»Hallo da – schlaft Ihr?« es war stockfinster und man konnte keine Hand vor Augen sehen.
»Ist das Jean?« frug vorsichtig eine einzelne Stimme.
»Ja«, lautete die ebenso leise Stimme – »habt Ihr alles in Ordnung?«
»Alles in Ordnung«, erwiederte Bill – »ist die Luft rein? meine Wacht muß gleich angehen.«
»Gebt Euch keine Müh«, sagte Jean. »Die Schufte müssen Lunte gerochen haben; wir brauchen die Nacht nicht zu wachen. Wahrscheinlich will der Mate mit dem Zimmermann, und vielleicht auch Steward selber Wache gehen. Der Capitän ist auch schon an Bord, wie mir der Zimmermann gesagt hat.«
»Verflucht noch einmal«, rief der Koch, der es in diesem Fall ganz mit den Matrosen hielt, und sprang mit einem Satz aus der Coye, in die sie sich alle, als sie das Zeichen hörten, hineingeflüchtet hatten. »Jetzt sind wir geleimt.«
»Doch noch nicht«, meinte Jean, der vorher noch einen vorsichtigen Blick nach oben geworfen. »Erst wollen wir einmal abwarten wer die nächste Wache hat, und dann sehen was sich thun läßt – wenn ich nur erst meine Siebensachen in Ordnung hätte. Ein Licht darf ich mir aber gar nicht anstecken, sonst haben wir den Satan gleich wieder auf dem Hals.«
»Hier, nimm die kleine Laterne«, sagte Bill und reichte sie ihm aus der Coye – »die kannst du in deine Kiste setzen, da fällt kein Strahl nach oben.« Jean fühlte sich zu ihm hin, ging in die vorderste Ecke die Kerze darinnen anzuzünden und brachte dann den vollkommen geschützten Strahl sicher in seine Kiste, die glücklicherweise an einer Wand stand und von oben aus nicht leicht gesehen werden konnte. Er brauchte auch nicht lange, mit seinen Sachen in Ordnung zu kommen; um halb ein Uhr war alles gerüstet, das Licht wieder ausgelöscht und Bob wurde jetzt zum Recognosciren an Deck geschickt. Er kam nach zehn Minuten etwa wieder herunter. Der Steward war auf Wache, und kaum hatte er diesen Bericht abgestattet, als der Zimmermann ins Logis kam, sich auszog und zu Coye ging.
Es war jetzt weiter gar nichts zu thun, und Jean faßte schon den Entschluß bis Tagesanbruch noch zu warten, dann aber, wenn sich bis dahin kein anderer Ausweg zur Flucht zeigen sollte, seine Sachen im Stich zu lassen und nur mit seinem Gelde an Land zu gehen, oder, wenn auch das nicht gehen sollte, über die Bay ans andere Ufer zu schwimmen.
Bis zwei Uhr lagen die Matrosen alle in peinlichster Erwartung; keiner schlief, keiner wagte aber auch nur ein Wort zu sprechen, denn der Zimmermann schnarchte nicht und verrieth auch sonst durch nichts, daß er selber eingeschlafen sei. Was da thun?