, während eine hellere Farbe das Holz ungemein conservirt.«

»Aber was zum Donnerwetter geht uns denn in diesem Augenblick die Farbe an, wo wir –«

»Nichts mit dem Bezahlen des Schiffes zu thun haben«, unterbrach Mac Carther den Engländer, indem er ihm zugleich einen warnenden Blick zuwarf – »das weiß ich wohl, ich sage nur ich thäte das, wenn ich Capitän von einem Schiff wäre, und in ein heißes Klima hinaufginge.«

Während er noch sprach, waren unsere beiden Bekannten vom Markthaus in das Zimmer, und gerade als das Glas zerbrach, dicht hinter den Wirth getreten, und ließen sich jetzt an demselben Tisch nieder, wo sie eine Flasche Porter verlangten.

Der Wirth ging hin diese zu öffnen, und das Gespräch war für den Augenblick abgebrochen. Die Matrosen merkten bald genug, daß Mac Carther seine wohlbegründete Ursache haben mußte, in Gegenwart der beiden Fremden weiter nicht über die bewußte Sache zu reden. Jean stand auf, blinzte Polly mit den Augen zu und ging hinaus an die Hofthür. Wenige Minuten später stand das wunderhübsche Mädchen an seiner Seite und legte ihre Hand in die ihr dargebotene Rechte des jungen Mannes.

»Polly«, sagte Jean, und zog die nur leise Widerstrebende fester an sich – »ich habe keine Zeit zu großen Umschweifen, ich will dich auch gar nicht mit langen Redensarten plagen. Hör mir nur wenige Secunden zu und sage dann ja oder nein.«