»Hm!« sagte Bill, »da unten ist's laut – hallo, da kommt der Alte zu Luft – Donnerwetter, was er für einen rothen Kopf hat – wahrhaftig ich glaube er blutet. Na jetzt werden wir was Neues hören,« und mit unendlichem Fleiß, als ob er bis dahin gar nicht von seiner Arbeit aufgesehen, machte er sich wieder über das alte, von Wetter und Zeit schon arg mitgenommene Marssegel her.
Im Raum war es indessen allerdings bunt hergegangen. Als der Capitän hinunter kam, standen Hans und François eben und tränkten die Pferde, von denen einige immer noch ungern aus dem Eimer soffen. Sie schnoperten und scharrten und schnaubten, stießen mit der Nase nach dem Eimer, oder versuchten auch wohl mit einem Vorhuf hineinzufühlen, wie sie einen schwanken Steg oder zu weichen Boden erst versuchen würden, ob er auch stark und sicher genug wäre sie zu halten.
Es war natürlich sehr dunkel im unteren Raum, denn das wenige Licht was durch die schmalen Luken fiel, wurde fast total durch die beiden Windfänge gebrochen und aufgehalten, die von oben herunter niedergelassen sein mußten, den Dunst der Pferde, der sonst nirgends Abzug hatte, hinauszutreiben und reine Luft hinabzuführen. Die Hitze war dadurch auch in der That sehr gemäßigt worden, und wenn man sich erst einmal eine kurze Zeit unten befand, gewöhnte sich das Auge eher an die Dunkelheit und konnte die Gegenstände, gegen die der eben Niedersteigende wie erblindet war, leichter unterscheiden.
Als der Capitän hinunterkam, stolperte er gleich bei den ersten Schritten über eine dort lehnende Mistgabel, mit der die Leute die Streu etwas aufgelockert und die trockene von der feuchten geschieden hatten. Der Steward, der mit der Laterne hinter ihm herkam, half ihm natürlich wenig oder gar nichts mit seinem Licht, und das erste was die beiden Leute unten von der Gegenwart ihres Capitäns erfuhren, war ein entsetzliches Schwören und Fluchen über die erstlich, die in ihrer »verdammten Nachlässigkeit« das Werkzeug dort hatten stehen lassen, und dann über die ganze »nichtsnutzige, diebische, strickwerthe« u. s. w. Schiffsmannschaft.
»Parbleu,« sagte François leise auf französisch zu Hans – denn die beiden sprachen einem Verständniß gemäß, das sie unter sich getroffen, der eine sein Französisch und der andere sein Deutsch, womit sie vollkommen gut auskamen – »der Alte ist heut' in einer besonders rosenfarbenen Laune. – Ich gäb' 'was darum wenn er dem Fuchs da drüben ein bischen nahe käme. Er und der würden's dann bald zusammen kriegen.«
Der Fuchs, von dem François sprach, war das bösartigste Thier im ganzen Schiff, und Hans der einzige der ihm selbst Wasser oder Futter geben durfte. Sobald sich nur ein anderer der Leute ihm näherte, und er nur eben glaubte, sie mit seinen Zähnen erreichen zu können, fuhr er wie ein Tiger aus seiner Höhle zwischen den beiden Querbalken mit dem Kopfe durch, und Gnade Gott dann allem was er erwischte. Die übrigen Pferde hatten sich schon etwas mehr in die Umstände gefügt, obgleich sie trotzdem noch immer gern nacheinander bissen und schlugen.
»Was gutes hat er nicht im Sinn, wenn er Nachmittags hier herunterkommt,« erwiederte Hans, mehr jedoch mit sich selber redend als auf die Bemerkung des Anderen antwortend. – »Komm hier, Schwarzer,« rief er dann laut gegen das Pferd gewandt, an dem er gerade stand, und das nach dem jetzt näher kommenden Licht der Laterne hinüberschnoperte. Es trat ängstlich dabei so weit zurück, als es ihm das etwas kurze Seil, an dem sein festes Halfter saß, erlaubte – »komm hier, Bursche – es thut dir niemand 'was – hier – sauf dein Wasser, daß die anderen auch 'was kriegen – Steward! haltet ihm die Laterne nicht so vor die Nase,« wandte er sich jetzt aber rasch gegen diesen, der indessen mit dem Capitän ganz nahe getreten war und das Licht so hoch als möglich hielt, um selber darunter wegsehen zu können – »es scheut vor dem ungewohnten Strahl und wird das Halfter am Ende zerreißen.«
Der Steward senkte das Licht und wollte zurücktreten, der Capitän hatte aber in demselben Augenblick auch eine Schramme am Hals des Pferdes bemerkt – eine Stelle, wo es das Seil ein wenig wund gescheuert hatte und die jetzt, da es mit dem ganzen Gewicht seines Körpers nach hinten zog, frei kam und sichtbar wurde.
»Halt, Steward – gieb mir einmal die Laterne,« sagte er rasch – »Gott verdamme mich, wenn sie mir hier unten die Thiere nicht zu Tode schinden, falls ich nicht selber dann und wann darnach sehe. – Woh Poney – woh mein Thier – come up here, you damned son of a bitch – come up here – w-o-h – daß dich die Pest!«
Das Pferd durch das ihm dicht vorgehaltene Licht und die fremden Laute scheu und furchtsam gemacht – drängte nur immer mehr zurück, schnürte sich fast die Kehle zu, daß ihm die Augen weit aus dem Kopf traten, sprengte endlich, als der Capitän mit dem letzten, »daß dich die Pest« den Arm mit der Laterne rasch und heftig gegen es in die Höhe stieß, das Halfterseil, und stürzte auf seinen Hintertheil zurück gegen die Schiffswand. Allerdings war es noch mit einem anderen Nothtau um den Hals befestigt und festgehangen, dieses aber länger als das andere, so daß es ihm mehr Raum gab. Als es deshalb wieder in die Höhe sprang, drückte es mit aller Kraft hinter die ihm zunächst stehenden Thiere hinein, die, durch den ganzen Lärm und die ungewohnten heftigen Stimmen ebenfalls scheu gemacht, ausschlugen und wieherten und stampften, und einen Lärm machten als ob sie das ganze Unterdeck aus einander reißen wollten.