Die Verwirrung hatte ihren Höhepunkt aber noch lange nicht erreicht. Das einzige Pferd nämlich, was sich bis jetzt bei der ganzen Sache vollkommen ruhig verhalten, ja nicht ein Glied gerührt, und nur vorsichtig gebückt mit zurückgezogenem Kopf, aber lebhaft und tückisch blitzenden Augen dagestanden hatte, war eben der Fuchs gewesen, von dem François vorher gesprochen, und der geduldig ein Opfer für seinen nächsten Angriff zu erwarten schien. Der Steward war ihm der nächste. Dieser stand, nicht das mindeste von der ihm im Rücken drohenden Gefahr ahnend, mit der ihm vom Capitän wieder zugereichten Laterne mitten in dem Gang, der zwischen den beiden Reihen Pferden gelassen worden. Der aber war nicht drei Schritt von der Stelle ab, wo der Fuchs, mit fest zusammengebissenen Zähnen, gierig auf die nächste Bewegung seiner ausersehenen Beute lauerte.

Die sollte auch nicht lange auf sich warten lassen. Der Capitän bedeutete den Steward mit dem Licht nach hinten zu gehen, daß die Thiere sich wieder beruhigen möchten. Dieser wollte auch eben dem Befehl Folge leisten, hatte aber kaum seinen zweiten Schritt gethan, als er einen lauten Angst- und Schmerzensschrei ausstieß und die Laterne fallen ließ. Der Fuchs war nämlich ohne weitere Warnung mit dem Kopf durch seine beiden Querbalken hingefahren, und den Mann gerade über der Hüfte packend, hielt er ihm hier Hose und Fleisch, ingrimmig zwischen seinen scharfen ehernen Zähnen eingeklemmt; an Losreißen war nicht zu denken.

»Pfui, Fuchs, schäm dich!« rief Hans, der wegen seines kranken Beines nicht gleich so schnell hinüber konnte, den Gefangenen zu befreien. Fuchs aber, obgleich er sonst gewöhnlich auf seines Fütterers Wort hörte, schämte sich diesmal nicht, und ließ den jetzt Zeter und Mord Brüllenden auch nicht eher los, bis der Capitän zusprang, ihn zu befreien; dann geschah es aber auch nur, um nach dem neuen Opfer zu schnappen. An diesem hafteten jedoch seine Zähne diesmal nicht, denn er stieß ihn so heftig mit dem Maul gegen den Leib, daß er zurücktaumelte und mit dem Kopf an den gegenüberstehenden Pfosten schlug.

Als er sich wieder in die Höhe richtete, wollte der Fuchs seinen Angriff erneuern, jetzt sprang aber Hans dazwischen und trieb das freudig und fast höhnisch wiehernde Thier in seine Gränzen zurück. Der Steward aber kroch indessen wie eine Schlange in dem schmalen Gang hin und hielt nicht eher an, bis er die Leiter halb hinauf war. Dort blieb er stehen und schrie nun zurück, »das sei eine schändliche Gemeinheit, denn er habe selber gesehen wie Hans das Thier auf ihn gehetzt hätte.«

»Tropf,« war das einzige was Hans, halb lachend, halb verächtlich auf die Anschuldigung erwiederte, und er wandte sich dabei wieder nach dem Rappen um, diesen aufs neue festzumachen, und die anderen Thiere zu beruhigen und zu tränken. So leichten Kaufs sollte er aber bei dem Capitän nicht davonkommen, denn Capitän Oilytt, durch Rum, Aerger und den letzten Fall zu wahrer Wuth gebracht, schäumte fast vor innerlich kochendem Grimm und suchte nur noch ein Opfer, an dem er ihn auslassen konnte.

François merkte das, und drückte sich aus dem Weg, und auch Hans fühlte, wie der Capitän nur eine Ursache suche mit ihm anzubinden; that aber als ob er entweder nichts merke oder sich nur wenig um die Sache bekümmere. Den ersten allgemeinen Ausbruch des Gereizten oder eigentlich sich selber erst Aufreizenden: »Ihr verdammten Hallunken hier unten macht was Ihr wollt mit den Thieren, und ich muß Euch nur erst einmal die Katze zu fühlen geben,« ließ er deshalb auch unbeantwortet, und machte sich mit dem Rappen zu schaffen, den er durch Zureden so weit vorn an die Stange zu bringen versuchte, daß er ihm das Halfterseil wieder anknoten konnte.

»You, Sir, there,« rief aber der Capitän, »ich spreche mit Euch – Gott verdamme es, wollt Ihr wohl so gut sein und mir Antwort geben wenn ich mit Euch rede? – Was ist das hier für eine Wirtschaft unten? – Ueberall liegt das Geschirr herum, daß man Hals und Beine darüber bricht – die Pferde sind wund gescheuert und liederlich angebunden, daß sie sich einander zu Schanden schlagen müssen – damn it to hell and damnation, ich will darin Ordnung sehen, oder ich lasse Euch alle mit einander krumm schließen und abpeitschen.«

Hans zuckte zusammen, als ob er schon einen Schlag empfangen hätte, und hielt einen Moment, wie unschlüssig was er thun solle, in seinen Bewegungen ein. – Was ihm aber auch für Gedanken im Kopfe herum gegangen waren, seine Vernunft siegte.

»Geduld – Geduld,« murmelte er leise, wie eine Art Beschwörungsformel vor sich hin, und griff eine andere, neben ihm liegende Mistgabel auf, um das den Pferden kurz vorher gegebene und jetzt umhergestreute Heu wieder zusammenzuschieben. Der Capitän mochte aber wohl die leise geflüsterten Worte gehört haben, denn er sprang rasch auf den Mann zu, faßte ihn am Kragen und rief wüthend:

»Was murmelt der Hund – willst du auch noch gegen mich knurren? Einen Muks noch, Canaille, und ich schlage dir den tückischen Schädel bis in den Kragen hinunter!« Und er riß bei den Worten dem, nicht den mindesten Widerstand Leistenden die Mistgabel aus der Hand und hob sie drohend, wie zum Schlag in die Höhe.