»Aber Charles –«

»Aber Polly – Und nicht etwa ein Zeichen gegeben. – Ich gehe nicht fort, ich bleibe hier unten an der Treppe stehen – good bye, Polly – Heut Abend werden wir nicht weiter mitsammen sprechen können, morgen Mittag aber komm ich her und sage dir Antwort, und – laß der Alten nichts merken.« Damit nahm er die sich nur schwach Sträubende ohne weitere Umstände beim Kopf, küßte sie herzhaft ab und öffnete dann selber, ihr jede weitere Einrede abzuschneiden, die Thür, hinter der er sich aber wohlweislich verborgen hielt. Es blieb Polly auch gar kein anderer Ausweg als einzutreten, und um ihre Bewegung zu verbergen, machte sie sich, so viel sie konnte, im Zimmer Beschäftigung, wischte die Tische ab, und trocknete die Gläser aus.

Noch war sie mit dieser letzten Arbeit beschäftigt, als dicht vor dem Fenster, draußen auf der Straße, dreimal mit einem schweren Stock aufgestoßen wurde – sie erschrack so heftig darüber, daß sie das eben erst aufgenommene Glas fallen ließ, wobei es in Scherben brach. Während Mrs. Mac Carther noch darüber zankte, standen die beiden Männer, die am Tisch gesessen hatten, auf, tranken das letzte aus was sie noch im Glas hatten, und verließen langsam das Zimmer. Das diente ebenfalls nicht dazu Madame in bessere Laune zu bringen.

»Da geht das Lumpengesindel, das in zwei Stunden für einen Sixpence verzehrt hat – und dafür muß man Licht verbrennen und Gläser zerbrechen lassen. Wenn ich meinen Willen hätte, so würden die Tische und Bänke hier eher zu Feuerholz verbrannt, als daß sie mit hälfen das faule, povere Gesindel auch noch hier in seinem Müßiggang zu bestärken, und Einem zu Schimpf und Aerger da sitzen zu bleiben.«

Mac Carther, der durch das Zerbrechen des Glases erwacht und aufgefahren war, warf einen vorsichtigen Blick im Zimmer umher. Da er aber niemanden bemerkte, wollte er sich eben wieder auf seinen alten Sitz niederlassen, als er schwere Schritte auf der Hausflur hörte. Er war noch nicht ganz hinter dem Schenktisch vor als die Thür aufging, Charles den Kopf hereinsteckte und sagte:

»Mr. Mac Carther, auf ein Wort.«

Polly horchte mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, und das Herz schlug ihr fast hörbar in der Brust, aber sie konnte nichts verstehen. – Die Männer gingen zusammen die Treppe hinauf – sie konnte es endlich nicht länger aushalten, ging an die Thüre und öffnete diese. – Oben entstand Geräusch – ein Schlüssel wurde im Schloß umgedreht und dann angeklopft – Alles ruhig – im nächsten Augenblick schallte ein Lärm herunter, als ob eine Thür aufgebrochen würde.

»Polly« – rief Mrs. Mac Carthers Stimme – Polly drehte sich um und ein ganzer Schwarm Matrosen kam in diesem Augenblick durch die Mittelthür ins Zimmer – Brandy, Ale, Porter, Portwein, alle nur möglichen Getränke wurden verlangt, und Polly hätte gerade in diesem Moment Gott weiß was dafür gegeben, nur wenigstens eine ungestörte Viertelstunde zu haben. Bald darauf kamen die Schritte wieder die Treppe herunter; Stimmen wurden auf der Hausflur gehört und das Geräusch verlor sich auf der Straße. Fast in demselben Augenblick kam Mr. Mac Carther herein, warf die Thür hinter sich zu, daß die Fenster klirrten, griff seinen Hut auf und stürmte wieder hinaus.

Gleich darauf war Alles ruhig und Polly sagte leise vor sich hin – »Gott sei Dank, daß es vorbei ist.«

Als Charles Mr. Mac Carther zu sich auf die Flur gerufen hatte, sagte er zu diesem freundlich: