Hans sagte kein Wort, er drehte sich nur halb nach ihm um und sah ihm starr ins Gesicht – er war todtenbleich geworden, und das kranke Bein, auf dem er zu lange gestanden, fing ihn plötzlich so an zu schmerzen, daß er sich an dem nächsten Pfeiler halten mußte.

»Faule, schuftige Bande,« schrie jetzt der Capitän in fast trunkener Wuth, ohne jedoch zuzuschlagen, denn der Mann stand ihm, ohne eine Hand aufzuheben, gegenüber – »die das Brod nicht verdienen, was sie ihrem Herrgott abstehlen. Nun, zum Donnerwetter, was steht der Lump da und hat Maulaffen feil – Wird's bald, und kriegen die Pferde heute noch etwas zu saufen.«

Hans wandte sich um, als er aber auf sein Bein trat, knickte er zusammen und konnte sich nur mit Mühe aufrichten, suchte aber doch mit äußerster Anstrengung seinen Schmerz zu verbeißen. Er hatte dabei die Laterne umgestoßen, die neben ihm stand, nahm sie aber gleich wieder in die Höh und hing sie in einen dazu bestimmten Haken.

»Ungeschicktes Vieh,« sagte da der Capitän, und stieß ihm, noch während er damit beschäftigt war, den Stiel der Gabel gegen den Nacken.

»Capitän!« knirrschte aber auch in diesem Augenblick der Gemißhandelte zwischen den fest zusammengebissenen Zähnen hindurch – »ich habe meine Schuldigkeit, so viel in meinen Kräften stand, gethan, und keine Mißhandlung verdient!«

»Bestie!« schrie jetzt ordentlich jauchzend, daß er eine gegründete Ursache gegen einen Widersetzlichen hatte, der Capitän, und drehte die Gabel in der Hand um, daß er das schwere Eisen nach oben schwang – »willst du muksen?« und im nächsten Moment fuhr das Instrument sausend nach dem Kopfe des Matrosen – aber es traf nur den Pfosten, und während die Pferde wieder in wilder Scheu zurückschreckten und stampften, schlugen und an den Tauen rissen, griff eine eiserne Faust des Capitäns Kehle, und ein schwerer Schlag schmetterte ihn zu Boden.

Zehntes Capitel.
Die unterbrochene Execution.

Eine Stunde etwa nach den im letzten Capitel beschriebenen Vorgängen lag der Capitän, mit Essigumschlägen über den Kopf, in seinem Bett in der Cajüte, und der deutsche Matrose Hans schwer in Eisen geschlossen in einer kleinen Art von Behälter des untersten Raumes dicht neben dem Steuer, zwischen zwei dort angebrachten eisernen Wasserreservoiren. Der Capitän hatte sich seine Bestrafung auf den andern Tag vorbehalten und wollte, wie er gemeint, ein exemplarisches Beispiel statuiren. – Er hatte mit dem ersten Mate eine lange Besprechung darüber gehabt.

Der Steward lag übrigens auch in seiner Koje, der Leib war ihm, wo ihn das Pferd gepackt gehabt, bös aufgeschwollen und er wimmerte und lamentirte vor Schmerzen. Mit Jack ging es ebenfalls nicht besser – er hatte den Abend wieder starkes Fieber und konnte nicht an Aufstehen denken. Des Capitäns Wache war dadurch so eingeschmolzen daß der Koch mit dazu genommen werden mußte, obgleich er sich keineswegs, wie er sich ausdrückte, ein »Vergnügen daraus mache.«

Es herrschte übrigens ein dumpfes Schweigen unter der Mannschaft. Hans war seines stillen anspruchslosen Wesens wegen von Allen gern gesehen; dabei gab es keinen tüchtigeren Matrosen an Bord als ihn, und François' Erzählung, der ja Zeuge des Vorfalls im unteren Raum gewesen, diente gerade nicht dazu sie gegen den Capitän günstiger zu stimmen. Nichts destoweniger hatte er Hand an seinen Vorgesetzten gelegt, und die angeborene, fast möchte ich sagen Scheu, die in dieser Hinsicht in den Leuten steckte, ließ sie auch von seiner Bestrafung – wie er immer gereizt gewesen sein mochte – als von einer Sache sprechen die sich von selbst verstände, und durch Nichts geändert werden könne.