Ihrer Rechnung nach mußte es bald Tag werden, als der Steward in das Logis herunterkam. Er blieb erst ein paar Minuten stehen und horchte – aus allen Coyen tönte das tiefe regelmäßige Athmen fest Schlafender. Selbstzufrieden und stillvergnügt nickte er mit dem Kopf, fühlte sich dann leise, ja keinen der Leute zu stören, nach des Zimmermanns Coye hin und weckte diesen.

»Wer ist da?« rief der Zimmermann aus tiefem Schlafe auffahrend – »halt sie – da laufen sie.«

»Halt doch das Maul«, flüsterte der Steward und schüttelte ihn aus Leibeskräften, »du machst ja die ganze Mannschaft munter. – Es ist zwei Uhr, steh auf – ich bin müde wie ein Hund.«

»Ay, ay«, sagte der Zimmermann, noch immer halb im Schlaf – »ich komme gleich – wo sind denn – O ja – 's ist alles recht – ich weiß schon. – Alles in Ordnung?«

»Alles! Steh nur auf und schlaf nicht wieder ein« – antwortete ihm der Steward und wandte sich nach der Treppe zurück, stieß sich aber mit dem Schienbeine an eine dort vorgeschobene Kiste. – »Gott verdamme den Plunder!« rief er leise mit verbissenem Schmerz – »da muß ein ganzer Fetzen Haut herunter sein. – Ich wollte daß die Kerln da –«

Er brummte das andere, als er auf der endlich erreichten Treppe langsam an Deck kletterte, leise vor sich hin und verschwand gleich darauf oben.

Der Zimmermann lag noch etwa zehn Minuten still, wälzte sich dann stöhnend aus seiner Coye, tappte nach seiner dicken wollenen Jacke, die er endlich fand und anzog, nahm die Mütze von dem Nagel, an dem sie inwendig in seiner Schlafstelle ihren Platz hatte, und folgte dem Steward an Deck.

Er hatte kaum den letzten Fuß von der Leiter genommen, als Jean ebenfalls aus der Coye sprang, ihm leise nachschlich und an Deck horchte wo er blieb. Er war zurück nach dem Quarterdeck gegangen.

»Was jetzt thun?« sagte er leise, als er wieder herunterstieg – »in ein paar Stunden ist es Tageslicht, und das größte Glück, daß wir den Burschen wenigstens aus dem Logis haben. Das hätt' ich aber wissen sollen, daß er so fest wie ein Bär schlief – wir könnten jetzt alle in Sicherheit sein. Wer gibt nun den besten Rath?«

»Ob es der beste ist weiß ich nicht«, sagte der eine Deutsche, »aber etwas kann ich Euch vorschlagen: ich will mich, wenn die Luft klar ist, vorne hinunter lassen und eins von den kleinern Booten dicht unter die Klüsen holen. – Dann müßt Ihr sehen wie Ihr die Säcke, ohne daß der Zimmermann etwas merkt, einen nach dem anderen hinunterbringt, und ich schaffe sie dann ans andere Ufer hinüber, wo ich auf Euch warte bis Ihr mich abholt.«