Der Mate vom Boreas warf einen schnellen aber forschenden Blick über sämmtliche Gäste hinüber, und trat auch in das kleine »Privatzimmer«, in das er indiscret genug und, von einem »what do you want« der darin Sitzenden angeschnauzt, hineinschaute, konnte aber kein bekanntes Gesicht entdecken. Mrs. und Mr. Mac Carther warfen sich übrigens einen Blick zu, den sie beide zu verstehen schienen, und die »Dame« wandte sich dann mit der größten Freundlichkeit an die Neuangekommenen, und frug was sie zu trinken wünschten. Sie ließen sich eine Flasche Porter und drei Gläser geben, und setzten sich an einen der Tische.

Polly ging ab und zu, und schien besonders mit dem Polizeidiener, einem jungen, hübschen und schlanken Mann, gut bekannt zu sein. Als Mr. Mac Carther die zweite Flasche auf den Tisch setzte, stand der junge Mann von der Wasserpolizei auf und ging hinaus – wenige Minuten darauf folgte ihm Polly – sie standen beide in der offenen Hausthür.

»Polly«, sagte der Polizeidiener, und hob ihr mit dem rechten Zeigefinger das Kinn empor – »wo sind die Leute vom Boreas, die Ihr versteckt habt?«

»Die Ihr versteckt habt?« sagte das Mädchen schnippisch und schnell, und schlug den Finger mit der verkehrten Hand weg – »die Ihr versteckt habt? – was gehen mich die Leute vom Boreas oder irgend einem anderen »aß« an, und was hätt' ich davon, Matrosen zu verstecken? – Wenn Ihr mir weiter nichts zu sagen habt, Mr. Naseweis, dann seid so gut und laßt mich ein andermal zufrieden.« Und damit wollte sie sich von ihm losmachen und wieder ins Schenkzimmer gehen. Charles, wie der junge Mann hieß, faßte aber ihre Hand und sagte schmeichelnd: – »Sey nicht närrisch, Polly – du verstehst wie ichs meine, und daß ich recht gut weiß wie du selber nichts damit zu thun hast – obgleich mir Gerüchte zu Ohren gekommen sind von einem jungen Franzosen der –«

»Charles«, sagte das Mädchen, und schien ernstlich böse zu werden, »du hast es heut Abend ordentlich darauf angelegt mich zu ärgern, und ich antworte dir keine Sylbe weiter.«

»Was das betrifft, mein Schatz«, lachte der andere, während er jedoch die Hand des Mädchens noch immer fest dabei hielt – »so hast du mir auch noch gar keine Sylbe geantwortet. – Ich weiß aber, daß du ein vernünftiges Mädchen bist – du hast mir davon schon zu viele Proben gegeben, so laß uns denn auch ohne weitere Umschweife ein vernünftiges Wort miteinander reden. Auf das Einfangen der Leute vom Boreas wird in der nächsten Woche, wenn der Capitän erst einmal weg muß, ein sehr bedeutender Preis gesetzt werden – wenn du die Hälfte davon verdienen kannst, wirst du doch vielleicht zusehen, ob du mir ein oder das andere von Mr. und Mrs. Mac Carther herausbekommen kannst?«

»Du glaubst doch nicht etwa«, fiel ihm das Mädchen rasch in die Rede, »daß Mr. und Mrs. Mac Carther weggelaufenen Matrosen in ihrem eigenen Hause ...«

»Gott bewahre«, unterbrach sie Charles lachend »da sind sie beide viel zu vernünftig dazu, als daß sie sich einer solchen Gefahr aussetzen sollten – es stehen 50 Pfund Sterling Strafe darauf. – Nein, aber sie – haben doch manches – oh hol's der Henker, du bist klug genug, und dir brauch ich doch weiter keine Erklärung zu geben.«

Das Mädchen sah einen Augenblick vor sich nieder und sagte dann leise –

»Wie hoch wird die Belohnung etwa sein?«